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Was tun, wenn das Baby zu früh kommt?

Klinikum Memmingen - Harlekin-Projekt - 01

Nach einer Frühgeburt leiden die betroffenen Familien oft unter Unsicherheiten, Ängsten oder traumatischen Erfahrungen.

Bild: Koch/Klinikum Memmingen

Nach einer Frühgeburt leiden die betroffenen Familien oft unter Unsicherheiten, Ängsten oder traumatischen Erfahrungen.

Bild: Koch/Klinikum Memmingen

Das Klinikum Memmingen informiert über Harl.e.kin-Nachsorge. Das steckt dahinter.
09.12.2021 | Stand: 12:02 Uhr

Jede zu frühe Geburt bringt Eltern und Kinder in eine unerwartete Situation, die hohe Anforderungen an die ganze Familie stellt. Um den Betroffenen im Übergang von der Klinik nach Hause einen guten Start zu ermöglichen, hilft die sogenannte Harl.e.kin-Nachsorge – ein Betreuungsangebot für früh- und risikogeborene Kinder und ihre Familien. Dieses Nachsorge-Modell bietet ab sofort das Klinikum Memmingen zusammen mit der Frühförderstelle der Lebenshilfe Memmingen/Unterallgäu, dem Bunten Kreis in Memmingen und der Arbeitsstelle Frühförderung Bayern an, heißt es in einer Pressemitteilung.

Risiken für die kindliche Entwicklung

Je früher eine Geburt erfolge, umso höher seien die Risiken für die kindliche Entwicklung – trotz großer Fortschritte in der Neonatologie. „Für die betroffenen Familien ergeben sich durch eine Frühgeburt oft Verunsicherungen und psychosoziale Belastungen bis hin zu traumatischen Erfahrungen“, weiß Kinderklinik-Chefarzt Professor Dr. David Frommhold.

Genau dort setze die Harl.e.kin-Nachsorge an, ein niederschwelliges Angebot, das kindliche und elterliche Bedürfnisse gleichermaßen aufgreife.

In diesem Moment greift die Nachsorge

„Bei der Harl.e.kin-Nachsorge steht den Familien bereits im Übergang von der Klinik nach Hause eine vertraute Kinderkrankenschwester der Kinderklinik sowie eine erfahrene Fachkraft der örtlichen Frühförderstelle zur Seite“, beschreibt Diplom-Sozialpädagogin Isolde Gröber vom Bunten Kreis in Memmingen, die das Nachsorgeangebot Harl.e.kin in Memmingen koordiniert. „Denn nach der umfassenden Versorgung in der Klinik stellt die Krankenhausentlassung oftmals eine Phase der Verunsicherung dar“, so Gröber. „Die Gewissheit der Eltern, auch zu Hause kompetent und fachlich weiter begleitet zu werden, erleichtert vielen Familien den Schritt nach Hause.“ Auch für die betreuenden Ärzte und Pflegekräfte im Krankenhaus ist das Wissen um eine Weiterbetreuung der Familien nach der Entlassung eine große Beruhigung, weiß Chefarzt Frommhold.

Vertrauensvolle Beratung

Durch die Beratung der vertrauten Kinderkrankenschwester können alle pflegerischen Anliegen alltagsnah im Hausbesuch aufgegriffen werden: „Was kann ich tun, wenn das Kind nicht richtig trinkt, wenn es sehr unruhig ist oder nachts schlecht schläft?“, schildert Gröber einige Frage-Beispiele. Gleichzeitig richte eine speziell ausgebildete Fachkraft der örtlichen Frühförderstelle den Blickwinkel auf entwicklungspsychologische Gesichtspunkte – beobachte beispielsweise, welche Signale das Kind zeige und wie die Eltern gut darauf eingehen können oder gebe praktische Alltagstipps für den Kontakt mit dem Kind: „Hier geht es vor allem darum, die Eltern zu unterstützen und zu bestärken, dass sie es gut und richtig machen mit ihrem durch die Frühgeburt oft noch irritierbaren Kind“, so Gröber.

Kostenlos, unbürokratisch soll Angebot sein

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Das Nachsorgeangebot ist laut Mitteilung kostenlos, unbürokratisch und sehr niederschwellig: „Um die Harl.e.kin-Nachsorge in Anspruch zu nehmen, ist keine Antragstellung notwendig“, erklärt Gröber. Dabei ergänze die Harl.e.kin-Nachsorge mit ihrem beziehungs- und entwicklungsorientierten Ansatz die sozialmedizinische Nachsorge, die von den Krankenkassen finanziert werde und nur aus medizinischen Gründen erfolgen könne.

„Dank dieser Niederschwelligkeit begleitet die Harl.e.kin-Nachsorge Familien fachkompetent in der ersten Zeit zu Hause, bis der neue Alltag mit ihrem frühgeborenen Kind gut gelingt“, erklärt Gröber und ergänzt: „Und unterstützt die Familien, wenn nötig, ihren Weg zu weiteren Hilfeangeboten rechtzeitig zu finden.“ Die Harl.e.kin-Nachsorge schließe damit eine Lücke innerhalb der bestehenden Nachsorge- und Versorgungssysteme.

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