Ehemaliges Gasthaus

Weißes Roß in Westerheim wird zum Übernachtungshaus

WH Weißes Roß

Die frei einsehbare Westfassade der ehemaligen Gastwirtschaft „Weißes Roß“ mit seinen gleichmäßig großen Fenstern muss beim Umbau zu einem „Wohngemeinschaftshaus“ erhalten bleiben. Ansonsten gab der Gemeinderat Grünes Licht für das Bauvorhaben. Früher gab es drei Dorfwirtschaften; nun ist auch das letzte im Kernort Westerheim verschwunden.

Bild: Franz Kustermann

Die frei einsehbare Westfassade der ehemaligen Gastwirtschaft „Weißes Roß“ mit seinen gleichmäßig großen Fenstern muss beim Umbau zu einem „Wohngemeinschaftshaus“ erhalten bleiben. Ansonsten gab der Gemeinderat Grünes Licht für das Bauvorhaben. Früher gab es drei Dorfwirtschaften; nun ist auch das letzte im Kernort Westerheim verschwunden.

Bild: Franz Kustermann

Gemeinderäte wollen Nachbesserungen vom Bauherrn, der Firma Alois Müller. Warum ein Politiker fürchtet, dass das Haus von Prostituierten genutzt werden könnte.
31.10.2020 | Stand: 10:00 Uhr

Im Jahr 1735 erstmals erwähnt – und seit dem Jahr 1948 im Besitz der Familie Hieber – war das Gasthaus Weißes Roß seit Jahrzehnten der Treff- und Kommunikationsmittelpunkt in Westerheim. Auch für viele landkreisweite Veranstaltungen wurde der Saal genutzt. Nun hat das Unternehmen Alois Müller das Weiße Roß gekauft und möchte die Traditionsgaststätte zu einem „Wohngemeinschaftshaus“ umbauen. „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ – so Bürgermeisterin Christa Bail (Westerheimer Bürger) – hat der Gemeinderat jetzt einstimmig dem Bauantrag zugestimmt.

Allerdings forderten die Mitglieder des Gemeinderats, dass der Bauherr angibt, wie viele Betten genau in das Haus kommen sollen. Denn laut Stellplatzverordnung muss der Bauherr für jeweils vier Betten mindestens einen Stellplatz nachweisen. Derzeit sind Parkplätze an der Süd-, Ost- und Westseite des Gebäudes geplant. In der Baubeschreibung heiße es lediglich, dass im Weißen Roß „17 Einzel- beziehungsweise Doppelzimmer zu Übernachtungszwecken“ entstehen sollen, sagte Bail. Eventuell könnten in dem Haus aber bis zu 32 Betten untergebracht werden, rechnete die Gemeindechefin vor. Entsprechend müssten acht Stellplätze um das Gebäude entstehen, was laut der Bürgermeisterin dort wohl möglich ist.

Die bisherige Gaststube im Erdgeschoß soll in Form und Kubatur erhalten bleiben. Östlich davon sind ebenfalls im Erdgeschoß kleinere Schlafräume geplant. Aus dem Bauplan geht aber nicht zweifelsfrei hervor, ob es sich dabei um Einzel- oder Doppelzimmer handelt.

Im gesamten Obergeschoß, wo bisher unter anderem der große Saal war, sollen 13 schmale Zimmer entstehen. Stellenweise beträgt die Raumhöhe dort laut Bail allerdings nur 2,10 Meter – was eigentlich zu niedrig für derartige Zimmer ist. Das Landratsamt werde diese Ausnahme aber wohl genehmigen. Die Treppe im Haus soll an ihrem angestammten Platz erhalten bleiben, wobei an der Ostseite aus Brandschutzgründen zusätzlich eine Außentreppe vorgesehen ist. Grundsätzlich sei das Projekt laut Paragraf 34 im Innenbereich der Gemeinde zulässig, sagte Bail.

Die Westfassade des Gebäudes werde in der aktuellen Planung jedoch „mit Gucklöchern versaut“, beschrieb Bail: „Das geht in meinen Augen gar nicht. Wir machen Dorferneuerung und versuchen, ein gutes Ortsbild herzustellen“ – der Planer sehe das Weiße Roß aber nur als Zweckbau. Die Fassade mit ihren Lichtöffnungen müsse erhalten bleiben, sagte die Bürgermeisterin – ohne Gucklöcher und querliegende Fenster. Selbst wenn das Bauvorhaben an sich zulässig sei.

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Auf Vorschlag von Drittem Bürgermeister Roland Demmeler (Westerheimer Bürger) entschied der Gemeinderat deshalb, dass die von Weitem einsehbare Westfassade in ihrer jetzigen Form mit den gleichmäßig verteilten, großen Fenstern erhalten bleiben muss.

Martin Glöckler (Bunte Liste) äußerte die Befürchtung, dass in dem Haus „17 freiberuflich tätige osteuropäische Nutten“ ihrem Gewerbe nachgehen könnten. Er sah in den gesetzlichen Vorgaben „eine Grauzone und Baurechtslücke“ und forderte, in der gemeindlichen Stellungnahme die „Vermietung zum Zwecke der gewerblichen Prostitution“ formell auszuschließen. So lange das Haus Alois Müller besitze, „ist dies wohl noch kein Problem. Aber wer weiß, wem das in 20 Jahren gehört“, sagte Glöckler.

Bürgermeisterin Bail erklärte daraufhin, dass ein Verbot der Prostitution gar nicht nötig sei, da ein Bordell in Gemeinden in der Größe Westerheims von Haus aus nicht zulässig sei. Nicht einmal in Städten wie Memmingen dürfe so ein Etablissement betrieben werden. In größeren Städten, wie in Kempten, sei ein Bordell aber durchaus möglich.