Polizei zieht Bilanz

Verkehrsbilanz: Weniger Unfälle in Memmingen und dem Unterallgäu – außer bei den Radlern

Radfahrer bereiten der Polizei hinsichtlich der gestiegenen Unfallzahlen Sorgen – mehr als 1700 Unfälle haben sich im Gebiet des Polizeipräsidiums im vergangenen Jahr ereignet.

Radfahrer bereiten der Polizei hinsichtlich der gestiegenen Unfallzahlen Sorgen – mehr als 1700 Unfälle haben sich im Gebiet des Polizeipräsidiums im vergangenen Jahr ereignet.

Bild: Alexander Kaya (Symbol)

Radfahrer bereiten der Polizei hinsichtlich der gestiegenen Unfallzahlen Sorgen – mehr als 1700 Unfälle haben sich im Gebiet des Polizeipräsidiums im vergangenen Jahr ereignet.

Bild: Alexander Kaya (Symbol)

In Memmingen und dem Landkreis Unterallgäu sinkt die Zahl der Unfälle. Was Corona damit zutun hat und warum der positive Trend nicht auf Radfahrer zutrifft.
25.02.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Weniger Autofahrer auf den Straßen, weniger Unfälle: Die Corona-Pandemie hat sich 2020 auch auf den Verkehr ausgewirkt. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, das von Kempten bis Neu-Ulm über Günzburg bis Kaufbeuren reicht, gab es 2020 insgesamt 25.443 Unfälle – das sind knapp 70 pro Tag. Im Vorjahr zählte die Polizei noch täglich 83 Verkehrsunfälle und damit insgesamt 30.345. „Durch Lockdowns und Reisebeschränkungen sind die Unfallzahlen in fast allen Bereichen zurückgegangen“, sagt Polizeivizepräsident Guido Limmer. Nur auf die Radfahrer trifft das nicht zu – aus mehreren Gründen.

Zahl der Unfälle hat sich im ersten Corona-Lockdown halbiert

Insgesamt gesehen ist der Rückgang der Unfälle um 16 Prozent eine deutliche Trendumkehr. „Die vergangenen zehn Jahre ging es im Schnitt um sieben Prozent bergauf“, sagt Limmer. Vor allem im ersten Lockdown hat sich die Zahl der Unfälle laut Polizeistatistik fast halbiert.

Ebenso erfreulich sei die gesunkene Zahl der Unfalltoten von 46 auf 41 Menschen. „Das ist ein Allzeittief für unser Präsidium“, betont Limmer. Allerdings kamen in Memmingen und dem Unterallgäu mehr Menschen bei Unfällen ums Leben als im Vorjahr: In Memmingen stieg die Zahl von einem Verkehrstoten im Jahr 2019 auf zwei im vergangenen Jahr, im Unterallgäu von neun auf zwölf.

Auch in der Region ging die Zahl der Unfälle zurück. In Memmingen hat es 2020 insgesamt 1411 Mal gekracht (2019: 1763). Im Unterallgäu passierten 3428 Unfälle (2019: 3870). Dabei verletzten sich in Memmingen 253 Personen (2019: 366), im Unterallgäu waren es 616 Menschen (2019: 677).

Fahrrad-Boom: Mehr schwer verletzte E-Bike-Fahrer

Die Radfahrer bereiten der Polizei hinsichtlich der gestiegenen Unfallzahlen Sorgen. Vermutlich sind viele Menschen in Corona-Zeiten einfach vom Auto aufs Rad umgestiegen, doch dies kann die Polizei zumindest fürs Frühjahr nicht mit Zahlen belegen. „Der Fahrradboom hat eigentlich erst zur Mitte des Jahres eingesetzt“, sagt leitender Polizeidirektor Michael Keck, „die Verkaufszahlen sind explodiert“. Seitdem seien aber definitiv deutlich mehr Menschen auf dem Rad unterwegs, egal ob auf neu gekauften E-Bikes oder alten Fahrrädern aus dem Keller. Und das nicht immer gefahrlos: 2020 passierten im Gebiet des Präsidiums 1774 Unfälle mit Radlern (2019: 1529), dabei gab es 31 Prozent mehr Schwerverletzte als 2019. Besonders fallen hier die E-Bike-Fahrer auf, die sich sehr viel öfter schwer verletzten. Die Gründe für Unfälle sieht die Polizei zum einen in der hohen Geschwindigkeit, vor allem bei E-Bike-Fahrern. Insgesamt aber passierten Radunfälle auch oft durch Fahrfehler auf unebenem Gelände. Und: Alle Altersgruppen sind betroffen.

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Die Polizei will dieses Jahr noch mehr auf die Radfahrer achten. Bereits im vergangenen Jahr habe man viel kontrolliert und auch die Fahrradhändler mit eingebunden. Mit jedem Fahrradkauf erhielten die Kunden Infomaterial rund um die Sicherheit. Das sei nach wie vor nötig, denn zumindest wenn E-Bikes in Unfälle involviert seien, tragen deren Fahrer laut Polizei in drei Vierteln der Fälle die Schuld. „Wir wollen deswegen die Radler schützen, aber auch andere vor den Radlern schützen“, sagt Keck. Oft missachten Radler demnach das Rechtsfahrgebot, halten zu wenig Abstand und seien zu schnell unterwegs.

Fahrradfahrer: Helm und auffällige Kleidung können schwere Unfälle verhindern

Guido Limmer, der sich selbst als passionierten Radfahrer bezeichnet, mahnt zudem, geeignete Schutzausrüstung wie einen Helm und auffällige Kleidung zu tragen. Auch so könnten Unfälle vermieden werden.

Eine mögliche Lösung hinsichtlich der vielen Unfälle sei sicherlich eine Investition in die Rad-Infrastruktur, sagt Limmer. Er hebt als Beispiel die bauliche Trennung von Straßen, Rad- und Fußwegen hervor, wie sie in Nordeuropa oft schon vorherrscht. Bis es so weit ist, hat es sich die Polizei zur Aufgabe gemacht, verstärkt die Radler zu kontrollieren – sowohl in Innenstädten als auch rund um beliebte Ausflugsziele. (Das könnte Sie auch interessieren: Unfälle, Auto-Poser, E-Bikes: Diese Fälle beschäftigten die Polizei 2020 am häufigsten)

So passierten die Verkehrsunfälle mit tödlichen Folgen:

  • Am 1. Januar streifte auf der A7 bei Memmingen ein Autofahrer beim Überholen ein Auto, das bereits auf der linken Spur war. Dieses kam von der Fahrbahn ab und überschlug sich, der 30-jährige Fahrer starb.
  • Am 11. Januar stieß in Legau ein Auto mit einem 33 Jahre alten Motorrollerfahrer zusammen. Er starb noch vor Ort.
  • Am 9. Februar kam bei Winterrieden ein 64 Jahre alter Kraftradfahrer von der Straße ab. Er starb vor Ort.
  • In Trunkelsberg touchierte am 23. April ein Pkw-Gespann beim Überholen seitlich einen Motorroller. Die 65-jährige Rollerfahrerin starb einige Zeit später im Krankenhaus.
  • Am 14. Juni kam es zu einem tödlichen Unfall auf einem Autobahnparkplatz der A 7 bei Memmingen: Ein 20-Jähriger fuhr laut Polizei in den Parkplatz ein und stieß mit hoher Geschwindigkeit in einen korrekt geparkten Sattelzug.
  • Am 27. Juni geriet bei Legau ein Auto auf die Gegenfahrbahn und stieß mit einem anderen Wagen zusammen. Die 80-jährige Unfallverursacherin erlag ihren Verletzungen.
  • Am 27. August kam bei Erkheim ein Auto von der Fahrbahn ab. Der 48 Jahre alte Fahrer starb.
  • Am 25. Oktober ließ sich bei Sontheim ein Skateboardfahrer von einem Auto ziehen. Der 22-Jährige stürzte und starb wenige Tage später. (home/bhb)