Meteorologe erklärt

Zwischen zwei Unwetter-Bahnen: Wer in diesem Teil des Allgäus wohnt, hat seltener extremes Wetter

Zwei Unwetter hat es Anfang Juni in Memmingen und Umgebung gegeben. Sie kommen in Stadt und Kreis eher selten vor. Teile des Ikarus-Festivals in Memmingerberg wurden in eine Matschlandschaft verwandelt.

Zwei Unwetter hat es Anfang Juni in Memmingen und Umgebung gegeben. Sie kommen in Stadt und Kreis eher selten vor. Teile des Ikarus-Festivals in Memmingerberg wurden in eine Matschlandschaft verwandelt.

Bild: Felix Ebert (Archivbild)

Zwei Unwetter hat es Anfang Juni in Memmingen und Umgebung gegeben. Sie kommen in Stadt und Kreis eher selten vor. Teile des Ikarus-Festivals in Memmingerberg wurden in eine Matschlandschaft verwandelt.

Bild: Felix Ebert (Archivbild)

Wer Unwetter nicht so gern hat, wohnt in Memmingen und im Unterallgäu recht gut: Hier gibt es nicht so oft extreme Wetterlagen wie in benachbarten Landkreisen.
09.08.2022 | Stand: 07:13 Uhr

Hochwasser im Oberallgäu, Sturm im Ostallgäu, überdurchschnittlich viele Blitze rund um Augsburg. Die Nachbarschaft von Memmingen und des Unterallgäus hat immer wieder mit heftigem Wetter zu kämpfen. In Stadt und Landkreis jedoch geht es im Vergleich dazu recht beschaulich zu. Nur ein Gefühl oder Tatsache? „Der Eindruck täuscht nicht, dass Memmingen nicht so häufig Unwetter hat wie andere Bereiche des Allgäus“, sagt Jürgen Schmidt, Diplom-Meteorologe und Geschäftsführer vom Wetterdienst Wetterkontor mit Sitz in Ingelheim am Rhein, Rheinland-Pfalz.

Allgäu ist die niederschlagreichste Region in Deutschland

Generell sei das Allgäu die niederschlagsreichste Region in Deutschland. Und Balderschwang im Oberallgäu sei mit 2400 Litern Regen pro Jahr und Quadratmeter im 30-jährigen Mittel der regenreichste Ort Deutschlands. Memmingen und das Unterallgäu können bei diesen Wetter-Superlativen aber nicht mithalten. Das lässt sich meteorologisch auch erklären. Meteorologe Jürgen Schmidt: Im Allgäu, vor allem Richtung Alpen, entwickeln sich im Sommer häufig Gewitter. Sie ziehen dann oft Richtung Nord-Osten, also Richtung Oberbayern und München. Dabei streifen sie Memmingen nur. Recht viele Gewitter entstehen auch in der Schwarzwaldregion. Sie ziehen ebenfalls meist Richtung Nord-Osten. Memmingen und Unterallgäu liegen also zwischen den beiden Zonen, in denen sich die Gewitter entladen. (Lesen Sie auch: Extremes Wetter im Allgäu: "Bewegen uns wettermäßig immer mehr Richtung Tropen")

Weniger Unwetter, weniger Schnee in Memmingen und im Unterallgäu

Auch im Winter sind Stadt und Landkreis bei Wetterereignissen nicht vorn dabei. In der kalten Jahreszeit wehe der Wind oft aus Nord bis Nordwest. Er drückt die Wolken also gegen die Berge. „Die werden dadurch regelrecht ausgepresst“, sagt Schmidt. Das heißt: Je weiter die Wolken Richtung Berge ziehen, desto heftiger fällt Schnee. So macht sich die größere Entfernung Memmingens und des Unterallgäus zu den Alpen bemerkbar.

Hinzu kommt laut Jürgen Schmidt, dass die Wolken, wenn sie aus Nordwest kommen, schon einmal einen großen Teil ihres Schnees losgeworden sind: Sie bleiben an der Nordseite der Schwäbischen Alb hängen und lassen es dort kräftig schneien. Wenn sie dann weiterziehen, verringere sich der Niederschlag. Erst wieder Richtung Alpen wird der Schneefall wieder stärker (Wie das Wetter iin den kommenden 7 Tagen im Allgäu wird, erfahren Sie hier).

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Brutale Naturgewalt: Zahlen und Fakten zu Gewitter

Weniger Unwetter also, dafür recht viel Sonne: In Memmingen hat sie im vergangenen Jahr 1943 Stunden geschienen. Der Durchschnitt für Deutschland lag bei 1631 im vergangenen Jahr. Und an der Spitze war Leutkirch-Herlazhofen mit 2045 Sonnenstunden. Der Regen: In Memmingen regnete es im vergangenen Jahr 1023 Liter pro Quadratmeter, in Balderschwang 2400 Liter und in Deutschland im Schnitt 801 Liter.

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Das alles heißt aber nicht, dass es hier nicht auch mal zu extremeren Wetterereignissen kommen kann, sagt der Wetterexperte: Wenn im Sommer etwa ein Höhentief über Mitteleuropa hängt, wird warme und feuchte Luft beispielsweise vom Mittelmeer über die Ostalpen nach Deutschland transportiert. Hier trifft sie auf kühlere Luft. Daraus können starke Gewitter mit heftigem Regen und Sturm entstehen – auch in Memmingen und im Unterallgäu. Ein Höhentief liegt in mehreren Kilometern Höhe. Ein solches war Mitte Juli 2021 an der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen beteiligt. Damals starben durch Überflutungen mindestens 180 Menschen. (Lesen Sie auch: So hat sich das Krisenmanagement im Allgäu nach dem Ahrtal-Hochwasser verbessert)

Mehr zum Wetter in der Region lesen Sie auch in unserem Wetter-Special mit Biowetter, Regenradar, UV-Index und Ozonbelastung.