Memminger Fischertag 2021

Tradition, Frauen-Diskussion und Fischerkönig: Darum geht's beim Fischertag in Memmingen

Fischertag in Memmingen: Seit Beginn des 19. Jahrhunderts "jucken" Memminger Buben und Männer auf der Jagd nach der Königsforelle in den Stadtbach. Unumstritten ist das Heimatfest nicht.

Fischertag in Memmingen: Seit Beginn des 19. Jahrhunderts "jucken" Memminger Buben und Männer auf der Jagd nach der Königsforelle in den Stadtbach. Unumstritten ist das Heimatfest nicht.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Fischertag in Memmingen: Seit Beginn des 19. Jahrhunderts "jucken" Memminger Buben und Männer auf der Jagd nach der Königsforelle in den Stadtbach. Unumstritten ist das Heimatfest nicht.

Bild: Ralf Lienert (Archiv)

Tierschutz, Gleichberechtigung, Tradition: Immer wieder gerät der Fischertag in Memmingen in die Diskussion. Wir erklären, worum es bei dem Heimatfest geht.

04.08.2020 | Stand: 13:24 Uhr

Was ist der Memminger Fischertag?

Der Fischertag in Memmingen ist ein traditionelles Heimatfest, das jährlich in der letzten Woche vor den Sommerferien stattfindet. Mit dem Böllerschuss am Samstagmorgen um 8 Uhr "jucken" rund 1.200 Memminger Männer und Buben in den Stadtbach, die Memminger Ach. Mit ihren Fischerbären wollen sie die schwerste Forelle, die sogenannte Königsforelle, fangen. Wem dies gelingt, wird Memminger Fischerkönig. Diesen Titel darf er bis zum nächsten Fischertag tragen.

Rund um das Bachausfischen wird der Fischertag den ganzen Tag lang mit Frühschoppen, Zug der Fischer und Festzug am Abend gefeiert. Bereits am Freitagabend zuvor tummeln sich Zehntausende in der Altstadt und feiern ausgelassen den Fischertagsvorabend in Memmingen. 

Wieso feiern die Memminger den Fischertag?

Seinen Ursprung hat der Fischertag in Memmingen im Mittelalter. Damals diente die Ach als Be- und Entwässerungssystem der Stadt. Einmal pro Jahr musste das Wasser abgelassen werden, um das Bachbett von Dreck und Abfällen zu säubern. Zuvor durften die Gesellen der Handwerkszünfte den Bach leerfischen. Aus dieser Tradition entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Memminger Fischertag.

Auf den Ursprung der Tradition beruft sich der Fischertagsverein Memmingen in der aktuellen Debatte, weshalb keine Frauen und Mädchen in den Stadtbach jucken dürfen. Seit Beginn des Bachausfischens im 15. Jahrhundert waren es laut Überlieferung die männlichen Gesellen der Zünfte, die das Säubern des Gewässers übernahmen.

In Bezug auf Hygiene und den Geruchssinn damals sicherlich eine undankbarere "Aufgabe" als heutzutage. Schließlich wurde der Bach zu Ursprungszeiten des Fischertags genutzt, um Gerbereiabfälle, Fäkalien oder Reste aus Schlachthäusern zu entsorgen. 

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Fischertag in Memmingen 2019

Wer ist amtierender Fischerkönig in Memmingen?

Viele gebürtige Memminger hegen den Traum, einmal im Leben Fischerkönig zu werden. Der Fischerkönig 2019 in Memmingen heißt „Walter IV., der Taucher“. Ihre Beinamen erhalten die Regenten entsprechend ihrer Hobbys, Berufe oder sonstigen Besonderheiten. Mit vollständigem Namen heißt der amtierende Regent Walter Gröner (62).

Er ist der erste Fischerkönig, der zwei Jahre auf dem Thron bleiben kann - nachdem der Fischertag 2020 in Memmingen wegen Corona abgesagt werden musste. Seine Königsforelle 2019 wog 1.840 Gramm, er zog sie am Bachabschnitt beim Restaurant und Hotel "Weber am Bach" in der Altstadt aus dem Wasser.

Die schwerste je gewogene Königsforelle mit 4.750 Gramm zog Werner Rast beim Fischertag 1975 aus dem Stadtbach.

Frauen beim Memminger Fischertag: Wieso will sich ein weibliches Vereinsmitglied "in den Bach" klagen?

Dem Ursprung und der Tradition entsprechend dürfen nur männliche Mitglieder des Fischertagsvereins Memmingen am Fischertag in den Stadtbach jucken. Gegen diese seit 1931 in der Vereinssatzung stehende Regel klagt nun ein weibliches Mitglied. Sie hält das Verbot für nicht mehr zeitgemäß und fühlt sich diskriminiert. "Ich bin mit dem Fischertag groß geworden und möchte schon lange beim Ausfischen mitmachen wie mein Bruder und mein Neffe", sagt die Klägerin, die seit über 30 Jahren Mitglied im Fischertagsverein ist. Bei den Delegiertenversammlungen des Vereins wurden entsprechende Anträge von ihr mit breiter Mehrheit abgelehnt.

Die Fronten sind verhärtet, nun muss die Justiz entscheiden. Das Amtsgericht Memmingen will am 31. August ein Urteil fällen. Die Frau hat aber angekündigt, die Angelegenheit notfalls vom Bundesverfassungsgericht klären zu lassen.

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Erinnerungen an den Fischertag - die schönsten Leserfotos

Tradition vs. Tierschutz: Deshalb wollen PETA und Co. den Fischertag abschaffen

Unumstritten ist der Memminger Fischertag schon länger nicht: Tierschutzorganisationen wie PETA klagen das in ihren Augen sinnlose Töten von Forellen zu Wettbewerbszwecken an. Immer wieder kam es deshalb auch zu öffentlichkeitswirksamen Protesten von Tierschützern in Memmingen.

Der Fischertagsverein verweist dagegen auf die jahrhundertelange Tradition und den verantwortungsvollen Umgang mit den Tieren, zu dem die Fischer durch Kurse und Kontrollen am Bach angehalten werden. 

Schmotz, Schmotz, Dreck auf Dreck, Schellakönig, wüaschte Sau: Diese Fehler macht kein Memminger 

Wer von einem Memminger etwas über das Heimatfest erfahren will, sollte drei Fragen vermeiden: 1.) Springst du auch in den Bach? 2.) Hast du auch so einen Kescher? 3.) Wieso feiert ihr überhaupt das Fischerfest? Denn: 1.) Die Memminger springen nicht, sie jucken in ihren Stadtbach, die Memminger Ach. 2.) Sie benutzen zum Fischen der Forellen keine Kescher, sondern „Bära“ (lang und hochdeutsch: „Fischerbären“) – um damit 3.) am jährlich stattfindenden FischerTAG die Forellen zu fangen.