Hochwasser

Wie es beim Hochwasserschutz im Günztal vorangeht

OB Hochwasserschutz

Aktuell wird noch gebaut in der von Spundwänden umsäumten Baugrube südöstlich von Engetried: Dort soll das Durchlass-Bauwerk erstellt werden, das später die Wassermassen bei einem Hochwasser drosselt.

Bild: Franz Kustermann

Aktuell wird noch gebaut in der von Spundwänden umsäumten Baugrube südöstlich von Engetried: Dort soll das Durchlass-Bauwerk erstellt werden, das später die Wassermassen bei einem Hochwasser drosselt.

Bild: Franz Kustermann

Beim Zweckverband geht es um große Fortschritte bei den Baumaßnahmen und um Punkte, die noch zu klären sind. Welche Kosten auf die Gemeinden zukommen.
18.12.2021 | Stand: 12:00 Uhr

Die Maßnahmen zum Hochwasserschutz im Günztal kommen gut voran: Nachdem das Rückhaltebecken Eldern in Betrieb und auch – kostengünstiger als geplant – abgerechnet ist, wird in Engetried bereits fleißig gebaut: Wie Abteilungsleiterin Stefanie Kienle bei der Sitzung des Zweckverbandes Hochwasserschutz Günztal erläuterte, ist der Rückbau des alten Triebwerkkanals in Engetried erledigt. Zudem seien die Umfahrung der Staatsstraße sowie die Neutrassierung des Geh- und Radweges bereits asphaltiert und weitgehend fertiggestellt.

Wintereinbruch bremst die Arbeiten in Engetried

Die Hauptmaßnahme – sie umfasst den Bau des Rückhaltedammes und des Durchlass-Bauwerkes mit Betriebsgebäude sowie die neue Trassierung der Staatsstraße – läuft bereits. Für das Drosselbauwerk konnte die Bodenplatte wegen des frühen Wintereinbruchs noch nicht fertiggestellt werden: Die Spundwände sind jedoch bereits in die Erde gerammt, die Baugrube ist ausgehoben und das Grundwasser kann abgepumpt werden. Wie die Arbeiten weiter voranschreiten, hängt nun von der Witterung ab. Kienle zufolge kann der dritte Bauabschnitt erst beginnen, wenn das Betonbauwerk fertiggestellt ist. Im Zuge des Projekts muss auch eine Kapelle von ihrem bisherigen Standort versetzt werden: Dafür gibt es noch keine Ausschreibung, weil die Genehmigung durch das Landratsamt noch aussteht. Ökologische Maßnahmen wie etwa die Verlegung der Günz, hat die Flussmeisterstelle umgesetzt. Die Inbetriebnahme des Beckens erfolgt im Herbst 2023.

Waldumbau in Frechenrieden ist in vollem Gange

Beim Hochwasserrückhaltebecken Frechenrieden ist der Planfeststellungsbeschluss bereits rechtskräftig: Bestandteil der Maßnahmen zum Hochwasserschutz ist hier auch ein Waldumbau, der schon in vollem Gange ist: Der Fichtenbestand wird dabei zu einem einstauverträglichen Laubwald. Der Wandel wird sich laut Projektleiter Michael Zeiser aber noch sechs bis acht Jahre hinziehen, da jedes Jahr nur bis zu 1,5 Hektar Wald jährlich gefällt werden können. Die Errichtung einer Baustraße ist bereits in Vorbereitung. Im Mai kommenden Jahres kann dann die Ausschreibung der Hauptbaumaßnahmen erfolgen. Baubeginn der Maßnahme, für die zwei Jahre angesetzt sind, ist 2023.

Beim Becken Sontheim sind die Ingenieurleistungen mittlerweile vergeben. Die Planungen werden von Daniel Weber betreut: Ende 2022 soll die Entwurfsplanung vorliegen. Wenn die Baugrunduntersuchung und die Erstellung des Grundwasser-Modells erledigt sind, kann im Jahr 2024 die Ausführungsplanung anlaufen. Frühestmöglicher Baubeginn wäre das Jahr 2025.

Standort-Diskussion in Westerheim ist auf der Zielgeraden

Zweckverbandsvorsitzender German Fries sagte: „Das Thema wird uns noch einige Jahre beschäftigen; aber es geht voran.“ Mit der Modellierung der Günz südlich von Engetried habe die Natur insgesamt viel gewonnen. Auch der Radweg, der nun entlang des Triebwerkskanals verläuft, sei „sehr gelungen“. Mit Blick auf Westerheim teilte Projektleiter Zeiser mit: „Erst wenn dort der endgültige Standort gefunden ist, wird über den Grunderwerb verhandelt.“ Bislang habe es ein „Hin und Her“ gegeben, nun nähere man sich dem Ziel: „Ich hoffe, dass wir noch dieses Jahr den Standort fixiert haben.“ Bei der laufenden Überprüfung müsse nachgewiesen werden, dass „kein verträglicherer Standort“ möglich ist. Anders die Lage beim Becken Sontheim: Dort stehe der Standort sicher fest und die Planung könne anlaufen.

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Sontheim und Markt Rettenbach haben laut Zeiser umfangreiche Beteiligtenleistungen in Form von Grundstücken eingebracht. Daher werden diese Gemeinden zunächst nur mit geringen oder keinen Beiträgen an den Kosten beteiligt. Weil man bei Planung und Bau der Becken zügig vorankommen wolle, werden die Beiträge der beteiligten Kommunen in den kommenden Jahren merklich höher werden, kündigte der Projektleiter an.

Kämmerer Daniel Scharpf erläuterte, was aufgrund der einstimmig beschlossenen Haushaltssatzung auf die Gemeinden zukommt: Der aktuelle Zahlungsplan sieht im kommenden Jahr eine Summe von 720.000 Euro vor: In den Folgejahren steigen diese auf 1,27, 1,07, 1,65, 3,17 und 2,61 Millionen Euro an.

Die Kostenanteile in der Übersicht:

Für die hauptbeteiligten Gemeinden gestaltet sich der vertragliche Kostenanteil aktuell folgendermaßen:

  • Markt Ottobeuren: knapp 1,6 Millionen Euro.
  • Westerheim: 564.000 Euro
  • Sontheim: 311.000 Euro
  • Markt Erkheim: 398.000 Euro
  • Markt Rettenbach: 397.000 Euro
  • Babenhausen: 497.000 Euro
  • Deisenhausen: 497.000 Euro
  • Kostenanteil der Kommunen gesamt: rund 4,2 Millionen Euro.

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