Unterallgäu/Memmingen

Wie man sich vor Einbrechern schützt

Ralph Müller

Ralph Müller

Bild: David Specht

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Bild: David Specht

Kriminalität Bei Einbruchsopfern ist der seelische Schaden oft größer als der finanzielle. Heute Veranstaltung zum Thema
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Von von David Specht
15.10.2019 | Stand: 15:46 Uhr

45 Mal schlugen Einbrecher in den ersten neun Monaten des Jahres im Landkreis Unterallgäu zu. In der Stadt Memmingen drangen sie laut Polizei in elf Gebäude ein. Das sind deutlich weniger Fälle als im gleichen Zeitraum im Vorjahr (im Unterallgäu 48 und in Memmingen 19 Einbrüche). Im gesamten Allgäu verzeichnet die Polizei seit einigen Jahren immer weniger Einbrüche. Seit dem Höchststand 2016 (307 Einbrüche) sinkt die Zahl kontinuierlich.

„Man könnte jetzt einfach sagen: Die Einbrüche gehen zurück. Aber auch wenn wir nur 180 Einbrüche haben, sind das immer noch 180 Fälle, in denen Menschen das Vertrauen in ihr Haus und das Gefühl von Sicherheit verlieren“, sagt Ralph Müller. Er ist Fachberater für kriminalpolizeiliche Prävention bei der Kripo Memmingen. Laut Müller leiden Bewohner nach Einbrüchen oftmals an Schlafmangel und nicht selten ende es sogar damit, dass diese ihr Haus verkaufen und wegziehen, um mit dem Erlebten abschließen zu können. „Der seelische Schaden ist oft größer als der finanzielle“, betont Müller.

Wie solch ein Einbruch einen auch Monate nach der eigentlichen Tat noch beschäftigt, erzählt eine Frau aus Bad Wörishofen, die Opfer eines Einbruchs wurde, auf einer Infoveranstaltung von Polizei und Kuratorium Sicheres Allgäu am heutigen Mittwoch im Forum Mindelheim. Außerdem zeigt Ralph Müller den Besuchern dort, wie leicht ein Fenster und eine Haustüre ohne besondere Sicherheitsvorkehrungen aufgebrochen werden können – und wie die Besitzer das verhindern können.

„Der Einbrecher hat nur ein bestimmtes Zeitfenster. Wenn er es in dieser Zeit nicht schafft, in ein Haus einzudringen, zieht er wieder ab“, erklärt Müller. Er verweist deshalb auf mechanische Sicherungstechniken, die sehr effizient seien. „Der Täter beschädigt dann vielleicht Tür und Fenster, aber er kommt nicht ins Haus“, sagt Müller. Auf der Infoveranstaltung erklären Polizisten den Besuchern auch, welche Einbruchssicherungen sich wofür eignen. „Der Vorteil für die Leute ist: Wir wollen ihnen nichts verkaufen“, stellt Müller klar.

Zudem sprechen Dr. Christoph Ebert von der Staatsanwaltschaft Memmingen über Strafverfolgung und Versicherungsschutz und Franz Pabst vom Weißen Ring über psychische Folgen und Unterstützung von Einbruchsopfern. Durch den Abend führt der Redaktionsleiter derAllgäuer Zeitung, Ulrich Hagemeier. Ihm zur Seite stehen Polizeipräsident Werner Strößner und Lindaus Landrat Elmar Stegmann.

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Generell seien Sicherungstechniken nur ein Standbein beim Schutz vor Einbrechern – „das andere sind aufmerksame Nachbarn“, sagt Müller. Dabei helfe es, wenn Bewohner den Nachbarn explizit den Auftrag erteilen, während ihrer Abwesenheit Haus und Grundstück im Auge zu behalten. „Die Leute schauen dann ganz anders“, weiß Müller.

Im Stadtgebiet von Memmingen waren in diesem Jahr außergewöhnlich viele Kindergärten Ziel von Einbrechern. Das sei kein allgemeines Phänomen, sagt Müller. Die Polizei gehe bei diesen Fällen vielmehr von einem Einzeltäter aus. Laut Polizeibericht zog dieser teilweise ohne Beute wieder ab, teilweise entwendete er einen zwei-, seltener einen dreistelligen Geldbetrag. Während eines Einbruchs traf der Mann auf eine Reinigungskraft, die gerade im Kindergarten sauber machte. Die Frau floh und erlitt einen Schock.

Sollte ein Mensch direkt auf einen Einbrecher treffen, rät Müller: „Den Rückzug antreten, nicht auf Konfrontation mit ihm gehen und die Polizei verständigen“. Wenn ein Bewohner nachts verdächtige Geräusche im eigenen Haus hört, hat Müller noch einen weiteren Tipp parat: „Vom Schlafzimmer beispielsweise den Namen des Ehepartners nach unten rufen und sagen, er soll ein bisschen leiser sein.“ Auf diese Weise gebe man dem Einbrecher zu verstehen, dass er gehört wurde.

Die meisten Einbrecher seien nicht an einer Konfrontation mit den Bewohnern interessiert und verließen in so einem Fall das Haus schnellstmöglich. Dennoch sollten Bewohner sich zusätzlich verbarrikadieren und den Polizeinotruf „110“ wählen.