Tabu-Thema Tod

Warum ehrenamtliche Hospizhelfer dringend gebraucht werden

„Wir schenken Zeit“, sagen Alfons Bauer, Kathrin Grabenbauer und Karl Peter Neudegger (von links) vom Hospizverein Memmingen/Unterallgäu. Sie begleiten unheilbar Kranke bis zum Schluss.

„Wir schenken Zeit“, sagen Alfons Bauer, Kathrin Grabenbauer und Karl Peter Neudegger (von links) vom Hospizverein Memmingen/Unterallgäu. Sie begleiten unheilbar Kranke bis zum Schluss.

Bild: Thomas Schwarz

„Wir schenken Zeit“, sagen Alfons Bauer, Kathrin Grabenbauer und Karl Peter Neudegger (von links) vom Hospizverein Memmingen/Unterallgäu. Sie begleiten unheilbar Kranke bis zum Schluss.

Bild: Thomas Schwarz

Der Hospizverein Memmingen/Unterallgäu hilft Schwerstkranken und deren Angehörigen. Dabei wird auch einmal gelacht.
29.09.2020 | Stand: 08:33 Uhr

Der Tod ist immer noch ein Tabu-Thema – obwohl er zum Leben dazugehört. Wer das eigene Sterben vor Augen hat, fühlt sich oft einsam und verloren – und die Angehörigen hilflos und auch überfordert.

Hilfe leistet in solchen Situationen die Hospizarbeit. „Das bedeutet Lebensbegleitung bis zum Schluss – in der Zeit von unheilbarer Krankheit, Abschied, Sterben und Trauer bieten wir aus dieser Grundhaltung heraus Unterstützung und Begleitung an“, schildert Karl Peter Neudegger die Arbeit des Hospizvereins Sankt Elisabeth Memmingen/Mindelheim, dessen Vorsitzender der 66-Jährige ist.

Passend zum Deutschen Hospiztag veranstaltet der Verein mit der Memminger Buchhandlung Spiegelschwab am 14.Oktober (Mittwoch) eine Lesung im Antonierhaus. Ab 19.30 Uhr liest die Memminger Autorin und Palliativmedizinerin Nesmil Ghassemlou aus ihrem Buch „Seelensang – Geschichten vom Leben und Sterben“.

Nach Diagnose oft allein mit der Angst

Ghassemlou hat beobachtet, dass viele Menschen gerade nach einer Krebsdiagnose mit ihrer Angst allein sind. Anhand von bewegenden Geschichten zeigt sie, wie Ärzte, Psychotherapeuten, Pflegende und Hospizmitarbeiter ihnen nicht nur diagnostisch und therapeutisch beistehen, sondern auch seelische Sterbebegleitung leisten können. Die Medizinerin lässt den Leser an Gesprächen teilnehmen, erklärt Gesprächstechniken und zeigt, wie Patienten und Angehörige inneren Frieden und auch eine Aussöhnung finden können. Der Eintritt zu der Lesung ist frei, der Hospizverein bittet um Spenden.

Denn durch solche, aber auch durch Beiträge der insgesamt rund 400 Mitglieder und Aufwandsentschädigungen der Krankenkassen finanziert sich der Hospizverein. „Rund eine halbe Millionen Euro benötigen wir pro Jahr“, erklärt Neudegger. Davon werden auch die zwölf hauptamtlichen Mitglieder bezahlt. Für die Sterbenden und ihre Angehörigen ist die Unterstützung kostenlos.

Ehrenamtliche Hospizbetreuer begleiten Betroffene

75 ehrenamtliche Hospizbetreuer sind für den Verein Sankt Elisabeth in Memmingen und dem Unterallgäu im Einsatz. Sie begleiten die Betroffenen so lange wie möglich zu Hause in deren gewohnter Umgebung, aber auch in Pflegeheimen und im Krankenhaus, beraten in allen Fragen zur palliativen Versorgung. Das heißt, dass bei diesen Patienten nicht mehr Heilung und Lebensverlängerung im Vordergrund stehen, sondern der bestmögliche Erhalt der Lebensqualität, Nähe, Zuwendung und die Linderung von Schmerzen und anderen Symptomen, erklärt Vize-Vereinsvorsitzender Alfons Bauer.

Zu den weitern Angeboten des Hospizvereins gehört die Beratung zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht, ein Trauercafé in Mindelheim und jeweils ein Hospizzimmer in Memmingen, Mindelheim und Türkheim. Erklärtes Ziel ist es auch, die Angehörigen von Sterbenden zumindest für einige Stunden pro Woche zu entlasten, betont Einsatzleiterin Kathrin Grabenbauer. Allein im vergangenen Jahr hat der Verein Sankt Elisabeth etwa 130 Sterbende begleitet – manche nur eine Woche, andere über mehrere Monate.

80-stündige Ausbildung zum Hospizhelfer

Der 1995 gegründete, überkonfessionelle Verein hat sich auch auf die Fahnen geschrieben, dass Thema Hospizarbeit mittels Vorträgen und Schulungen in die Öffentlichkeit zu tragen. Wer ehrenamtlicher Hospizhelfer werden möchte, absolviert eine 80-stündige Ausbildung. „Mitbringen sollten die Interessenten Empathie, eine gesunde Lebenseinstellung, Hilfsbereitschaft, Offenheit und mindestens zwei Stunden Zeit pro Woche, aber auch gewisse Nehmerqualitäten“, sagt Neudegger. Denn leicht ist die Aufgabe nicht. „Wir lassen unsere Hospizbegleiter aber nicht allein“, betont der Vorsitzende, der selbst durch einen Todesfall in der Familie zur Hospizarbeit kam: Einmal im Monat gibt es eine Reflexionssitzung, in der unter fachlicher Begleitung über die Erfahrungen gesprochen wird.

„Wir schenken Zeit. Leider ist unsere Aufgabe noch nicht so verbreitet, dass es selbstverständlich ist, in einer solchen Situation zu uns zu kommen“, sagt Neudegger. Dabei sei Abschiednehmen für alle wichtig. Und dabei werde trotz der schwierigen Situation im Gespräch mit den Betroffenen durchaus auch mal zusammen gelacht.