Eine Gefahr für sich und andere

"Geisterradler sind sich der Gefahr oft nicht bewusst" - Wie spezielle Schilder in Memmingen helfen sollen

Geisterradler

Die Fahrradstreife der Memminger Polizei mit (von links) Andreas Strehl, Sandra Wegele und Mathis Köster hält zwei „Geisterradler“ an.

Bild: Dunja Schütterle

Die Fahrradstreife der Memminger Polizei mit (von links) Andreas Strehl, Sandra Wegele und Mathis Köster hält zwei „Geisterradler“ an.

Bild: Dunja Schütterle

Immer wieder stoppt die Fahrradstreife der Memminger Polizei „Geisterradler“ auf der verkehrten Straßenseite. Viele wissen gar nicht, dass sie falsch fahren.
29.10.2021 | Stand: 12:45 Uhr

Mathis Köster, Andreas Strehl und Sandra Wegele von der Memminger Polizei sind seit diesem Sommer als Fahrradstreife im Einsatz. Sie kennen die oftmals „faulen“ Ausreden mancher Radler und Radlerinnen, die auf dem Radweg auf der falschen Straßenseite fahren. Doch mit ihrem Verhalten verstoßen die „Falschfahrer“ nicht nur gegen die Straßenverkehrsordnung, sie können auch schwere Unfälle verursachen. Was aber sind Geisterradler genau?

Manfred Guggenmos, Leiter des Sachbereichs Verkehr bei der Memminger Polizeiinspektion, hat die Antwort: „Als Geisterradler bezeichnet man Fahrradfahrer, die entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung auf Rad- oder Fußwegen unterwegs sind und dadurch sich und andere gefährden“. Das heißt, zum Geisterradler wird jemand dann, wenn man nicht mit seinem Erscheinen rechnet? Genau. Besonders an Kreuzungen und Einmündungen oder wenn ein Autofahrer aus einer Grundstückseinfahrt ausfährt, schaue er erst einmal nach links, erklärt Guggenmos. Ein Radfahrer von rechts werde oft nicht wahrgenommen.

Geisterradler oft in Verkehrsunfällen beteiligt

„Eine der Hauptunfallursachen ist das Radfahren in die falsche Richtung. Im Jahr 2019 war in Memmingen jeder fünfte Verkehrsunfall, an dem Radfahrer mitverursachend beteiligt waren, als Geisterradler unterwegs“, berichtet der Polizeihauptkommissar. Auch berechtigte Gehwegbenutzer wie Rad fahrende Kinder bis zehn Jahren, deren Begleitperson oder auch Rollstuhlfahrer könnten, wenn sie von rechts kommen, von den Autofahrern übersehen werden, ergänzt er. (Lesen Sie auch: An diesem Kreisverkehr in Memmingen häufen sich die Unfälle)

Schon länger hat die Stadtverwaltung Schilder aufgestellt, die Radfahrer auf die Gefahr aufmerksam machen. Das Piktogramm zeigt ein kleines schwarzes Fahrrad, ein weißes Gespenst und eine ausgestreckte rote Hand. Darüber steht in Druckbuchstaben: „Geisterradler gefährden!“ – „Wenn Radfahrer dieses Schild lesen können, dann fahren sie auf der falschen Seite“, konstatiert Guggenmos. Unweit der Polizeidienststelle in Richtung der Allgäuer Straße stadtauswärts hängt derzeit eines von insgesamt zehn dieser besonderen Verkehrszeichen, die im Stadtgebiet an neuralgischen Stellen verteilt wurden. Damit kein Gewöhnungseffekt entsteht, werden sie in regelmäßigen Abständen an wechselnden Radwegen aufgehängt und die Polizei kontrolliert dort regelmäßig.

Mindestens 20 Euro Bußgeld für Geisterradler

Als die Fahrradstreife dort steht, kommen ihr schon nach kurzer Zeit zwei Falschfahrer auf dem Radweg entgegen. „Oftmals sind sich die Geisterradler der Gefahr, in die sie sich und andere begeben, gar nicht bewusst“, klärt Polizeihauptmeisterin Sandra Wegele auf. „Und häufig sind die Leute deshalb auch nicht einsichtig, wenn wir sie mit 20 Euro Bußgeld verwarnen“. Rund fünfhundert Fahrradstreifen und Verkehrserzieher wie Sandra Wegele und ihre Kolleginnen und Kollegen sind in Bayern aktuell in speziell an das Fahrradfahren angepassten Uniformen in den Städten unterwegs, um Radfahrer auf die Gefahren aufmerksam zu machen.

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„Wir sind somit bei den Kontrollen auf Augenhöhe“, sagt Polizeihauptmeisterin Wegele. Grundsätzlich gilt für Zweiradfahrer das Rechtsfahrgebot sofern keine weiteren Zusatzschilder angebracht sind. Auch eine Einbahnstraße darf von Fahrradfahrern nur in der vorgegebenen Richtung befahren werden. Gibt es eine Ausnahme, zeigt das ein Zusatzschild an. Dazu kommt, dass Radfahrer eine Benutzungspflicht haben, das heißt wenn sie einen ausgeschilderten Radweg nicht benutzen, riskieren sie damit ein Bußgeld. Geisterradler werden mit 20 Euro Bußgeld verwarnt, wer jemanden zusätzlich behindert zahlt 25 Euro. Bei einer Gefährdung oder einem Unfall kann die Polizei den Geisterradler mit 35 Euro verwarnen.

Auf diesen Wegen dürfen Radler fahren

Ein weiterer Punkt, der bei Radlern gerne für Diskussionsstoff sorgt, ist die Kennzeichnung auf den rot markierten Straßenabschnitten der Radwege selbst. Sie zeigt zwei zugewandte Fahrräder, von denen eines auf dem Kopf steht. Viele denken deshalb, die Abbildung weise darauf hin, dass man in beide Richtungen fahren darf. Dem ist aber nicht so, diese Piktogramme haben nur einen Hinweischarakter und sollen den Radweg für einen querenden Fahrzeugführer aus seiner Richtung wahrnehmbarer machen. Nur die blauen Verkehrszeichen mit dem Radsymbol oder das weiße Zusatzzeichen mit dem Symbol-Fahrrad und dem Schriftzug „frei“, weist auf die entsprechende Richtung hin.

Nahezu jeder sechste Getötete und fast jeder dritte Verletzte auf deutschen Straßen war ein Radfahrer. Im Bereich von Memmingen gab es im letzten Jahr 130 Fahrradunfälle. Von Januar bis September 2021 zählte die Polizei insgesamt 928 Verkehrsunfälle. An 85 Unfällen waren Fahrradfahrer beteiligt. Sollte es zwischen Autofahrer und Radfahrer zu einem Unfall kommen, der aufgrund des Geisterradlers verursacht wurde, trifft den Pkw-Fahrer trotzdem die Hauptschuld. Geisterradler stellen wie Geisterfahrer auf den Autobahnen ein hohes Gefahrenpotenzial für das eigene wie für das Leben anderer dar, betont Guggenmos.

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