Amazon will nach Memmingen

Unterallgäuer Kreistag sieht Amazon-Pläne am Flughafen Memmingen kritisch

Bekommt Amazon ein großes Verteilzentrum am Allgäu Airport? Am Montag tagte der Unterallgäuer Kreisausschuss - und viele kritische Stimmen wurden laut.

Bekommt Amazon ein großes Verteilzentrum am Allgäu Airport? Am Montag tagte der Unterallgäuer Kreisausschuss - und viele kritische Stimmen wurden laut.

Bild: Ronny Hartmann, dpa (Archivbild)

Bekommt Amazon ein großes Verteilzentrum am Allgäu Airport? Am Montag tagte der Unterallgäuer Kreisausschuss - und viele kritische Stimmen wurden laut.

Bild: Ronny Hartmann, dpa (Archivbild)

Bekommt Amazon ein großes Verteilzentrum am Allgäu Airport? Am Montag tagte der Unterallgäuer Kreisausschuss - und viele kritische Stimmen wurden laut.
07.12.2020 | Stand: 17:29 Uhr

Bekommt Amazon sein geplantes Verteilungszentrum am Flughafen Memmingen? Mit dieser Frage beschäftigte sich am Montag der Kreisausschuss des Unterallgäuer Kreistags. Eine Entscheidung, ob man dem Verkauf eines Gewerbegrundstücks an den Versandriesen zustimmt, fiel aber noch nicht. Laut Landrat Alex Eder (Freie Wähler) findet die Abstimmung voraussichtlich im Januar statt.

Am Allgäu Airport in Memmingerberg gibt es mehrere Gewerbegrundstücke. Um diese zu vermarkten, wurde Ende 2017 eine Grundbesitzgesellschaft gegründet, die „Gewerbepark am Allgäu Airport GmbH & Co. KG“. Der Landkreis Unterallgäu ist wie die Unterallgäuer Landkreis-Wohnungsbau mit knapp sieben Prozent an dieser Gesellschaft beteiligt. Weitere Gesellschafter sind neben dem Allgäu Airport die anderen Allgäuer Landkreise und kreisfreien Städte, aber auch mehrere Sparkassen.

Kontroverse Diskussion um Amazon-Pläne in Memmingen

Amazon interessiert sich für eine mindestens 30.000 Quadratmeter große Fläche am Allgäu Airport. Das Verteilzentrum selbst soll offenbar mehrere Tausend Quadratmeter groß werden. Von dort aus würden weite Teile des Allgäus bedient.

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Das ist Online-Riese Amazon

Am Airport ist an sechs Tagen in der Woche ein Drei-Schicht-Betrieb vorgesehen, etwa 140 Mitarbeiter sollen dort eingesetzt werden. Laut Amazon ist geplant, dass Lastwagen die Waren nachts zum Verteilzentrum transportieren und externe Dienste die Pakete untertags mit Lieferfahrzeugen zu den Kunden bringen.

Im Unterallgäuer Kreisausschuss habe am Montag eine „hochkritische Stimmung“ gegenüber dem Amazon-Vorhaben geherrscht, sagt ein Teilnehmer. „Ich wüsste keine Stimme, die das Projekt befürwortet hat.“ Mit Skepsis hätten Kommunalpolitiker auch die Aussage von Amazon aufgenommen, dass im Allgäu keine Frachtflüge geplant seien: „Schließlich liegt der geplante Standort strategisch günstig direkt neben dem Airport.“ Letztlich seien viele Fragen nicht zu klären gewesen, sagt ein Sitzungsteilnehmer: „Von Amazon wird niemand da.“

Amazon in Memmingen: Viel Gegenwind aus der Politik

Kritiker der Ansiedlung fürchten weitere Nachteile für den Einzelhandel vor Ort, sollte der Versandriese hier Fuß fassen. Zudem seien die Arbeitsbedingungen in den Lagern und Logistikzentren nicht optimal. Beim US-Konzern sieht man das anders. Logistik-Mitarbeiter starteten mit einem Brutto-Stundenlohn von mindestens 12,12 Euro, heißt es in einer Stellungnahme von Amazon. Dazu kämen Zuschläge, beispielsweise für die Nachtschicht. Und Amazon zahle auch Gewerbesteuer.

In der Allgäuer Politik gibt es seit Tagen bereits viel Gegenwind für das Vorhaben des US-Konzerns. Nun haben sich auch die Lindauer Kreistagsfraktionen von CSU, Grünen und Freien Wählern gegen das Verteilzentrum ausgesprochen. Der Versandriese bringe praktisch keine Wertschöpfung für die Region und schade dem lokalen Handel, sagt CSU-Fraktionschef Uli Pfanner. „Amazon würde ich keinen Quadratmeter verkaufen.“ Zu den Gegnern gehören unter anderem auch die Freien Wähler im Oberallgäu: Ziel sei die „Förderung lokaler und regionaler Unternehmen“.