Bürgerinformation

Welches „Gesicht“ Ungerhausen erhalten soll

Ohne störende Barrieren soll der sogenannte grüne Dorfanger – der weit einsichtige Freiraum entlang der Straßen im Kernort Ungerhausens – erhalten werden: Der Rahmenplan soll vom Gemeinderat verabschiedet werden.

Ohne störende Barrieren soll der sogenannte grüne Dorfanger – der weit einsichtige Freiraum entlang der Straßen im Kernort Ungerhausens – erhalten werden: Der Rahmenplan soll vom Gemeinderat verabschiedet werden.

Bild: Franz Kustermann

Ohne störende Barrieren soll der sogenannte grüne Dorfanger – der weit einsichtige Freiraum entlang der Straßen im Kernort Ungerhausens – erhalten werden: Der Rahmenplan soll vom Gemeinderat verabschiedet werden.

Bild: Franz Kustermann

Gemeindechef spricht mit Bürgern über den Kernort und die Innenverdichtung. Das sind Ideen und Wünsche und so geht es weiter
14.11.2021 | Stand: 05:45 Uhr

„Ungerhausen – unsere Heimat, was ist zu tun?“: Unter diesem Motto stand die Bürgerinformations-Veranstaltung in der Festhalle Benningen, wo sich der Planer, Professor Dr. Lothar Zettler und Bürgermeister Josef Fickler dreieinhalb Stunden lang bemühten, den Bürgern der Gemeinde Ungerhausen Sinn und Zweck des (zwischen 50 000 und 80 000 Euro teuren) Rahmenplanes für den Kernort zu erläutern.

Leerstände sollen durch "Nachverdichtung" geschlossen werden

Ohne Konzept für die Innenverdichtung ist in Zukunft eine weitere Entwicklung auf der grünen Wiese außen nicht mehr möglich, betonte der Gemeindechef: Von einst 50 landwirtschaftlichen Betrieben seien heute nur noch vier bis fünf übrig geblieben. Viele Leerstände, wo es nun gelte, diese im Rahmen einer „Nachverdichtung“ geordnet zu schließen.

Wie dies langfristig geschehen soll, erläuterte Zettler: Der Abbruch der leerstehenden Gehöfte soll problemlos möglich sein. Beim Wiederaufbau jedoch sind einige wenige Vorgaben in dem Dorf mit „zwei Besonderheiten“ zu beachten: Anders als in den meisten anderen Gemeinden sind dort die Neubauten nicht um den Kernort herum, sondern in einem separaten Gebiet entstanden.

Großzügig gestalteter Straßenraum im Ortskern bleibt erhalten

Der alte Ortskern selbst ist an allen wichtigen Straßen geprägt von einem „Dorfanger“: Zettler versteht darunter den großzügig gestalteten Straßenraum mit viel weitsichtigem innerörtlichem Grün zwischen den Häuserfassaden. Dort gibt es keine trennenden Zäune, keine durchgängigen Hecken, keinen Sichtschutz, aber auch keine Stellplätze, Garagen und Carports jeglicher Art: Laut Zettler ist dies das Charakteristische am Dorfbild, das laut dem Rahmenplan auch in Zukunft so erhalten bleiben soll.

Wenige Beschränkungen

Den Bauwilligen will die Planung möglichst wenig Beschränkungen auferlegen: Die Gebäude dürfen zwar abgerissen werden. Für den Wiederaufbau gibt es aber Baugrenzen und Baulinien, die strikt einzuhalten sind. Die neuen giebel- (Ottobeurer und Holzgünzer Straße) oder traufständigen Anwesen (Memminger- und Hauptstraße) müssen bei der „Kubatur“ zweigeschossig und mit entsprechender Firstrichtung gewisse Höhen und Dachneigungen einhalten, damit sie auch genügend Platz für bezahlbaren Wohnraum bieten. Von der Grundfläche her darf jedoch aber auch kleiner als bisher gebaut werden.

Sicht einschränkende Bauwerke sind nur hinter der Baulinie möglich

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Bei Dachaufbauten sind bis zu sechs Meter breite Schlepp- und Satteldachgauben zulässig. Bei Balkonen verlässt sich der Rahmenplan auf den „guten Geschmack“ der Bauherren. Zäune, Sichtschutz und andere die Sicht einschränkende Bauwerke, wie etwa Garagen und Carports jeglicher Art sind nur hinter der Baulinie möglich. Gleiches gilt auch auf den sogenannten Talböden entlang des Krebsbachs und des Schmidbachs, sowie für das Umfeld vom Vöhlin-Schloss: Auch dort sind „Barrieren jeglicher Art“ nicht erlaubt.

Wandhöhe bei Bauten ist festgelegt

Eingeschossige Bauten müssen eine Wandhöhe von 4,50 Meter, zweigeschossige 5,5 bis 6 Meter und dreigeschossige von 9 Meter aufweisen. Den Hauptverkehrsstraßen entlang darf nur zweigeschossig gebaut werden; hinten liegende Häuser dürfen aber auch kleiner ausfallen. Nur in einem hinten liegenden Bereich zwischen Memminger und Ottobeurer Straße sieht der Plan auch dreistöckigen Geschosswohnungsbau vor.

Ab sieben Wohnungen muss eine Tiefgarage errichtet werden

Generell gilt: Ab sieben Wohnungen müssen Tiefgaragen errichtet werden, welche 70 Prozent der erforderlichen Stellplätze (2,5 Stellplätze je Wohnung) beherbergen müssen. Tiefgaragen können aber schon ab sechs Stellplätzen erforderlich werden, „wenn dies aus Gründen der Ortsgestaltung, des Umweltschutzes oder der Aufrechterhaltung der Flüssigkeit des Verkehrs geboten ist“.

Rahmenplan sei ein "wichtiges Werkzeug" für künftige Entscheidungen im Kernort

Laut dem Gemeindechef ist der Rahmenplan, der vom Gemeinderat demnächst verabschiedet werden soll, ein „wichtiges Werkzeug“ für künftige Entscheidungen im Kernort. Falls es mit den Bauwilligen nach Information und Aufklärung nicht zu einer einvernehmlichen Lösung kommt, könne der Gemeinderat für den Umgriff des jeweiligen Projektgebietes eine Veränderungssperre erlassen und einen „innerörtlichen Bebauungsplan“ aufstellen: Bis zu vier Jahre lange könnte ein beabsichtigter Bau so verzögert werden. Ausnahmen von den getroffenen Vorgaben hält Zettler nicht für „zielführend“, da sich auch andere Bauwerber darauf berufen könnten, und von den Gerichten auch Recht bekämen.

Diskrepanz zwischen Selbstverwirklichung und Beeinträchtigung der Nachbarn

Ganz bewusst habe man nur die elementaren und wichtigen Eckpunkte in dem Rahmenplan festgezurrt. Schließlich würden in jedem Bürger zwei Herzen schlagen: Als Bauherr wolle er möglichst wenige Einschränkungen und seine Vorstellungen verwirklichen. Als Nachbar aber wolle er vom angrenzenden Grundstück nicht beeinträchtigt werden. Jeder Bürger wolle in einem „liebens- und lebenswerten Ort“ leben, den seinen individuellen Charme und seine besonderen charakteristischen Besonderheiten auszeichnen. Bei den zahlreichen Redebeiträgen wurde dies im Anschluss auch mehr als deutlich zum Ausdruck gebracht.

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