Nahverkehr

Warum sich die Planungen für die Regio-S-Bahn im Raum Memmingen verzögern

Auch Heimertingen soll einmal Haltestelle für die Regio-S-Bahn werden. Noch passieren die Züge die Gemeinde ohne zu halten.

Auch Heimertingen soll einmal Haltestelle für die Regio-S-Bahn werden. Noch passieren die Züge die Gemeinde ohne zu halten.

Bild: Armin Schmid (Archiv)

Auch Heimertingen soll einmal Haltestelle für die Regio-S-Bahn werden. Noch passieren die Züge die Gemeinde ohne zu halten.

Bild: Armin Schmid (Archiv)

Für drei von sechs neuen Haltestellen einer Regio-S-Bahn in Memmingen und im Unterallgäu sind Änderungen notwendig. Wann macht hier frühestens ein Zug Halt?
16.03.2022 | Stand: 07:27 Uhr

Ende 2025 könnte die Regio-S-Bahn an sechs neuen Haltstellen in der Region haltmachen. Das zumindest hofft der Geschäftsführer des Vereins Regio-S-Bahn Donau-Iller, Oliver Dümmler. Er weiß aber auch, dass dafür noch einige Hürden genommen werden müssen. So sollte die Vorplanung für das sogenannte Stationsprojekt „Memminger Halte“ eigentlich bereits im Herbst 2021 abgeschlossen sein. Doch Detailfragen an drei der insgesamt sechs neuen Haltestellen hätten zu Verzögerungen geführt. Dümmler rechnet nun damit, dass die Ergebnisse im zweiten Quartal 2022 vorliegen.

Wie berichtet, ist die Regio-S-Bahn entlang der Bahnstrecke Ulm – Memmingen bereits im Dezember 2020 offiziell in Betrieb gegangen. Seit ein paar Monaten tragen die Züge auch ein spezielles Logo. Doch das eigentliche Ziel für den Raum Memmingen ist, dass die Bahn auch an sechs neuen, barrierefreien Stationen in Pleß, Fellheim, Heimertingen, Amendingen, Memmingen (Berufsbildungszentrum) und Buxheim Fahrgäste aufnimmt. Dazu muss jedoch die Infrastruktur vor Ort entsprechend angepasst werden. Laut Dümmler geht es dabei nicht nur um den Haltepunkt selbst, sondern auch „um den Anschluss an das öffentliche Wegenetz“, sprich Straßen, Fußwege und Parkplätze.

Regio-S-Bahn: Gemeinsame Erklärung von Kommunen, Freistaat und Bahn

Im Vorfeld der Vorplanung habe es eine gemeinsame Erklärung zwischen allen beteiligten Kommunen, dem Freistaat Bayern und der Deutschen Bahn AG gegeben. „Darin wurde auch der jeweilige Standort der Haltestellen festgelegt, was Grundlage für die Planung war.“ Doch im Nachgang mussten nach Angaben des Geschäftsführers bei den Stationen in Pleß, Heimertingen und am Berufsbildungszentrum in Memmingen noch Änderungen vorgenommen werden.

So wollte Pleß den Standort für seine Haltestelle etwas weiter nach Süden verlegen. Als Grund habe die Gemeinde neue Baugebiete in diesem Bereich ins Feld geführt. Daher habe man noch verschiedene Varianten untersuchen müssen. Denn bei der Festlegung eines Halts gebe es auch eine „technische Anhängigkeit“. So müsse etwa auf die vorhandene Infrastruktur Rücksicht genommen werden, die den Zugverkehr regelt, erklärt Dümmler. Mittlerweile sei es zu einer Einigung gekommen. Die Gemeinde müsse sich nun um den Ausbau der Zuwege kümmern.

In Memmingen am Berufsbildungszentrum habe eine Untersuchung ergeben, dass es am ursprünglich geplanten Haltepunkt an der Bodenseestraße einen „großen Konflikt“ mit der dortigen Streckentechnik gibt. Die umliegenden Bahnübergänge seien davon abhängig. So hätte man die Übergänge umbauen beziehungsweise die Geschwindigkeit der Züge in diesen Bereichen dauerhaft reduzieren müssen. „Das wollte niemand und hätte viel Geld gekostet.“ Ein neuer Standort, wenige Hundert Meter weiter westlich auf der anderen Seite der Bodenseestraße, wurde schließlich gefunden.

Lesen Sie auch
##alternative##
13-Jähriger starb

Nach tödlichem Unfall: Wie soll es mit Bahnübergang Heimertingen weitergehen?

Noch nicht abgeschlossen seien hingegen die Gespräche mit der Gemeinde Heimertingen. Da es dort einen sogenannten Kreuzungsbahnhof mit zwei Gleisen gibt, sei die Erschließung entsprechend aufwendiger. Hier muss eine Unterführung neu gebaut werden. Um die Barrierefreiheit zu gewährleisten, sind größere Rampen als Zuwege notwendig, die mehr Platzbedarf erfordern als ursprünglich veranschlagt. Zur genauen Ausgestaltung der notwendigen Erschließungsanlagen laufen derzeit noch die Abstimmungsgespräche, auch mit der Kommune.

Kosten sind auf 15 Millionen gedeckelt

Die Kosten für das Stationsprojekt sind laut Dümmler auf 15 Millionen Euro gedeckelt. „Alle Zahlen, die wir bisher haben, deuten daraufhin, dass wir die Vorgaben erfüllen.“ Auch wenn man ein paar Monate hinten dran sei, befinde man sich immer noch auf einem guten Weg. Nach Abschluss der Vorplanung wird Dümmler zufolge die Ausschreibung der Planungsleistungen vorbereitet.

Das nächste große Ziel auf der Strecke der Illertalbahn sei der Umbau des Bahnhofs in Senden, der Ende 2023 abgeschlossen sein soll. Danach seien die „Memminger Haltestellen“ an der Reihe. Wenn alles nach Plan verläuft, könnten diese dann im Jahr 2025 angefahren werden. „Der Fahrplan kann sofort angepasst werden. Er liegt quasi schon fertig in der Schublade“, betont der Geschäftsführer. Die Bahn wird dann im Ein-Stunden-Takt auf der Linie RS7 zwischen Ulm und Buxheim unterwegs sein. Dümmler glaubt, dass vor allem Pendler und Schüler aus den umliegenden Dörfern das Angebot nutzen werden, um nach Memmingen zu fahren.

Das ist die Regio-S-Bahn:

  • Seit Ende der 1990er Jahre wird in der Region Donau-Iller zusammen mit Teilen der Region Ostwürttemberg an der Verbesserung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) gearbeitet. Gemeinsam wurde mit den Ländern Bayern und Baden-Württemberg ein regionales, Landesgrenzen überschreitendes Zukunftskonzept für eine verbesserte und vernetzte Mobilität entwickelt. Rückgrat eines verbesserten Angebots soll ein Regio-S-Bahn-System sein.
  • Um dieses Ziel zu erreichen, ist ein Ausbau der Infrastruktur notwendig. Dazu sollen im geplanten Netz der Regio S-Bahn bis zu 30 Halte modernisiert werden oder neu entstehen. Im Ergebnis sollen wohnortnahe, gut zugängliche und möglichst barrierefreie Haltepunkte eine bequeme Nutzung erlauben, heißt es vonseiten des Vereins Regio-S-Bahn Donau-Iller. Das Stationsprojekt „Memminger Halte“ ist ein wichtiger Baustein bei der Umsetzung der Regio-S-Bahn.
  • Im April 2020 haben der Freistaat Bayern und der Verein Regio-S-Bahn Donau-lller eine Fördervereinbarung für die Vorplanung der „Memminger Halte“ unterzeichnet. Freistaat und Verein teilen sich die anfallenden Planungskosten, die auf 810.000 Euro angesetzt sind.
  • Auf einzelnen Streckenabschnitten muss zudem die Gleis-Infrastruktur ausgebaut werden. Im Bereich der Illertalbahn von Ulm bis Memmingen sollen die Abschnitte zwischen Senden und Gerlenhofen sowie Kellmünz und Pleß zweigleisig werden. Ein weiteres Ziel ist die Elektrifizierung der Strecke zwischen Neu-Ulm und Memmingen.
  • Die wesentlichen Aufgaben des zuständigen Vereins Regio-S-Bahn Donau-Iller sind die Umsetzung des Regio-S-Bahn-Konzeptes, die Abstimmungen mit den Akteuren beim Bund und den Bundesländern sowie die Beauftragung und Koordination der unterschiedlichen Vorplanungsleistungen zur Umsetzung der geplanten Infrastrukturmaßnahmen. Vorstandsmitglieder des Vereins sind die Landkreise Alb-Donau-Kreis, Biberach, Günzburg, Heidenheim, Neu-Ulm und Unterallgäu sowie die Städte Memmingen, Neu-Ulm und Ulm. Der Verein hat insgesamt 92 Mitglieder und unterhält eine Geschäftsstelle in Ulm.

Lesen Sie auch: Fahrgäste berichteten von Verspätungen und Ausfällen auf der neuen Zugstrecke zwischen Memmingen und München. Wir haben gefragt, wie es läuft.

Für nur 0,99 € einen Monat alle exklusiven AZ Plus-Artikel auf allgaeuer-zeitung.de lesen
Jetzt testen
Ausblenden | Ich habe bereits ein Abo.