Wohnungsbau

Siebendächer Baugenossenschaft plant Großprojekt im Memminger Osten

Spiegelschwab Gasthaus

Der Gasthof „Spiegelschwab“ und die ehemalige Gaststätte "Zur Schießstatt" sowie acht Mietshäuser in der Leonhard- und Bergermühlstraße im Memminger Osten sollen einem großen Projekt der Siebendächer Baugenossenschaft weichen. Diese möchte an gleicher Stelle Gebäude mit bezahlbaren Sozial- und Genossenschaftswohnungen errichten.

Bild: Uwe Hirt

Der Gasthof „Spiegelschwab“ und die ehemalige Gaststätte "Zur Schießstatt" sowie acht Mietshäuser in der Leonhard- und Bergermühlstraße im Memminger Osten sollen einem großen Projekt der Siebendächer Baugenossenschaft weichen. Diese möchte an gleicher Stelle Gebäude mit bezahlbaren Sozial- und Genossenschaftswohnungen errichten.

Bild: Uwe Hirt

Siebendächer Baugenossenschaft möchte marode Reihenhäuser aus den 1950er Jahren durch moderne Wohngebäude ersetzen. Architekten können Vorschläge einreichen.
04.03.2021 | Stand: 16:29 Uhr

Die Siebendächer Baugenossenschaft plant ein großes Wohnbauprojekt im Memminger Osten. Das Vorhaben wurde jetzt im Gestaltungsbeirat der Stadt vorgestellt. Dort stieß es auf offene Ohren bei den Experten. „Das ist eine spannende Ausgangslage“, sagte Architekt und Beiratsvorsitzender Werner Binotto aus St. Gallen. Bei dem Projekt geht es in erster Linie um den Bau von neuen Mietwohnungen in der Bergermühl- und der Leonhardstraße. Für die Neubauten sollen mehrere Häuser aus den 1950er-Jahren weichen. Darunter auch die Gaststätte „Spiegelschwab“ und die ehemalige Wirtschaft „Zur Schießstatt“, später Vereinsheim „Tur Abdin“.

Das Vorhaben vorgestellt haben Siebendächer-Vorstand Markus Sonntag und Architekt Mathias Rothdach, der die Baugenossenschaft bei dem Projekt berät. Nach dessen Worten entsprechen die für den Abriss vorgesehenen alten Gebäude schon länger nicht mehr den gängigen Standards – etwa mit Blick auf die Heizungsanlagen und die Ausstattung der Wohnungen. So gebe es in manchen nicht einmal eigene Sanitäranlagen. Insgesamt soll Ersatz für etwa 90 Wohnungen geschaffen werden. Wie viele neue Mietwohnungen es am Ende werden, hängt laut Sonntag von der weiteren Planung ab.

Neue Gaststätte könnte kommen

Nach den Worten des Vorstands soll das Siebendächer-Projekt das Quartier aufwerten und attraktiver machen. Demnach werde auch rund um die neuen Gebäude für mehr Aufenthaltsqualität gesorgt. Besondere Aufmerksamkeit gelte Rad- und Fußwegen sowie öffentlichen Grünflächen, Plätzen und sozialen Treffpunkten. Ferner könnte anstelle der ehemaligen Gaststätte „Zur Schießstatt“ wieder ein Lokal oder eine Café aufmachen. Flächen für kleinere Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe seien dort ebenfalls denkbar.

Um all diese Ideen in die Tat umzusetzen, möchte die Genossenschaft fünf Architekturbüros zu einer Art Wettbewerb einladen, bei dem die Planer ihre Vorstellung von attraktivem Wohnen präsentieren können. Die Architekten-Entwürfe sollen schließlich von einer Jury bewertet werden, die sich aus Vertretern der Stadtverwaltung und des Stadtrats sowie aus Fachleuten und Verantwortlichen der Siebendächer zusammensetzt. Allerdings sind die Planer nicht völlig frei bei der Gestaltung ihrer Entwürfe, sondern müssen bestimmte Vorgaben einhalten, die die Genossenschaft als Bauherr aufgestellt hat.

Pläne sehen auch Sozialwohnungen vor

Zu den geforderten Kriterien gehört etwa, dass 30 Prozent der neuen Wohnungen geförderte Sozialwohnungen sein müssen. Die restlichen 70 Prozent sollen Genossenschaftswohnungen mit erschwinglichen Mietpreisen werden. Es sind Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen angedacht mit Flächen zwischen 50 und 95 Quadratmetern. Terrassen und Balkone sind ausdrücklich erwünscht. Was die Größe einzelner Gebäude anbelangt, sollen sich die Planer am Bestand orientieren. Dies sind zwei- und dreigeschossige Häuser mit Dachgeschossen. Die Länge der Gebäude sollte ebenfalls nicht übermäßig vom Bestand abweichen und maximal 35 bis 40 Meter betragen. Als Dachformen sind Sattel- und Walmdächer denkbar. Nicht zuletzt sollen die geplanten Mietshäuser mehrere Tiefgaragen bekommen.

Lesen Sie auch
##alternative##
Wohnungsprojekt in Memmingen

Mit Dachgärten und aus Holz: Die 1950er-Jahre-Bauten kommen weg, neue Häuser in Planung

Am Ende erntete das vorgestellte Konzept viele lobende Worte vom Beiratsvorsitzenden Binotto: „Der Wettbewerb ist ein gutes Verfahren.“ Positiv sei auch, dass es mehrere Baukörper entlang der Straßen geben soll und viel Wert auf die attraktive Gestaltung der Freiflächen gelegt werde. „Sinn macht zudem“, sagte Binotto, „mit schrägen Dächern zu arbeiten.“

Was die Zeitschiene anbelangt, sagte Sonntag auf Nachfrage der MZ: „Wenn alles nach Plan läuft, könnten wir im Laufe des nächsten Jahres mit dem ersten Bauabschnitt beginnen.“ Dieser umfasse den Bereich in der Leonhardstraße. Dagegen könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, wann in der Bergermühlstraße einmal die Bauarbeiter anrücken.

Über weitere Projekte zur Aufwertung des Memminger Osten lesen Sie hier.

Funktion und Zusammensetzung des Memminger Gestaltungsbeirats

  • Funktion: Der Gestaltungsbeirat unterstützt als unabhängiges Sachverständigengremium den Stadtrat sowie Bauherrn und deren Planer. Er hat die Aufgabe, die ihm vorgelegten Bauvorhaben zu beurteilen – und zwar auf städtebauliche, architektonische und gestalterische Qualität. Das Gremium soll zur Verbesserung des Stadtbilds beitragen. Es hat aber nur eine beratende Funktion. Entscheiden müssen letztlich die Stadträte.
  • Zusammensetzung: Der Beirat setzt sich aus vier stimmberechtigten Fachleuten zusammen. Nicht stimmberechtigte Mitglieder sind der Oberbürgermeister, je ein Mitglied der im Memminger Stadtrat vertretenen Fraktionen sowie die Leitungen des städtischen Baureferats und des Stadtplanungsamts. Die externen Mitglieder werden vom Stadtrat berufen. Sie dürfen ihren Wohn- und Arbeitssitz nicht in Memmingen, Kaufbeuren, Kempten sowie den Landkreisen Ober-, Unter- und Ostallgäu haben. Ebenso scheiden die Landkreise Neu-Ulm, Günzburg, Biberach und Ravensburg aus. Eine Beiratsperiode dauert drei Jahre.

Lesen Sie auch: Diakonie erweitert Zentrum in Memmingen