Rettungswesen

Sie unterstützen die Wehren bei Großbränden

So sieht es im ELW aus, dem Einsatzleitwagen der Feuerwehren des Landkreises Unterallgäu in Benningen: (von links) Kreisbrandrat Alexander Möbus, Benningens Feuerwehrkommandant Florian Mayer, sein Stellvertreter Christian Schwarz und ELW-Leiter Christian Rieß.

So sieht es im ELW aus, dem Einsatzleitwagen der Feuerwehren des Landkreises Unterallgäu in Benningen: (von links) Kreisbrandrat Alexander Möbus, Benningens Feuerwehrkommandant Florian Mayer, sein Stellvertreter Christian Schwarz und ELW-Leiter Christian Rieß.

Bild: Kurt Kraus

So sieht es im ELW aus, dem Einsatzleitwagen der Feuerwehren des Landkreises Unterallgäu in Benningen: (von links) Kreisbrandrat Alexander Möbus, Benningens Feuerwehrkommandant Florian Mayer, sein Stellvertreter Christian Schwarz und ELW-Leiter Christian Rieß.

Bild: Kurt Kraus

Im Unterallgäu und Memmingen gibt es Hilfe für die örtlichen Einsatzleiter, wenn es brennt oder schwere Verkehrsunfälle passieren. Warum am ELW 1 ein „Rotlicht“ am Antennenmast hängt.
So sieht es im ELW aus, dem Einsatzleitwagen der Feuerwehren des Landkreises Unterallgäu in Benningen: (von links) Kreisbrandrat Alexander Möbus, Benningens Feuerwehrkommandant Florian Mayer, sein Stellvertreter Christian Schwarz und ELW-Leiter Christian Rieß.
Von Kurt Kraus
13.09.2020 | Stand: 16:45 Uhr

Es brennt in einem Hochhaus oder auf einem landwirtschaftlichen Anwesen. Dutzende Feuerwehrleute, Polizisten und Rettungskräfte sind vor Ort. Auf den Einsatzfahrzeugen blinken unzählige Blaulichter, die insbesondere nachts weithin sichtbar sind. Mittendrin aber steht ein Fahrzeug der Feuerwehr mit einer roten Rundumleuchte am Antennenmasten. Für alle Einsatzkräfte ist damit klar: Die UG-ÖEL ist vor Ort.

Die „Unterstützungsgruppe Örtlicher Einsatzleiter“, so lautete die offizielle Bezeichnung, gibt es in jedem bayerischen Landkreis normalerweise nur einmal. Im Unterallgäu aber sind aufgrund der großen Fläche und der Struktur des Landkreises gleich drei derartige Einheiten stationiert: in Bad Wörishofen, Klosterbeuren und in Benningen. Als kreisfreie Stadt hält natürlich auch Memmingens Feuerwehr eine solche Gruppe vor.

Die Besatzung des Einsatzleitwagens (ELW 1) besteht in der Regel aus vier Personen. Sie rückt regelmäßig aus, wenn es zu einem „koordinierungsbedürftigen Ereignis“ kommt, also beispielsweise im Falle eines größeren Brandes oder Verkehrsunfalles oder aber bei einer Hochwasserlage. Wie der Name sagt, unterstützt die Besatzung den Einsatzleiter am Ereignisort.

Dazu verfügt die Gruppe, die in Benningen von Christian Rieß, 48, geleitet wird, über eine besondere Ausstattung. Die Hauptmerkmale beschreiben Benningens Feuerwehrkommandant Florian Mayer, 39, und sein Stellvertreter Christian Schwarz, 55: Es gibt einen Besprechungsraum, zwei fest eingebaute Funkplätze, einen PC mit Monitor, Drucker und Faxgerät. Mithilfe der Software „Fireboard“ kann die Einsatzlage anhand von Karten übersichtlich dargestellt und dokumentiert werden.

Für eine „Flächenlage“, wie einem Unwetter mit hochwasserführenden Flüssen und Bächen oder vollgelaufenen Unterführungen und Kellern gibt es ein eigenes Modul zur Lagebearbeitung. Auch die bereits eingesetzten oder noch zur Verfügung stehenden Einsatzmittel lassen sich entsprechend darstellen. Damit die Kommunikation mit den eigenen Feuerwehrleuten oder benachbarten Einsatzkräften wie der Polizei, dem Roten Kreuz oder dem Technischen Hilfswerk (THW) reibungslos funktioniert und nicht etwa zusammenbricht, weil das Mobil- oder Digitalfunknetz überlastet ist, verfügt der ELW 1 über eine eigene Satellitenschüssel. Auch die Bilder einer Drohne können so direkt ins Einsatzfahrzeug übertragen werden. Nein, eine Minibar gäbe es nicht, sagen Mayer und Schwarz und lachen.

„Wir missbrauchen die UG-ÖEL bei jedem größeren Feuerwehrgeschehen“, sagt Kreisbrandrat Alexander Möbus. Denn schließlich gäbe es keine bessere Übung als einen Echteinsatz. Und jeder Einsatzleiter sei froh, „wenn es jemanden gibt, der ihm den Rücken freihält“.

Auch beim Brand eines landwirtschaftlichen Anwesens in Wolfertschwenden, bei dem am 20.August zahlreiche Rinder verendet sind, war die Gruppe vor Ort. „Bei einem großen Ereignis kann der Einsatzleiter nicht mehr alles überschauen“, macht Möbus klar. Außerdem könnten in dem Fahrzeug regelmäßige Lagebesprechungen stattfinden, zum Beispiel mit dem Rettungsdienst oder einem für das betroffene Objekt zuständigen Energieversorger. Und letztlich ist die Besatzung des ELW 1 direkter Ansprechpartner der Integrierten Leitstelle (ILS) in Krumbach.

Wahl fiel auf Benningen

Laut Möbus hänge an der UG-ÖEL zusätzliche Arbeit und Ausbildung. Man habe deshalb wohl geschaut, welche Feuerwehr geeignet und bereit gewesen sei, eine solche Gruppe zu bilden. Dass die Wahl unter anderem auf Benningen fiel, habe einerseits mit der geografischen Lage zu tun, andererseits sei dies wohl auch dem früheren Kreisbrandinspektor Leo Krywult zu verdanken, der aus Benningen stamme.

Was aber hat es nun mit dem „Rotlicht“ auf dem Antennenmasten auf sich? Schon im 18.Jahrhundert sei der Einsatzleiter bei einem Schadenfeuer von einem Standartenführer begleitet worden. An der Spitze der Feuerwehrstandarte habe sich eine rote Lampe mit einer Kerze befunden. So hätten alle Einsatzkräfte immer gewusst, wo sich der Kommandant gerade aufhält.