Corona: Bürgerdialog nun virtuell

Stadt Memmingen hält Bürgerversammlung wegen Lockdown online ab

Oberbürgermeister Manfred Schilder beim Video-Dreh als Ersatz für eine Bürgerversammlung. Auch Bürgerfragen werden im Film beantwortet.

Oberbürgermeister Manfred Schilder beim Video-Dreh als Ersatz für eine Bürgerversammlung. Auch Bürgerfragen werden im Film beantwortet.

Bild: Stadt Memmingen

Oberbürgermeister Manfred Schilder beim Video-Dreh als Ersatz für eine Bürgerversammlung. Auch Bürgerfragen werden im Film beantwortet.

Bild: Stadt Memmingen

Statt der Veranstaltung „Stadt im Dialog“ gibt es einen halbstündigen Film zur Lage in Memmingen. Was Oberbürgermeister Manfred Schilder darin anspricht.
16.11.2020 | Stand: 06:00 Uhr

Eine Drohne fliegt übers Rosenviertel. Oder das Memminger Freibad. Im Hintergrund hört man Oberbürgermeister Manfred Schilder über diese Memminger Flächen sprechen, die so etwas wie Problemzonen in der Stadt sind. Das sind nur zwei Szenen aus einem etwa 30-minütigen Film, mit dem die Stadt Neuland betreten hat. Erstmals fand nämlich coronabedingt die Bürgerversammlung „Stadt im Dialog“ nicht von Angesicht zu Angesicht statt, sondern ist seit Sonntagnachmittag virtuell aufbereitet auf der Homepage der Stadt zu sehen. Dank solcher filmischen Kniffe wie der Vogelperspektive auf die Stadt und gut gebündelten Informationen verfliegt die halbe Video-Stunde im Nu – obwohl der Oberbürgermeister die meiste Zeit an einem historischen Tisch im Rathaus zu sehen ist.

Sogar eingereichte Fragen von Bürgern werden in diesem neuen Format beantwortet: in kurzen Einspielern vom jeweiligen zuständigen Mitarbeiter der Verwaltung. Da erklärt etwa Gartenbauamtsleiter Michael Koch, warum die Blumenwiesen der Stadt schon abgemäht wurden. Oder ÖPNV-Expertin Sabine Ganser, warum es noch ein bisschen dauert, bis man in kürzeren Taktungen und mit nur einem Ticket im Bus unterwegs sein kann.

Oberbürgermeister spricht vor Bürocontainern des Gesundheitsamtes

Wie von Bürgerversammlungen gewohnt, gibt Schilder einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen, erledigte Aufgaben und anstehende Projekte in Memmingen. Am Anfang steht natürlich Corona, das seit März wie eine schwarze Wolke über allem schwebt. Schilder steht vor den neuen Bürocontainern des um 24 Mitarbeiter aufgestockten Gesundheitsamtes, wenn er darüber spricht, welche „großartige Arbeit“ Klinikum und Ämter, Schulen und Kitas in der Pandemie leisten.

Viel Geld hat die Stadt wieder in die Hand genommen, um Schulen zu sanieren: 22 Millionen Euro flossen beispielsweise seit 2017 ins Bernhard-Strigel-Gymnasium, das jetzt fast fertig ist; 2,4 Millionen verschlang eine Erweiterung der Volks- und Mittelschule Amendingen. Und freuen dürfen sich alle Memminger Schüler auf Tablets und Laptops fürs Homeschooling. Über 400.000 Euro stehen zur Verfügung, um sie zu beschaffen. „Sie sind bestellt, wir warten auf die Lieferungen“, kündigt das Stadtoberhaupt im Video an (Lesen Sie auch: Geht die Digitalisierung der Memminger Schulen zu langsam?).

Um ganz andere Summen geht es natürlich bei zwei Großprojekten, die der OB anspricht: einen möglichen Neubau des Klinikums und ein neues Kombibad, über dessen konkrete Ausstattung der Stadtrat im Januar entschieden hat. Ein neues Krankenhaus, das die Stadt gegenüber der teuren Sanierung des bestehenden favorisiert, könnte auf dem inzwischen von der Stadt erworbenen „Ikea-Areal“ entstehen; voraussichtlich 2024 könnte mit dem Bau des Kombibades begonnen werden (Lesen Sie auch: Zu hohe Miete, Online-Handel oder Corona - wieso gibt es immer mehr Leerstände in Memmingen?).

Bürger beteiligen sich an Planung von Sanierungsgebiet Rosenviertel

Auf einem guten Weg sei man in Sachen Rosenviertel, wie das Sanierungsgebiet Bahnhofsareal jetzt heißt, erläutert Schilder. Ausführlich geht er auf die rege Beteiligung der Bürgerschaft bei der Planung der „letzten größeren, frei zu entwickelnden Fläche innerhalb der Altstadt“ ein. Ein Bürgerentscheid hatte im Mai 2019 die Pläne für die Bebauung durch einen privaten Investor gestoppt. Zwei Themenwerkstätten gab es heuer zu diesem Projekt, eine davon fand online statt.

„Nachhaltig und zukunftsfähig“ wolle man dort bauen, sagt Schilder. Diese Stichworte tauchen auch auf, wenn er etwa über den Klima- und Artenschutz spricht, den die Stadt betreibt, oder ihren Weg zur Zertifizierung als „Fahrradfreundliche Kommune“. Durchgehend zeigt sich Schilder optimistisch, was die Entwicklung der Stadt angeht – und wünscht auch den Bürgern am Ende: „Bleiben Sie zuversichtlich“.