Anno 1525

Trotz Corona: Bauernkriegslager in Bad Grönenbach soll stattfinden

Anno 1525

Thomas Visel

Bild: Kustermann, Schlecker

Thomas Visel

Bild: Kustermann, Schlecker

Warum die Schwarze Schaar im September das mittelalterliche Spektakel in Bad Grönenbach veranstalten möchte und warum es noch keine offizielle Genehmigung gibt.
22.07.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Wir befinden uns in einem Bauernkriegslager im Jahr 1525. Die Menschen halten Abstand zueinander, waschen sich mehrmals täglich die Hände, desinfizieren sie. Und wenn sie niesen müssen, geschieht das über die Armbeuge. Es ist ein Bild, das auf den ersten Blick so gar nicht zu einem mittelalterlichen Spektakel passt: Und dennoch: Wenn es vom 17. bis 19. September in Bad Grönenbach zum neunten Mal „Anno 1525“ heißt, werden die Uhren wegen Corona anders ticken als bei den Veranstaltungen zuvor – eine Genehmigung der Verwaltungsgemeinschaft vorausgesetzt.

Doch wie stellt man die spätmittelalterlichen Gepflogenheiten und die Aktionen um Spielleut, Gaukler, Akrobaten, Feuerspektakel sowie wehrhafte Bauern in Pandemie-Zeiten dar? Und wie sorgt man dafür, dass die Besucher, die normalerweise zu Tausenden nach Bad Grönenbach strömen, sich nicht gegenseitig anstecken? Das alles sind Fragen, die Thomas Visel seit Monaten beschäftigen. Er ist Vorsitzender der Schwarzen Schaar, die den mittelalterlichen Markt veranstaltet.

Große Mehrheit der Mitglieder steht hinter der Entscheidung

Klar sei unter den Mitgliedern diskutiert worden, ob man „Anno 1525“ in diesem Jahr wirklich stattfinden lassen sollte, sagt der 59-jährige selbstständige Unternehmensberater. Die große Mehrheit des Vereins stehe aber hinter der Entscheidung. Letztlich haben laut Visel mehrere Gründe dafür gesprochen. „Wir wollten den Akteuren helfen, vor allem den Händlern des Mittelaltermarkts, die davon leben, von Markt zu Markt zu fahren“, erklärt der 59-Jährige. Viele kämen wegen Corona „auf dem Zahnfleisch daher“. Einige habe er gar nicht mehr erreichen können. „Wir wollen aber auch in diesen schwierigen Zeiten ein Stück weit Normalität reinbringen.“ Außerdem lebe ein Verein wie die Schwarze Schaar davon, dass die Mitglieder gemeinsam etwas auf die Beine stellen. „Das hält den Verein zusammen.“

Visel ist sich bewusst, dass die Veranstaltung „ein Wagnis“ ist. Dass so etwas aber in diesem Jahr ohne größere Probleme funktionieren kann, hätten Beispiele wie die Landesgartenschau in Lindau oder auch der Sommermarkt in Kaltenberg gezeigt. „Wir haben uns vor Ort angesehen, wie das andere machen und unsere Schlüsse gezogen.“

Lesen Sie auch
##alternative##
Veranstaltung am Wochenende

Anno 1525: Tausende Besucher zieht es zum mittelalterlichen Spektakel

Neuer Standort am Bad Grönenbacher Bauhof

So wird es in diesem Jahr einige Veränderungen geben. Das Bauernkriegslager, das heuer auf einer Wiese gegenüber dem neuen Bauhof in der Ziegelberger Straße geplant ist, soll umzäunt werden, damit sich keine Besucher unter die rund 300 Akteurinnen und Akteure mischen können. Zudem wird laut Visel jede Zuschauerin und jeder Zuschauer erfasst, ob per App oder auf einem Zettel. Darüber hinaus wird es wohl eine Maskenpflicht geben. Ob die 3-G-Regelung (Einlass nur für Genesene, Geimpfte und Getestete) zur Anwendung kommen wird, kann der 59-Jährige noch nicht sagen. „Ich kann mir aber auch eine Corona-Teststelle im Eingangsbereich vorstellen.“ Von den 50 Ständen des Markts seien bereits 35 vergeben.

Visel rechnet mit etwa 5000 Besucherinnen und Besuchern an allen drei Tagen. „Das könnten wir leicht stemmen.“ Er gibt aber zu, dass er „ein bisschen Bauchschmerzen“ hat, „wenn wir überrannt werden“. Schließlich ist „Anno 1525“ eine der wenigen größeren Veranstaltungen, die in diesem Jahr in der Region stattfindet. Womöglich wird es daher auch eine Besucherampel geben. Schaltet diese auf Rot, werden keine Gäste mehr eingelassen. Wobei die vergangenen Jahre gezeigt hätten, dass immer wieder Besucher kommen und gehen, so der Vorsitzende.

Schwarze Schaar hat sich Deadline gesetzt

Normalerweise beginnt der Verein bereits ab den Sommerferien ein Jahr zuvor mit den Planungen. Wegen Corona sei man erst seit dem Spätherbst mit der Organisation beschäftigt. „Wir hatten uns eine Deadline bis 30. Juni gesetzt. Davor haben wir nur das gemacht, was nicht viel Geld kostet. Aber ab jetzt wird scharf geschossen“, betont Visel. Die relativ niedrigen Inzidenzwerte und die Entwicklung bei den Impfungen hätten die Entscheidung bestärkt. Mit der Marktgemeinde sei man in regem Kontakt. „Es ist ein Vorteil, dass wir das nicht zum ersten Mal in Bad Grönenbach machen. Die wissen, dass wir niemand sind, der ein unnötiges Risiko eingeht.“ Er ist sich sicher, dass ein Kompromiss gefunden wird. Eine endgültige Entscheidung hat die Verwaltungsgemeinschaft Bad Grönenbach allerdings noch nicht getroffen. „Wir lassen uns das Hygienekonzept vorlegen und sprechen das auch mit dem Landratsamt und der Polizei ab“, erklärt VG-Vorsitzender Bernhard Kerler. Die Grundhaltung sei prinzipiell positiv. „Aber auch wir betreten hier quasi Neuland“, erklärt Kerler mit Verweis auf die Pandemie und die daraus resultierenden zahlreichen Regeln und Paragrafen. „Da tun wir uns auch schwer.“ Auch müsse geklärt werden, wer letztlich für das Hygienekonzept verantwortlich sei. „Wenn wir aber von allen Stellen grünes Licht bekommen, werden wir dem nicht im Wege stehen.“

Aber nicht nur Kerler, sondern auch Thomas Visel weiß, dass ein Restrisiko bleibt und die Veranstaltung, die den Verein im Schnitt 40 000 Euro kostet, auch noch eine Woche vorher abgesagt werden könnte, wenn es die Rahmenbedingungen nicht zulassen sollten. Davon geht Visel derzeit aber nicht aus. „Wir wollen mit der Veranstaltung bewusst ein Zeichen setzen, dass sich die Erde weiterdreht.“