Automaten bleiben nachts geschlossen

Sparkasse reagiert auf Geldautomaten-Sprengungen - hier gibt es nun nachts kein Geld mehr

Bei einer Sprengung entsteht zumeist enormer Schaden. Das Bild zeigt den Fall der Geldautomaten-Sprengung in Wolfertschwenden im Juli.

Bei einer Sprengung entsteht zumeist enormer Schaden. Das Bild zeigt den Fall der Geldautomaten-Sprengung in Wolfertschwenden im Juli.

Bild: Franz Kustermann (Archiv)

Bei einer Sprengung entsteht zumeist enormer Schaden. Das Bild zeigt den Fall der Geldautomaten-Sprengung in Wolfertschwenden im Juli.

Bild: Franz Kustermann (Archiv)

Nach der Serie von Geldautomaten-Sprengungen im Unterallgäu setzt die Sparkasse Schwaben-Bodensee neue Sicherheitsregeln um: Wo es nachts kein Geld mehr gibt.
28.08.2022 | Stand: 08:39 Uhr

Woringen, Heimertingen, Wolfertschwenden oder Memmingen: Nach einer Serie von Geldautomaten-Sprengungen denken Banken und das Bundeskriminalamt (BKA) gemeinsam nach, was getan werden kann, um den Tätern das Handwerk zu legen. Neben einer Analyse, die zeigen soll, welche Standorte besonders gefährdet sind, könnten weitere Maßnahmen hinzukommen. Eine Maßnahme geht jetzt in die konkrete Umsetzung. Die Sparkasse Schwaben-Bodensee setzt in einzelnen Fällen auf einen Nachtverschluss.

Bisher waren die Selbstbedienungs-Zonen 24 Stunden lang geöffnet, Kundinnen und Kunden konnten sich so auch in der Nacht zum Beispiel Geld vom Automaten ausgeben lassen. Das ändert sich nun.

Sparkasse schließt nachts Zugang zu Geldautomaten ab: Hier greifen die Neuerungen im Unterallgäu

„Aktuell ist der Nachtverschluss an den Geldautomaten-Standorten Bad Grönenbach, Fellheim, Memmingerberg, Benningen und Lautrach umgesetzt“, teilt Andreas Radmüller, der Pressesprecher der Sparkasse Schwaben-Bodensee, auf Anfrage unserer Redaktion mit. Im Fellheimer Fall hatte auch das Gemeindeoberhaupt Reinhard Schaupp die Bürgerinnen und Bürger informiert. In der Kommune bleibt das Rathausgebäude zur Nachtzeit – also von 23.30 bis 5.30 Uhr – verschlossen, so der Bürgermeister.

Das ist in Absprache mit der Sparkasse Schwaben-Bodensee geschehen. „Wir haben einen gemeinsamen Eingang“, zeigt Schaupp im Gespräch mit der Redaktion auf. Es sei die Hoffnung, dass die nächtliche Schließung eine gewisse Hürde für die Täter darstelle. Letztlich gehe es um Zeit. Bei einem möglichen Tatversuch könnte im Fall eines geschlossenen Gebäudes mehr Zeit gebraucht werden, um einzudringen. Dadurch könnte die Gefahr für Täter, entdeckt und erwischt zu werden, größer werden.

„In den kommenden Wochen und Monaten ist geplant, einen Nachtverschluss auch an weiteren Standorten vorzunehmen“, so Andreas Radmüller und ergänzt zu den neuen nächtlichen Verschlusszeiten: „Wir haben in der Vergangenheit kaum Transaktionen unserer Kunden wahrgenommen.“

Die Sparkasse Schwaben-Bodensee nehme auf Basis einer Risikoanalyse erhebliche Investitionen in zusätzliche Sicherungsmaßnahmen an Geldautomaten-Standorten vor. Dazu zählt laut dem Sparkassen-Pressesprecher auch die Färbetechnologie. Bedeutet: Farbpatronen werden installiert, die bei einer Sprengung explodieren und die Scheine unbrauchbar machen.

16 Geldautomaten heuer in Bayern gesprengt

In Bayern wurden heuer bereits 16 Geldautomaten gesprengt. Darunter waren auch drei Geräte in Memmingen und dem Unterallgäu. Neben Woringen handelte es sich um Automaten in Wolfertschwenden und Memmingen.

Die Ermittlungen verlaufen schwierig

Die Ermittlungen in diesen Fällen seien schwierig – zumal die Täter nachts agieren, wenn viele Bürgerinnen und Bürger schlafen. Eine typische Vorgehensweise habe sich zum Beispiel bei der Sprengung des Geldautomaten in Heimertingen (November vergangenen Jahrs) gezeigt. Der Geldautomat wurde zunächst aufgehebelt, dann durch den Automatenschlitz ein Päckchen mit Sprengstoff eingelegt und gezündet. Das Landeskriminalamt geht in solchen Fällen von Banden aus. In der Regel bestünde eine Gruppe, eine so genannte Zelle, aus zwei bis drei Personen. „Es sind keine örtlichen Täter, meist reisende Täter“, so ein Pressesprecher des Landeskriminalamtes im vergangenen Jahr.

Zudem sei es meist so, dass die Täter einen Geldautomaten-Standort nur einmal aufsuchen würden. Doppelschläge – nach dem erneuten Aufbau – seien die Ausnahme. Häufig gelinge es, eine Person der Gruppe zu ermitteln – beispielsweise durch DNA-Spuren, durch Kameraaufnahmen, Zeugen und wiederkehrende Muster. Dann komme es auch zu einer Festnahme. Eher selten sei, eine solche Zelle auszumachen und festzusetzen.

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