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Trunkelsberg erhöht die Steuern: Darauf müssen sich die Bürger einstellen

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Knapp sechs Millionen Euro investiert heuer die Gemeinde Trunkelsberg. Das meiste Geld fließt in den Untergrund – hier die Baustelle an der Talbergstraße.

Bild: fk

Knapp sechs Millionen Euro investiert heuer die Gemeinde Trunkelsberg. Das meiste Geld fließt in den Untergrund – hier die Baustelle an der Talbergstraße.

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Die Gemeinde will eine höhere Deckung der Kosten erreichen, da sie weiter investieren möchte. Welche Projekte dabei im Mittelpunkt stehen.
02.05.2021 | Stand: 16:10 Uhr

Einstimmig hat der Gemeinderat Trunkelsberg den 5,8 Millionen Euro umfassenden Haushaltsplan 2021 beschlossen – gebaut wird an allen Ecken und Enden der Gemeinde. Um an das Landratsamt das Signal zu senden, dass die Kommune ihre Einnahmemöglichkeiten ausschöpft, wurden die Realsteuersätze für die Grundsteuer A (bisher 320 Punkte) und B (330) jeweils auf 380 Punkte erhöht. Um die Gewerbebetriebe in „nicht rosigen Zeiten“ der Pandemie nicht unnötig weiter zu belasten, wurde der Hebesatz der Gewerbesteuer (wie seit dem Jahr 2002) auf 330 Punkten belassen.

„Im Landtag werden Beschlüsse gemacht, und in der Kommune muss man es umsetzen“, begründete Bürgermeister Roman Albrecht die Erhöhung der seit 2002 unveränderten Hebesätze. Der Dienstaufsicht müsse die Kommune zeigen, dass sie die momentan sehr großen Investitionen zum Teil mit abdeckt. Früher habe man noch die Straßenausbaubeitragssätze gehabt: „Die Gemeinde muss jetzt schauen, dass sie die fehlenden Mittel wo anders herkriegt.“ 380 Punkte seien „nicht ganz eine kosmetische Korrektur, aber auch nicht überbelastend.“

Wie hoch sind die Mehrkosten in Trunkelsberg?

Kämmerer Rainer Zink rechnet damit, dass die Besitzer von kleineren Häusern durch die Steuererhöhung, die rückwirkend zum Januar 2021 in Kraft tritt, jährlich Mehrkosten von etwa 35 Euro haben; bei relativ großen Häuern könne die Steuer um 130 Euro ansteigen. Bei der Grundsteuer A für die Landwirtschaft rechnet Zink für die Kommune mit gesamten Mehreinnahmen von etwa 600 Euro, bei der Grundsteuer B für private Häuser von 21200 Euro. Bei „kostenrechnenden Einrichtungen“ wie Wasser, Kanal und Friedhof dürfe die Gemeinde hingegen keine Überschüsse erwirtschaften.

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Woher Städte und Gemeinden ihr Geld bekommen

Der Vermögenshaushalt umfasst heuer über 6,3 Millionen Euro. Die Investitionen 2021 nehmen laut Zink „Dimensionen“ an: Der Straßenbau im Südring etwa verschlingt 380000 Euro, die Entwässerung rund 1,1 Millionen Euro und die Wasserversorgung noch einmal die selbe Summe. Die Kanalsanierung innerorts macht 1,5 Millionen Euro erforderlich.

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Gemeindeverwaltung in Trunkelsberg zieht um

Der Umzug der Gemeindeverwaltung in das neu erworbene Gebäude kostet etwa 15000 Euro. Im alten Rathaus muss für 20000 Euro die Heizung (mit Anschluss an die Nahwärmeversorgung) ertüchtigt werden. Anschaffungen, Renovierungen und Sanierungen für die Freiwillige Feuerwehr erfordern rund 75000 Euro. Die Heizungsertüchtigung im Schulgebäude kostet heuer 20000 Euro. 70000 Euro werden in die Kindertagesstätte investiert. Sportplatz und Mehrzweckhalle erfordern 20000 Euro.

Das Entwicklungskonzept für die Dorferneuerung verschlingt 15000 Euro, die Straßenbeleuchtung 60000 Euro und der Friedhof 25000 für eine neue Urnenwand und Grünanlagen. Der Kauf eines zentralen Gebäudes mitten im Ort kostet 300000 Euro. Für die Breitbandversorgung werden im Haushalt über 80000 Euro bereitgestellt. Der Abriss der Häuser in der Waldstraße 15 und 17 kostet rund 20000 Euro. Laut Kämmerer Zink liegen die insgesamt geplanten „echten Ausgaben“ bei rund 5,9 Millionen Euro.

Die 800000 Euro auf dem „Sparbuch“ werden heuer komplett entnommen. Das „geplante echte Defizit“ bewegt sich laut Kämmerer bei rund vier Millionen Euro.

Schuldenstand der Gemeinde erhöht sich

Der Schuldenstand von 589000 Euro (zum Jahresanfang) werde sich bis zum Jahresende um eine neue Kreditaufnahme von etwa 4,5 Millionen Euro erhöhen: Das erste Darlehen mit einer Laufzeit von 30 Jahren wurde mit einem Zinssatz von 0,8 Prozent abgeschlossen. Trotz des niedrigen Zinssatzes will der Kämmerer sehr vorsichtig agieren, da für Guthaben ab 500000 Euro ein „Verwahrentgelt“ anfällt.

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Wofür Städte und Gemeinden ihr Geld ausgeben

In der mittelfristigen Finanzplanung in Folgejahren werden hauptsächlich die begonnenen Maßnahmen finanziert. Wie es derzeit ausschaut, müsse man im kommenden Jahr die Kindertagesstätte (etwa eine Million Euro) erweitern. Für die Ertüchtigung der Unterallgäu-Halle rechnet Zink in den kommenden zwei Jahren mit Kosten in Höhe von rund 250000 Euro.

Einen Lichtblick hatte der Kämmerer dennoch parat: Durch die zu erwartenden Zuschüsse könnte sich im kommenden Jahr ein Überschuss von 1,25 Millionen Euro ergeben. Bürgermeister Albrecht: „Wir wollen alles, was wir noch zu sanieren haben, in den Zuschussbereich hereinnehmen.“ Bis Ende 2021 müsse abgerechnet sein.

Wie es um eine geplanten Bike-Anlage in der Gemeinde Trunkelsberg steht, lesen Sie hier.