Sanierung

Warum in Daxberg eine Brücke auf das Kirchendach führt

Von einem benachbarten Hügel führt ein Gerüst direkt auf das Kirchendach. Darauf befindet sich nicht nur das Baustellen-Klo, sondern auch Büro und Werkstatt der Handwerker.

Von einem benachbarten Hügel führt ein Gerüst direkt auf das Kirchendach. Darauf befindet sich nicht nur das Baustellen-Klo, sondern auch Büro und Werkstatt der Handwerker.

Bild: Franz Kustermann

Von einem benachbarten Hügel führt ein Gerüst direkt auf das Kirchendach. Darauf befindet sich nicht nur das Baustellen-Klo, sondern auch Büro und Werkstatt der Handwerker.

Bild: Franz Kustermann

Im Dachstuhl der Daxberger Kirche mussten Handwerker deutlich mehr Balken austauschen, als zunächst angenommen. Eine kreative Konstruktion spart ihnen dabei Zeit und der Pfarrei Geld.
31.03.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Die kleine, unscheinbare Fledermaus ist nur wenige Zentimeter groß, nachtaktiv und derzeit überhaupt nicht vor Ort. Dennoch bestimmt das flinke Tierchen den gesamten Ablauf der umfangreichen Sanierung der Daxberger Kirche Sankt Nikolaus: Die Erneuerung des Kirchendaches durfte wegen des Tierchens nämlich nur in den Wintermonaten erfolgen. 635 000 Euro soll das Projekt kosten und Kirchenpfleger Hubert Wörz ist sich ziemlich sicher, dass die kleine 300-Seelengemeinde die Finanzierung gut hinbekommt: Durch verschiedene Aktionen konnten die erforderlichen 150 000 Euro an Eigenmitteln und außerkirchlichen Spenden bereits gesammelt werden. Namhafte Spender, Privatleute, Vereine, Firmen und Aktionen wie etwa das Historische Dorffest und der Verkauf von Ritterbier ermöglichen, dass die Finanzierung nun steht.

Überraschungen aufgetaucht

Wie bei einer Altbau-Sanierung üblich, gab es aber immer wieder Überraschungen. Einiges lief zwar besser als befürchtet; andere Probleme stellten sich aber auch schwieriger als geplant heraus: So muss etwa das Fundament von Kirchenschiff und Turm nun doch nicht unterfangen und ertüchtigt werden. Wie Wörz erfreut berichtet, seien die Fundamente nicht an den Rissen schuld, die sich in Decke und Wänden zeigen. Bei seinen Untersuchungen habe der Statiker festgestellt, dass der Daxberger Kirchturm „kerzengerade“ sei. Das spare jetzt viele Kosten. Allerdings wurden im Turm einige schadhafte Balken entdeckt, die ersetzt werden mussten. Solange der Zugang über das offene Dachgebälk auf dem Kirchenschiff möglich war, wurden diese Teile ausgetauscht. Für die Arbeiten auf dem Kirchendach mussten die Handwerker übrigens kaum Treppenstufen steigen. Zimmerermeister Johannes Riedmüller hatte die Ausschreibung für die Sanierung von Dach und Turm gewonnen. Der 27-jährige Spezialist für Bauwerkssanierungen schlug unweit von der Kirche oben an der Burgstraße sein Lager auf. Er kam auf die Idee, von dem dortigen Hang aus mit einem Gerüst eine 25 Meter lange Brücke bis zum Dachgeschoß der Kirche zu errichten.

Auch Bau-Toilette steht auf Brücke

Ohne Leiter und Treppe gelangen die Arbeiter nun mühelos bis ans Dachgeschoß. Auf dieser Brücke hat Riedmüller nicht nur die Bau-Toilette, sondern auch seine Werkstatt und das Büro platziert. In nächster Nähe kann er so Hölzer zuschneiden und die morschen Balken des Dachgebälks austauschen, verstärken oder ergänzen. Die Brücke erspart ihm also viel Zeit, und der Pfarrei viel Geld.

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Bei abgedecktem Dach zeigte sich jedoch, dass mehr Balken als gedacht ausgetauscht werden mussten. Dazu wurde ein stabiles Notdach gebaut, unter dem den Winter über bei angenehmen Temperaturen gearbeitet werden konnte. „Die Lage änderte sich fast wöchentlich, weil immer weitere verfaulte Balken zum Vorschein kamen“, beschreibt Kirchenpfleger Wörz. Auch das Coronavirus führte zu Verzögerungen. Etwa, weil sich der Gerüstbauer zwei Wochen lange in Quarantäne begeben musste. Anschließend ereilte Zimmermeister Riedmüller dasselbe Schicksal.

Zuschuss der Diözese

Die Gesamtkosten der Sanierung liegen bei etwa 635 000 Euro. Wörz erwartet rund 75 Prozent an Zuschüssen von der Diözese Augsburg. Von der Bayerischen Landesstiftung sollen 49 400 Euro kommen; die Gemeinde Erkheim will 16 000 Euro beisteuern. Jetzt, da das Dach mit neuen Kirchenbiberschwanzplatten eingedeckt ist, können nun die Stuckateure ans Werk gehen: Dann können die Abstützungen der Decke entfernt und die freigelegten Risse geschlossen werden. Architekt Christian Groß geht davon aus, dass im Juni alles fertig ist. Ob es zur Einweihung ein großes Fest gibt, ist laut Wörz derzeit aber nicht abschätzbar.