Energiekrise

Kaum Malz, teure Kohlensäure: Produktion in Memminger Brauerei eingeschränkt

Hier wird Memminger Bier gebraut: Ein Blick in das Sudhaus der Brauerei an der Dr.-Karl-Lenz-Straße.

Hier wird Memminger Bier gebraut: Ein Blick in das Sudhaus der Brauerei an der Dr.-Karl-Lenz-Straße.

Bild: Brauerei Memmingen

Hier wird Memminger Bier gebraut: Ein Blick in das Sudhaus der Brauerei an der Dr.-Karl-Lenz-Straße.

Bild: Brauerei Memmingen

Ukraine-Krieg und Energiekrise machen der Memminger Brauerei zu schaffen. Es mangelt an Kohlensäure und Malz. Dennoch gebe es wieder positive Entwicklungen.
09.09.2022 | Stand: 17:55 Uhr

Die Situation der Memminger Brauerei ist derzeit nicht leicht. Wie auch andere Brauereien im Allgäu hat sie derzeit mit einigen Problemen zu kämpfen, die laut Geschäftsführer Wolfgang Kesselschläger ihre Ursache im Ukraine-Krieg haben.

Probleme wegen Düngemittel-Produktion

Die Kohlensäure: Sie wird für die Produktion von Bier benötigt. Allerdings gibt es davon derzeit nicht sehr viel auf dem Markt. Das führte etwa in Kaufbeuren dazu, dass die Aktienbrauerei die Herstellung von Limonade einstellen musste. So schlimm ist es in der Memminger Brauerei noch nicht, sagt Kesselschläger. Noch erhalte sie genügend Kohlensäure. Allerdings zu einem Preis, der drei Mal höher ist als vor einem Jahr. Kohlensäure fällt laut Deutschem Brauer-Bund bei der Produktion unter anderem von Düngemittel an. Die benötigt viel Energie. Weil die Energiepreise explodiert sind, wird die Düngemittelproduktion zurückgefahren. Und so entsteht auch weniger Kohlensäure.

Im Notfall nur noch unfiltriert - Weizen und Kellerbier

Für den Fall, dass die Brauerei weniger CO2 erhalten sollte, habe das Unternehmen die Produktion schon ein wenig umgebaut, damit die Kohlensäure sparsamer eingesetzt werden kann. Und für den Fall, dass die Memminger Brauerei gar kein CO2 mehr erhält, müsste die Produktion vieler Biersorten eingestellt werden. Dann könnten nur noch unfiltrierte Biere wie Weiß- und Kellerbier hergestellt werden, sie sind naturtrüb. Das funktioniere mit weniger Kohlensäure. Die dafür benötigte Menge könne die Brauerei selbst herstellen – nämlich durch den Gärungsprozess von Bier. Das ist seit einer Modernisierung vor einigen Jahren möglich und wird bereits genutzt, sagt der Geschäftsführer.

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Es mangelt an Malz

Das Malz: Es ist einer der Hauptbestandteile von Bier. Und derzeit nur schlecht zu bekommen. Deshalb musste die Memminger Brauerei ihre Produktion um etwa 50 Prozent zurückfahren, sagt Geschäftsführer Kesselschläger. So habe das Unternehmen überlegen müssen, welche Lieferungen eingeschränkt, teils sogar vorerst gestrichen werden. Die Folge: Den Export ihres Bieres hat die Brauerei derzeit eingestellt. Hier gebe es auch die niedrigste Preisspanne. Auch Geschäfte wie Getränkehändler werden nicht mehr mit der Menge beliefert, wie es vor Monaten noch möglich war. Dafür erhalten Gastronomen und Veranstalter weiterhin ihre Bestellungen.

Weniger Malz wegen Ukrainekriegs

Doch warum gibt es kaum noch Malz? Viel Gerste, aus der Malz hergestellt wird, kommt aus der Ukraine. Mit Beginn des Krieges hätten viele Malz-Lieferanten den Verkauf erheblich eingeschränkt, weil sie nicht wussten, ob und wann sie Nachschub erhalten – und um die Situation zu beobachten. Nun aber entspannt sich laut Kesselschläger die Lage etwas. Die Ukraine exportiert wieder Getreide. Und die aktuelle Ernte sei gut. Das sei allmählich bei den Brauereien zu spüren. In Memmingen etwa laufe der Lohnbrau langsam wieder an. Lohnbrau bedeutet, dass die Brauerei im Auftrag anderer Brauereien bestimmte Biersorten herstellt. Dieser Bereich war zuvor wegen Malzmangels ebenfalls heruntergefahren worden. Vermutlich im Oktober könnte auch wieder der Bier-Export starten, dann aber zu höheren Preisen.

Licht am Ende des Tunnels

Gute Aussichten: Verbraucher hätten mittlerweile verstanden und akzeptiert, dass Bier teurer sei als vor Energiekrise und Krieg. So gebe es mit Großkunden und Exporteuren kein Preisgeschacher mehr. Es kommen allmählich wieder Aufträge rein, die sich auch rechnen, sagt Kesselschläger. Und Sorgen vor dem Winter mache er sich nicht. Die deutsche Regierung werde es nicht zulassen, dass Unternehmen das Gas abgestellt wird, um Energie zu sparen. Denn dann würden viele Betriebe schließen müssen, einige für immer. Dieser Preis sei zu hoch.