Stadtgeschichte

Waldfriedhof zum Denkmal erhoben

Jubiläum Memminger Waldfriedhof

Dr. Christa Koepff (links) und Sabine Streck setzten sich dafür ein, dass der Waldfriedhof auf die bayerische Denkmalliste kam.

Bild: Dunja Schütterle

Dr. Christa Koepff (links) und Sabine Streck setzten sich dafür ein, dass der Waldfriedhof auf die bayerische Denkmalliste kam.

Bild: Dunja Schütterle

Der Memminger Waldfriedhof wurde vor 100 Jahren eingeweiht. Warum er auch kulturell wichtig ist.
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Von Dunja Schütterle
12.05.2020 | Stand: 17:15 Uhr

Friedlich wirkt der moosbewachsene Löwe aus Stein, der Tag und Nacht am selben Fleck verweilt: Seit nun mehr 100 Jahren hält das bayrische Wappentier das ewige Gedenken an die Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg lebendig. Die in Stein gemeißelte Erinnerung war einer der ersten Gedenksteine auf dem Memminger Waldfriedhof, der am 13. Mai 1920 eingeweiht wurde. Zum 100-jährigen Bestehen wurde dieser nun vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in den bayerischen Denkmalatlas aufgenommen.

Der Friedhof entstand nach den Plänen es damaligen Münchner Pioniers für parkähnliche Friedhofgestaltung, Dr. Hans Grässel, der unter anderem den alten Teil des Münchner Waldfriedhofs wie auch den neuen israelitischen Friedhof in München (1904-08) konzipierte. Für Sabine Streck als stellvertretende Heimatpflegerin in Memmingen und Dr. Christa Koepff als Vorsitzende des Fördervereins „Alter Friedhof Memmingen“ sind die letzten Ruhestätten aber weit mehr als ein nur ein Denkmal. „Es geht uns um den Erhalt des kollektiven Gedächtnisses der Stadt, das sich in den Grabsteinen widerspiegelt. Wir möchten diese Erinnerungskultur weiter am Leben erhalten“, so Streck. Dabei geht es nicht nur um die Namen derer, die sich um die Stadt verdient gemacht haben.

Das Jahrhundert spiegelt eine Begräbnis- und Gesellschaftskultur wider, die seit jeher stets einem Wandel unterzogen ist. Wie auch das Grabnutzungsrecht das vorgibt, wie lange für ein Grab „Miete“ gezahlt wird. Oft verschwinden bei Generationenwechseln dann solche Erinnerungsstätten, die es aufgrund ihrer Historie zu erhalten gilt. „Sogar Kunst findet man auf den Grabsteinen, wie die des Amendinger Malers Josef Madlener“, berichtet Streck.

Im Zeitalter der Pest waren die sogenannten Gottesacker noch wirkliche Äcker, auf denen die Toten in Gruben anonym „entsorgt“ wurden und deren Gebeine höchstens im Beinhaus ihre letzte Ruhe fanden. Die Begräbnisstätten an der Sankt Martinskirche, der Frauenkirche wie beim Heilig-Geist-Kloster auf dem Hallhof, wurden so bereits im 16. Jahrhundert zu eng. Bis Ende des 19. Jahrhunderts war der Friedhof an der Augsburger Straße der zentrale Stadtfriedhof, der mit dem Neubau des Waldfriedhofs auf der damals grünen Wiese nun mehr zum alten Friedhof wurde.

Einige Familien ließen ihre Gräber und die darin bereits ruhenden Gebeine ihrer Verstorbenen sogar auf den Neuen umbetten. Das zeigen einige Grabinschriften, die unter anderem oft noch mit Berufsbezeichnungen individualisiert wurden. 1920 verzeichnete Memmingen rund 14 000 Einwohner. Der über 14 Hektar große Friedhof wurde zweimal erweitert. „1958/59 baute man die Aussegnungshalle dazu. Bis dahin musste man sich mit der Halle am alten Friedhof behelfen“, erklärt Dr. Koepff. Die Nähe beider Friedhöfe, die unweit voneinander liegen, machte das möglich. Die ehemalige Leichenhalle beim alten Friedhof nutzte die Stadtkapelle lange Zeit als Probenraum.

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