Blasmusik

Stadtkapelle kommt mit leichter Kost zurück aus dem Lockdown

KU Stadtkapelle

Endlich wieder auftreten: Nach eineinhalb Jahren Zwangspause spielte die Stadtkapelle Memmingen eine „öffentliche Probe“ auf dem Marktplatz.

Bild: Uwe Hirt

Endlich wieder auftreten: Nach eineinhalb Jahren Zwangspause spielte die Stadtkapelle Memmingen eine „öffentliche Probe“ auf dem Marktplatz.

Bild: Uwe Hirt

Stadtkapelle und Jugendkapelle Memmingen „proben“ auf dem Marktplatz. Warum sie nur vor Laufpublikum zu spielen und keine Werbung dafür machen durften.
29.07.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Wer an diesem Nachmittag zufällig zur rechten Zeit über den Marktplatz in Memmingen schlenderte, befand sich ganz unvermittelt in einem „Konzertsaal“: Zwischen Großzunft und Brunnen hatten nämlich zuerst die Jugendkapelle und dann die Stadtkapelle Memmingen Stühle, Notenständer und ein Dirigentenpult aufgebaut. Warum die Musikerinnen und Musiker bei dieser „öffentlichen Probe“, wie sie den Auftritt nannten, in Konzertkleidung Platz nahmen und trotzdem keine Werbung dafür gemacht haben? Wegen Corona natürlich.

Seit sechs Wochen dürfen die Jugend- und die Stadtkapelle mit ihrem Dirigenten Markus Peter nach dem langen Lockdown wieder proben. Dabei entstand die Idee, für die Öffentlichkeit zumindest ein Freiluftkonzert zu geben. Das stellte sich allerdings als schwierig heraus. Selbst für einen Open-Air-Auftritt ohne Eintritt verlangte die Stadt hohe Hygieneauflagen wie einen abgesperrten Bereich, nummerierte Sitzplätze mit Abstand und Einlasskontrollen.

Musiker mit Mindestabstand

„Das konnten wir nicht leisten“, sagt der Stadtkapellmeister. Eine Veranstaltung drinnen hätte ohnehin keinen Sinn gemacht. Schließlich kam das Ordnungsamt den Musikern, die vor der Sommerpause unbedingt noch ein Konzert spielen wollten, entgegen: Wenn man das Ganze als öffentliche Probe deklariere und keine Werbung dafür mache, könne man irgendwo in der Stadt auftreten. Auflage war dafür nur ein Mindestabstand zwischen den Musikern.

Schnell war beschlossen, sich in Memmingens Guter Stube zu platzieren. Eigentlich waren dafür zwei Nachmittage vorgesehen, der erste fiel allerdings wetterbedingt ins Wasser. Dafür war die Begeisterung bei den Akteuren nach dem zweiten umso größer. „Es war für alle ein Genuss, nach über eineinhalb Jahren endlich wieder vor Publikum spielen zu dürfen und Applaus zu hören“, schwärmt Peter. Man probe ja immer für Publikum und habe sich auch auf diesen Nachmittag vorbereitet wie für ein Konzert.

Spielfreude "Im Weissen Rössl" entdecken

Eine Art Serenade sollte das Platzkonzert draußen werden, deshalb wählte Peter dafür eher leichte Kost. „Das war besser für die Zuhörer, die ja zufällig vorbei kamen, und auch für meine Musiker, die nach der langen Pause erst einmal ihre Spielfreude wiederfinden sollten“, sagt er. Zudem sei das Zusammenspielen mit Abstand extrem schwer. „Gerade die Jüngeren in der Jugendkapelle, sind darauf angewiesen, dass der neben dran ein bisschen hilft.“ Also gab die Stadtkapelle zum Beispiel ein Medley aus dem Singspiel „Im Weissen Rössl“, das fast jeder kennt, zum Besten oder „Concert Prelude“ von Philip Sparke – und die Jugendkapelle unter anderem Jacob de Haans „Ross Roy“.

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Gar nicht so einfach war es übrigens für die Stadtkapelle, die Proben wieder aufzunehmen, platzt doch der Probenraum in der ehemaligen Aussegnungshalle am Alten Friedhof schon ohne Abstandsregel aus allen Nähten. Ein Glücksfall sei gewesen, dass seine neue Erste Klarinettistin Lehrerin an der Sebastian-Lotzer-Realschule ist, erzählt Peter. „Über sie durften wir in der Aula proben und sogar unser Equipment im Musiksaal unterstellen. Nach den Sommerferien ginge das aber nicht mehr.

Nun hofft er, mit Hilfe der Stadt im Herbst ein anderes Ausweichquartier zu finden. „Ich hoffe, dass dann auch der schon lange geplante Umbau unseres Probelokals endlich beginnt“, sagt Peter. Die Pläne seien fertig und wirklich schön geworden, so viel er wisse, lägen sie gerade beim Denkmalamt in München, das ihnen zustimmen müsse.

Proben laufen schon sehr gut

Schon wieder sehr zufrieden ist der Stadtkapellmeister mit dem Können seiner Musiker. Natürlich sei es am Anfang etwas zäh gewesen, es seien in der langen, probenlosen Zeit viele Automatismen und Routinen verloren gegangen („das sagen auch andere Dirigenten“). Aber die letzten beiden Proben seien schon sehr gut gelaufen. Und er freut sich, dass alle dabei geblieben sind.

Nun bleiben die Instrumente in der Sommerpause erst einmal wieder stumm. Aber Peter ist optimistisch, dass sie im September wieder zum Klingen kommen und die Stadtkapelle dann für ihr traditionelles Herbstkonzert am 13. November üben kann. Die Noten dafür hat Peter schon bestellt. „Ich habe nach dieser schweren Zeit Musik ausgesucht, die Emotionen aufgreift“, verrät er.