Arbeit mit behinderten Menschen

Wenn der Chef sich sogar verkleidet und sportlich engagiert

Allgäuer Werkstätten

Sport und Spaß gehört bei den Unterallgäuer Werkstätten dazu. Der langjährige Geschäftsführer Wolfgang Beuchel (3. von links) organisierte auch Fußballturniere wie hier Anfang 2020 in Sonthofen mit.

Bild: Günter Jansen (Archiv)

Sport und Spaß gehört bei den Unterallgäuer Werkstätten dazu. Der langjährige Geschäftsführer Wolfgang Beuchel (3. von links) organisierte auch Fußballturniere wie hier Anfang 2020 in Sonthofen mit.

Bild: Günter Jansen (Archiv)

Geschäftsführer-Wechsel bei den Unterallgäuer Werkstätten in Memmingen: Nach 26 Jahren geht Wolfgang Beuchel in den Ruhestand. Was ihm wichtig war und ist.
18.03.2021 | Stand: 10:47 Uhr

Chefwechsel bei den Unterallgäuer Werkstätten (UAW): Wolfgang Beuchel arbeitete dort 26 Jahre, davon 25 als Geschäftsführer. Am Mittwoch (17.März) hat der 64-Jährige seinen letzten Arbeitstag. Sein Nachfolger wird Ludger Escher.

Eine ungewöhnlichen beruflichen Wechsel hat Beuchel hinter sich: In Halle an der Saale aufgewachsen, kam er nach seinem Hochschulabschluss 1978 als Ingenieur zur Volksarmee und nach der Wende zur Bundeswehr, wo er in verschiedenen leitenden Funktionen des Marinehubschraubergeschwaders Parow bis 1993 tätig war. Da sein Traumberuf immer schon Lehrer war, orientierte er sich beruflich um und begann 1995 nach Fortbildungen und einem weiteren Studiengang bei den UAW – zuerst als Gesamtwerkstattleiter für die Betriebsstätten Memmingen und Mindelheim und seit 1996 als Geschäftsführer.

Nicht nur Werkstatt, sondern auch Fußball

Seitdem hat er dort einiges initiiert – beispielsweise den Aufbau der Werkstätte für psychisch kranke Menschen, die Erweiterung der Werkstätten für Menschen mit geistiger und/oder Mehrfachbehinderung, die Erweiterung des Förderstättenangebots oder die Eröffnung des Inklusionscafés Klatschmohn. Beuchel suchte auch den Kontakt zur Wirtschaft, baute die berufliche Bildung mit Kooperationspartnern aus und ein Qualitätsmanagementsystem auf sowie schuf mit dem Projekt „Integra Mensch“ eine wichtige Brücke zum allgemeinen Arbeitsmarkt.

Während seiner Zeit als Geschäftsführer UAW übernahm er auch die Leitung des Bezirksarbeitskreises schwäbische Werkstätten und tauschte Erfahrungen mit Werkstätten in Polen und der Türkei im Rahmen des EU-Programms „Leonardo Da Vinci“ aus. Zudem hielt er Gastvorträge an der Uni in Kempten im Sozialbereich.

Da Beuchel auch das Zwischenmenschliche wichtig war, organisierte er Fußballturniere für Menschen mit Behinderung auf schwäbischer Ebene mit Werkstätten aus Lindenberg, Kaufbeuren, Kempten und Lautrach. „Er hat sich über 26 Jahre für das Wohl aller Beschäftigten eingesetzt, die UAW als großes Sozialunternehmen für die Stadt und den Landkreis entwickelt und in einer guten, wirtschaftlichen Lage an seinen Nachfolger übergeben“, lobt ihn Jutta Maier, die Vorsitzender Lebenshilfe Memmingen/Unterallgäu. Was ist Wolfgang Beuchel für ein Mensch? „Er hat ein großes Herz für Menschen mit Behinderung, ist nahbar, offen, emotional, vertrauensvoll und für jeden Spaß zu haben“, loben ihn seine Mitarbeiter.

Bus für den Ruhestand gekauft

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Beuchel und sein Nachfolger Ludger Escher kennen sich bereits seit über 20 Jahren. Gemeinsam haben sie sich im Bezirksarbeitskreis der schwäbischen Werkstätten engagiert. Noch ein paar andere Dingen würden Beuchel auszeichnen, ergänzt Jutta Maier: „Er unterstützt das Personal in Notsituationen und persönlichen Krisen, kann Reden aus dem Stehgreif halten und hat insgesamt gerne an Veranstaltungen der UAW teilgenommen.“ Damit spielt sie auf Schwimmfeste an, bei denen Beuchel auch schon mal gegen Bürgermeister antrat, aber auch auf Kickerturniere und Fasching, wo sich der Geschäftsführer bis zur Unkenntlichkeit verkleidete.

Für den Ruhestand hat sich Beuchel einen Mercedes-Bus gekauft – um damit Tagesausflüge oder kurze Wochenendtrips zu unternehmen, denn er reist gerne. „Für die Unterallgäuer Werkstätten wünsche ich mir, dass alle gesund bleiben und die UAW gut durch die Corona-Pandemie kommt, dass die UAW weiterhin ein erfolgreiches und innovatives Unternehmen bleibt und Menschen mit Behinderung vielseitige Möglichkeiten zur Teilhabe am Arbeitsleben bietet“, sagt der Neu-Rentner. Er hätte sich gerne einen anderen Abschied mit einer Feier gewünscht – aber das sei wegen Corona leider nicht möglich.

Beuchels Nachfolger Ludger Escher war die vergangenen 22 Jahre als Prokurist und Betriebsleiter in der gleichen Branche bei den IWL Werkstätten in Landsberg am Lech tätig. Der 54-Jährige wohnt seit über 20 Jahren mit seiner Familie im Unterallgäu und hat neben einem technischen Abschluss als Diplom- Ingenieur (FH) Holztechnik nebenberuflich ein Management-Studium zum MBA erfolgreich abgeschlossen.

Die Unterallgäuer Werkstätten - Zahlen und Fakten

  • Geschichte Die Unterallgäuer Werkstätten GmbH (UAW) gibt es seit 1974. Sie ist eine anerkannte Werkstatt der Lebenshilfe Memmingen/Unterallgäu e.V. für behinderte Menschen.
  • Beschäftigte Derzeit arbeiten 682 Menschen mit Behinderung sowie 238 Angestellte bei den UAW.
  • Aufgaben Die Menschen mit Behinderung arbeiten in den Bereichen Aktenvernichtung, Bürodienstleistung/Papierverarbeitung, Elektromontage, Garten- und Landschaftspflege, Hauswirtschaft, Holzbearbeitung, Bücherkiste, Industriemontage und Konfektionierung, Lager/Fuhrpark, Metallbearbeitung, Wäscherei sowie im Café Klatschmohn. Die besondere Herausforderung für die UAW besteht laut der Geschäftsführung darin, die sozialen und wirtschaftlichen Aufgaben in Einklang zu bringen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen, der ihren persönlichen Anforderungen und Fähigkeiten entspricht.