Mindelheim

Wenn die Katze fremdgeht

Schwarze Katze

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Bild: Sebastian Gollnow dpa

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Bild: Sebastian Gollnow dpa

Tierschutz Stubentiger anderer zu füttern, ist nicht verboten. Es kann aber durchaus rechtliche Konsequenzen haben
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Von Sandra Baumberger
16.01.2020 | Stand: 16:01 Uhr

Rita Mandl ist Vorsitzende des Mindelheimer Katzenschutzvereins und darf sicherlich von sich behaupten, sich mit Katzen auszukennen und gut für sie zu sorgen. Trotzdem ist auch ihr schon zweimal das passiert, was viele Katzenbesitzer fürchten oder bereits erlebt haben: Ihr Haustier ist erst immer seltener und schließlich gar nicht mehr von seinen Streifzügen nach Hause gekommen, weil es offensichtlich woanders Futter und Zuwendung gefunden hatte.

„Da kann man nichts machen. Katzen sind Individualisten. Die kann man nicht zum Bleiben zwingen“, sagt Mandl und räumt gleichzeitig mit einem verbreiteten Vorurteil auf: Wenn die Katze abwandert, habe das in den seltensten Fällen damit zu tun, dass sie von ihren bisherigen Besitzern schlecht versorgt wurde. Oft reiche es schon, wenn es woanders mehr Zuwendung gebe – oder besseres Futter.

Und genau das ist das Problem: Etliche Tierfreunde stellen Schüsselchen mit Katzenfutter auf die Terrasse – und locken damit auch Katzen an, die dieser Zuwendung gar nicht bedürfen. Im Laufe der Zeit entfremden sie das Tier seinen eigentlichen Besitzern, für die das in der Regel ein schwerer Verlust ist.

Weiß man, wer die eigene Katze füttert, sollte man das Gespräch suchen, rät Mandl. Vielen sei nicht bewusst, was sie mit den gut gemeinten Futterschälchen anrichten. „Die ziehen ja nicht nur Katzen an, sondern auch Marder oder Ratten“, gibt sie zu bedenken.

Hinzu kommt, dass die Fremdverköstigung für manche Katzen nicht ungefährlich ist, etwa wenn sie schon sehr alt oder krank und deshalb auf Spezialfutter angewiesen sind. „Da machen die Leute im schlimmsten Fall mehr falsch als gut“, weiß Monika Widitz, Schriftführerin des Katzenschutzvereins, aus eigener Erfahrung: Ihrer nierenkranken Katze bekam das Futter, das es einige Häuser weiter in Hülle und Fülle gab, gar nicht – was den selbst ernannten Tierfreund auch nach mehreren Gesprächen aber nicht davon abhielt, die fremde Katze zu füttern.

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Widitz kennt noch mehr Fälle, in denen die „Fremd-Fütterer“ völlig uneinsichtig waren – und ärgert sich darüber: „Wenn die Leute gerne Katzen streicheln und füttern, können sie gerne bei uns im Verein mithelfen“, sagt sie. „Wir sind froh um jeden, der mal eine Stunde kommt und sich um die Katzen kümmert.“

Sie betont, dass es durchaus sinnvoll ist, sich um verwilderte, herrenlose Katzen zu kümmern – und sei es nur, um sie so weit zu zähmen, dass sie kastriert werden können. Kommt dagegen eine gepflegt wirkende Katze immer wieder und will nicht mehr gehen, sollte man sich erst in der Nachbarschaft umhören, rät Widitz. Kennt die Katze dort niemand, kann man überprüfen, ob sie tätowiert oder gechipt ist. Den Chip kann man beim Tierarzt oder auch dem Katzenschutzverein auslesen lassen und so den Besitzer ausfindig machen.

Sie weist außerdem darauf hin, dass es sich bei einer Katze rein rechtlich um Eigentum handelt. Zwar ist es nicht verboten, eine fremde Katze zu füttern. Eine regelmäßige oder gar systematische Fütterung kann aber durchaus rechtliche Folgen haben, weil sie gegen die Eigentumsrechte des Halters verstößt und einen Eingriff in dessen Gefühlswelt und Privatsphäre darstellt.

Blieb ein Gespräch ohne Erfolg, kann man die „Fremd-Fütterer“ zunächst schriftlich auffordern, jegliche Einwirkung auf die Katze zu unterlassen. Nehmen sie auch dieses Verbot nicht ernst, kann man – zumindest theoretisch – beim Amtsgericht eine Unterlassungsverfügung beantragen, die für den Fall der Zuwiderhandlung eine Geldstrafe androht. Rita Mandl kennt Tierhalter, die in ihrer Verzweiflung tatsächlich einen Rechtsanwalt eingeschaltet haben. Ob er ihnen ihre Katze zurückgebracht hat, weiß sie nicht. Das nachbarschaftliche Verhältnis dürfte aber sehr darunter gelitten haben. Sie selbst hat sich damit arrangiert, dass zwei ihrer Katzen lieber woanders leben wollten – auch wenn sie eine von ihnen sogar mit der Flasche aufgezogen hat.

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