Unterallgäu

Warum Bienen auf dem Balkon nichts verloren haben

Von Bienenhaltung auf dem Balkon hält der Unterallgäuer Imker Epimachus Müller nichts.

Von Bienenhaltung auf dem Balkon hält der Unterallgäuer Imker Epimachus Müller nichts.

Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Von Bienenhaltung auf dem Balkon hält der Unterallgäuer Imker Epimachus Müller nichts.

Bild: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Was beim Halten der Insekten zu beachten ist und warum sich ein Unterallgäuer Imker gegen einen vermeintlich guten Trend wehrt.
28.05.2021 | Stand: 15:17 Uhr

Beim Thema Bienen und deren Haltung wird Epimachus Müller aus Westerheim aufmerksam. Daher verwundert es nicht, dass er auch die Kinderseite „Capito“ unserer Zeitung liest, die vor kurzem einen Bericht mit dem Titel „Bienen als Untermieter“ veröffentlichte. Inhaltlich ging es darin um die Vorstellung eines neuen Angebots, bei dem sich Firmen einen Bienenkasten für den Balkon mieten können.

Im Mietvertrag inklusive ist auch die Pflege, wie der Ertrag des Honigs am Ende des Sommers. Dieser neue Trend, wie Epimachus Müller ihn bezeichnet, gefällt dem langjährigen Imker und ehemaligen Fachwart des Landkreises Unterallgäu gar nicht. „Bienenhaltung heißt Verantwortung übernehmen für Tier und Mensch“, so Müller.

"Bienen sind keine Kuscheltiere"

Seine Bedenken gehen dabei zunächst in Richtung der Menschen, die auf Bienenstiche allergisch reagieren könnten. „Meiner Meinung nach ist eine Haltung in Wohngebieten unverantwortlich, denn Bienen sind keine Kuscheltiere und können durchaus mal aggressiv werden“, sagt der Bienenexperte dazu. Was auch bedeutet, dass es nicht reicht, wie bei Haustieren die Tiere nur zu füttern. Bienenvölker brauchen den Menschen um zu überleben, was eine genaue fachkundige Beobachtung des Volkes voraussetzt.

„Gerade jetzt bin ich jeden Tag bei meinen Völkern. Bedingt des aktuell schlechten Wetters in diesem Frühjahr müssen wir Imker zufüttern, damit die Bienen ihre Brut pflegen und die Temperatur im Bienenstock halten können“, berichtet der 89-jährige Imker. Völker, die sich überwiegend selbst überlassen werden, könnten somit verhungern.

Erfahrung als Imker ist erforderlich

Zudem besteht die Gefahr auch für andere Bienenvölker. Müller spricht dabei die Varroa-Milbe an, die sich im Bienenstock vermehren und die Brut befallen kann. Gegen den Parasiten muss der Imker eingreifen. Dazu braucht es Erfahrung, wie Müller weiß. Seit 70 Jahren ist das Imkern seine Leidenschaft, die er auch gerne teilt. Für ihn ist wichtig, dass die Bienenhaltung nicht als Trend vermarktet wird, sondern artgerecht ausgeführt wird. Deswegen plädiert er: „Jeder der Bienen will, soll zuerst einen Führerschein machen.“ Infos bekommt man dazu über den örtlichen Bienenzuchtverein.

Lesen Sie auch
##alternative##
Ein Treffpunkt für den Jung- und Alt-Imker

"Pfrontner Bienenstadel": Das Projekt für den Imker-Nachwuchs