Unterallgäu

So viele Störche wie nie zuvor

Die Störche fühlen sich in der Region offenbar sehr wohl. Noch nie wurden so viele Vögel gezählt wie in diesem Jahr.

Die Störche fühlen sich in der Region offenbar sehr wohl. Noch nie wurden so viele Vögel gezählt wie in diesem Jahr.

Bild: Georg Frehner

Die Störche fühlen sich in der Region offenbar sehr wohl. Noch nie wurden so viele Vögel gezählt wie in diesem Jahr.

Bild: Georg Frehner

Der Landesbund für Vogelschutz verzeichnet heuer im Unterallgäu ein absolutes Rekordjahr. Warum die Population in diesem Jahr im Landkreis so stark angestiegen ist.
21.09.2020 | Stand: 12:01 Uhr

Der Storch wird oftmals mit der Geburt von Babys in Verbindung gebracht. Doch auch beim eigenen Nachwuchs hat der Vogel in der Region heuer deutlich zugelegt. Laut dem Kreisgruppenvorsitzenden des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), Georg Frehner, stellte der Weißstorch in diesem Jahr im Unterallgäu einen neuen Rekord auf. 54 brütende Storchenpaare – und damit so viele wie noch nie zuvor – wurden gezählt. Zudem wurden 105 Jungstörche flügge. Neun Paare versuchten zwar zu brüten, konnten aber keinen flugfähigen Nachwuchs großziehen. Im Vorjahr gab es nur 40 Brutpaare, die 29 Jungvögel aufzogen. 2018 wurden 38 Storchenpaare und 60 Jungvögel gezählt.

Sogenannte „Hotspots“ waren auch heuer wieder Pfaffenhausen und Kirchheim. Die Gründe hierfür sind selbst für Experten wie den ehrenamtlichen Storchenbetreuer immer noch ein Rätsel, „auch wenn das Mindeltal im östlichen Landkreisteil natürlich feuchter ist“. Während die Störche früher immer Einzelbrüter in einem Dorf waren, brüten die Tiere heute immer mehr „kolonienartig“. Sogar in Memmingen und Mindelheim hatten heuer jeweils drei Paare gebrütet. Früher bezifferte man das Jagdgebiet eines Storchenpaares mit etwa 200 Hektar Grünland. Laut Frehner kann das angesichts der großen Kolonien heute nicht mehr stimmen. Da in Pfaffenhausen nun 18 Paare gezählt wurden, stelle sich die Frage: „Woher holen die das ganze Futter?“

Bei der Aufzucht wechseln sich Weiblein und Männlein ab, bei der Futtersuche ebenso wie beim Warmhalten und Beschatten des Nachwuchses. Vor allem in den ersten Wochen ist immer ein Altvogel am Horst. Bei Sonne und Regen breitet er mit seinen Flügeln einen schützenden Schirm über dem Nest aus. Wenn der Nachwuchs dann sicher stehen kann, kümmern sich beide Altvögel gemeinsam um die Nahrungssuche. Hauptsächlich ist Meister Adebar auf der Suche nach Feldmäusen; aber auch Regenwürmer und auch mal ein paar Frösche stehen auf seinem Speiseplan.

Gruppen mit bis zu 30 Tieren

Die Jungstörche sind zurzeit schon dabei, sich zu „sammeln“. Zeitweise wurden rund um Memmingen Gruppen mit bis zu 30 Tieren gesichtet. Laut Frehner fliegen die Jungen immer vor den Alttieren in Richtung Süden: Genetisch bedingt wissen sie, wie sie ihr Winterquartier finden: Die „Westzieher“ etwa wählen ihre Route über Südfrankreich, Spanien und Marokko nach Gibraltar. „Viele überwintern jedoch in den nahrungsreichen, offenen Mülldeponien Spaniens mit vielen Krebsarten“, sagt der Vogelexperte. Die „Ostzieher“ – die sogenannte Zugscheide entlang von Lech und Regnitz geht mitten durch Bayern – fliegen über die Türkei und Israel nach Ost- und Südafrika. Aber bei weitem nicht mehr alle Störche begeben sich in wärmere Länder: Die sogenannten „Winterstörche“ bleiben auch in der kalten Jahreszeit hier. Die Memminger Störche etwa waren im vergangenen Winter nur eine Woche weg. „Wahrscheinlich in der etwas milderen Gegend rund um den Bodensee oder am Rhein“, vermutet Frehner. Auch spüren die Winterzieher bereits am Vortag, wenn sich viel Schnee ankündigt. „Plötzlich sind sie weg und genau so plötzlich sind sie aber auch wieder da“, sagt der Experte. Während der Schwarzstorch (schwarzes Gefieder mit weißem Bauch) hauptsächlich in den Wäldern haust, bevorzugt der Weißstorch (weißes Gefieder mit schwarzen Flügeln) als typischer „Kulturfolger“ die menschlichen Siedlungen: Nur eine „Baumbrut“ gab es heuer auf einer abgebrochenen Fichte, direkt neben dem Rathaus in Stetten. Ansonsten wählen die Vögel meist hohe Kirchtürme oder künstlichen Storchenmasten.

Etwa 30 Tage lange werden im Horst die Eier ausgebrütet. Rund zwei Monate lange verbleiben die Jungvögel im Nest, bevor sie flüggewerden.