Versorgung

Wer Leitungswasser trinkt, spart Geld und schont die Umwelt

Stadtwerke Memmingen

Eines von zwei Brunnenhäusern der Stadt Memmingen. Drei Pumpen (Foto oben links) fördern im Schnitt 110 Liter Grundwasser pro Sekunde. An einer Zapfstelle (Foto oben rechts) wird regelmäßig die Wasserqualität kontrolliert, was hier Marcus Geske, Technischer Leiter der Stadtwerke Memmingen macht. Auf dem Bild unten rechts die Photovoltaik-Anlage, die einen Teil des Stroms produziert, der für die Pumpen benötigt wird.

Bild: Fotos: Andreas Berger

Eines von zwei Brunnenhäusern der Stadt Memmingen. Drei Pumpen (Foto oben links) fördern im Schnitt 110 Liter Grundwasser pro Sekunde. An einer Zapfstelle (Foto oben rechts) wird regelmäßig die Wasserqualität kontrolliert, was hier Marcus Geske, Technischer Leiter der Stadtwerke Memmingen macht. Auf dem Bild unten rechts die Photovoltaik-Anlage, die einen Teil des Stroms produziert, der für die Pumpen benötigt wird.

Bild: Fotos: Andreas Berger

Das Memminger Leitungswasser hat im Vergleich zu Flaschenwasser aus dem Supermarkt eine hervorragende CO2-Bilanz, sagt ein Experte von den Stadtwerken.
28.09.2021 | Stand: 18:06 Uhr

Für Marcus Geske ist die Rechnung ganz einfach: Ein Liter Trinkwasser aus dem Geschäft verursacht 235 Gramm des Treibhausgases CO2. Ein Liter Trinkwasser, das aus einem Memminger Wasserhahn kommt, erzeugt 0,1 Gramm CO2. Marcus Geske ist Technischer Leiter bei den Stadtwerken Memmingen und zeigte während der jüngsten Bürgerversammlung in einem Film, warum es sich lohnt, Leitungswasser zu trinken: Es sei umweltfreundlich und spare Geld.

Mittlerweile ist die Energiebilanz des Memminger Leitungswassers noch besser als früher. Zwar ist die Förderung des Grundwassers der größte Stromposten der Stadtwerke: 920 000 Kilowattstunden benötigen die Pumpen pro Jahr. So viel Strom verbrauchen etwa 200 vierköpfige Familien im selben Zeitraum. Doch 17 Prozent davon werden seit einigen Jahren über die Photovoltaik-Anlage gewonnen, die neben den beiden Memminger Brunnen südlich von Benningen steht. Der Rest komme vom Stromlieferanten und stamme seit vergangenem Jahr komplett aus erneuerbaren Energien, sagt Geske.

Memminger Grundwasser hat Trinkwasserqualität

Förderung, Aufbereitung, Verpackung, Transport: Unter anderem dadurch entstehe der hohe CO2-Verbrauch bei Flaschenwasser. Den Wert von 235 Gramm CO2 dafür hat Geske von den Berliner Wasserbetrieben. In Memmingen hingegen werde das Wasser gefördert und in die Leitung gepumpt. Eine Aufbereitung sei nicht nötig, da das Grundwasser Trinkwasserqualität habe. Die Herstellung, Verlegung und regelmäßige Erneuerung der Leitungsrohre, die in Memmingen im Schnitt 30 Jahre alt sind, habe er zwar nicht in der CO2-Rechnung berücksichtigt. Doch selbst dann läge die CO2-Bilanz weit unter der von Flaschenwasser.

Marcus Geske hat weitere Vergleichszahlen: Ein Peugeot 308, Baujahr 2014, HDI Diesel, verbrauche 99 Gramm CO2 pro Kilometer. Wer zwei Kilometer damit fahre, erzeuge etwas weniger CO2 als beim Genuss von zwei Litern Flaschenwasser. Ein Mensch sollte pro Tag zwei bis drei Liter Wasser trinken. Nutzt eine vierköpfige Familie dafür Flaschenwasser, entspricht das etwa so viel CO2 wie auf einer 16- bis 24-Kilometer-Fahrt mit diesem Peugeot. Pro Tag.

Wasserspender in Schulen

Vor allem wegen der Umweltbilanz haben die Stadtwerke an bisher elf Schulen der Stadt Wasserspender aufgestellt. Dort können Schülerinnen und Schüler kostenlos Leitungswasser zapfen. Das sei auch Werbung dafür, lieber Wasser aus dem Hahn zu trinken, als es in Flaschen zu kaufen, sagt Geske. Denn die jungen Menschen nähmen die Idee mit nach Hause, wo sie ihre Eltern vom Nutzen überzeugen könnten.

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An diesen Wasserspendern gebe es immer wieder Kritik, sagt Geske. Der Vorwurf: Die Stadtwerke wollten damit Geld machen. Der technische Leiter macht die Gegenrechnung: Pro Tag werden derzeit an allen Schulen zusammen 500 Liter aus den Spendern gezapft. Ein Liter aus den Spendern kostet 0,12 Cent. Macht einen Tagesumsatz von 62 Cent. Von großem Gewinn könne also nicht die Rede sein. Und die Spender würden den Schulen kostenlos zur Verfügung gestellt. Dafür würden aber 24 Tonnen CO2 im Jahr gespart.

Auch für Privathaushalte ist das Memminger Trinkwasser nicht teuer: Weil für die Haushalte eine Abwasserabgabe fällig ist, liegt der Liter bei 0,41 Cent. Zum Vergleich: Nicht mal das günstigste Flaschenwasser könne da mithalten, vergleicht Geske. Da liegt der Liter etwa bei 13 Cent.