Hochwasserschutz

Weiteres Rückhaltebecken wird in Ungerhausen geplant

UH Rückhaltebecken

Derzeit wird in der Holzgünzer Straße das nunmehr zweite Regenrückhaltebecken der Gemeinde Ungerhausen gebaut; ein drittes Becken in der Hauptstraße ist derzeit bereits in Planung. Zusammen mit dem Anschluss an die Woringer Gruppe will die Gemeinde heuer und im kommenden Jahr rund 1,5 Millionen Euro für Trinkwasser und Abwasser investieren.

Bild: Franz Kustermann

Derzeit wird in der Holzgünzer Straße das nunmehr zweite Regenrückhaltebecken der Gemeinde Ungerhausen gebaut; ein drittes Becken in der Hauptstraße ist derzeit bereits in Planung. Zusammen mit dem Anschluss an die Woringer Gruppe will die Gemeinde heuer und im kommenden Jahr rund 1,5 Millionen Euro für Trinkwasser und Abwasser investieren.

Bild: Franz Kustermann

Ungerhausen rüstet sich für mögliche Überschwemmungen. Beim Trinkwasser setzt die Gemeinde künftig auf einen Anschluss an das Leitungssystem der Woringer Gruppe.

03.06.2020 | Stand: 10:00 Uhr

Wegweisende Projekte, die den Gemeindesäckel in den kommenden Jahren massiv belasten, hat sich die Gemeinde Ungerhausen vorgenommen: Bürgermeister Josef Fickler rechnet damit, dass diese „Hausaufgaben“ die kleine Kommune rund 1,5 Millionen Euro kosten werden: Im Rahmen eines Wasserrechtsverfahrens wird gerade das dritte Regenrückhaltebecken geplant. Ein solches Becken – gegenüber der Gemeindekanzlei – wurde bereits im vergangenen Jahr fertiggestellt. In der Holzgünzer Straße befindet sich jetzt gerade das zweite Becken im Bau und in der nördlichen Hauptstraße soll noch ein drittes Becken folgen.

Wegen der PFT-Belastung will die Gemeinde zudem künftig auf eine eigene Trinkwassergewinnung verzichten und sich der „Woringer Gruppe“ anschließen. Bei PFT handelt es sich um polyfluorierte Chemikalien, die früher etwa im Löschschaum von Feuerwehren enthalten waren. Wie berichtet, befinden sich am nahe gelegenen Allgäu-Airport diese Stoffe im Grundwasser. Sie sind vermutlich krebserregend. Es handelt sich um Altlasten aus der Militärzeit.

Zwei Alternativen

Für den Anschluss stehen der Gemeinde laut Fickler zwei Alternativen zur Verfügung: Die 200 Millimeter starke Leitung könnte in Hawangen angeschlossen werden – entweder über den Wald oder über die freie Natur zum gemeindlichen Hochbehälter geführt werden. Auch wenn dies derzeit noch nicht endgültig entschieden ist, soll das Projekt nach dem Willen des Gemeindechefs bereits im kommenden Jahr erfolgen.

Nach dem Anschluss würde dann der gemeindliche Brunnen stillgelegt. Ungerhausen benötigt laut Fickler täglich 150 bis 200 Kubikmeter Trinkwasser. Für den Leitungsbau der 5,3 Kilometer langen Strecke rechnet der Bürgermeister mit einem Zuschuss von 80 Euro je laufendem Meter. Wann der derzeit leer geräumte Fördertopf wieder gefüllt ist, sei derzeit aber noch nicht klar. Der Planungsauftrag sei bereits erteilt. Sicher ist hingegen, dass die Leitung aufgrund ihrer notwendigen Dimension nicht einfach und kostengünstig „eingepflügt“ werden kann. Es müsse also ein teurer Graben ausgehoben werden.

Das bereits in Planung befindliche, dritte Regenrückhaltebecken in der nördlichen Hauptstraße (zwischen Waldstraße und Vöhlinstraße) soll die Niederschlagsmenge nur noch gedrosselt (130 Liter/Sekunde) an den Krebsbach abgeben: Rund 90 Meter lang und rund 3,5 Meter breit, wird das Becken ebenfalls mitten in die Straße eingebaut. Hierzu sollen – wie bereits schon bei den beiden anderen Becken – zahlreiche große Plastikbehälter wie in einem Bierkastensystem aneinandergereiht werden. Das 447 Kubikmeter fassende Becken kostet rund 335 000 Euro und soll wirksam vor Überflutungen schützen. Als Zuschuss für die Rückhaltemaßnahmen erhält die Gemeinde eine einmalige Pauschalförderung von 250 Euro je Einwohner. Beim Bau in der Hauptstraße muss die nördliche Ortsdurchfahrt (von der Autobahn herkommend) komplett gesperrt werden.

Kanal wird renoviert

Im Zuge der Baumaßnahmen soll auch der Regenwasserkanal in der Krebsbachstraße renoviert werden. Die Kosten belaufen sich hierfür auf etwa 80 000 Euro. Zudem soll die Mischwasserführung in der Waldsiedlung saniert werden. Laut Fickler besteht hier das Problem, dass die alten Leitungen vielfach noch auf Privatgrund eingebaut wurden. Bei einer Verlegung auf öffentlichen Grund müssten die Anwesen allerdings wieder neu angeschlossen werden. Als Alternative stehe nur die Sanierung mit sogenannten „Inlinern“ (in den Kanal eingezogene Schläuche) zur Verfügung. Auf welche Art letztlich die Sanierung erfolgt, ist derzeit noch nicht endgültig geklärt.