Memmingen

Wie sicher sind die Radwege in Memmingen? 250 Radler demonstrieren

Aufm Radl durch die Altstadt: Der Konvoi wurde vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Memmingen-Unterallgäu organisiert.

Aufm Radl durch die Altstadt: Der Konvoi wurde vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Memmingen-Unterallgäu organisiert.

Bild: Franz Kustermann

Aufm Radl durch die Altstadt: Der Konvoi wurde vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Memmingen-Unterallgäu organisiert.

Bild: Franz Kustermann

Eine Fahrraddemo in Memmingen hatte am Samstag vor allem Kinder und Senioren im Blick. Vom örtlichen ADFC kommen klare Forderungen an die Adresse der Stadt.
20.09.2020 | Stand: 11:21 Uhr

Ein knapp einstündiger Fahrradkonvoi durch die Memminger Altstadt – organisiert vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Memmingen-Unterallgäu im Rahmen eines bundesweiten Aktionswochenendes machte die Maustadt zu einer lustigen, fröhlichen vor allem aber zu einer „fahrradfreundlichen Stadt“. An der friedlichen und vor allem sehr zivilisierten Demonstration beteiligten sich rund 250 Radler, insbesondere Eltern und Großeltern mit ihren Kindern, teilweise sogar in Fahrradanhängern. Nach der gemütlichen Rundfahrt durch die für den übrigen Verkehr gesperrte Altstadt - vom Marktplatz bis zum Schrannenplatz – versammelten sich die Teilnehmer am Festplatz des ehemaligen LGS-Geländes. Hier konnten die Radler in drei Parcours mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden ihre Fähigkeiten auf den Zweirädern testen.

Fahrraddemo: ADFC fordert radikales Umdenken in der Verkehrspolitik

Für den Vorsitzenden des ADFC Memmingen, Klaus Schuster, stellt sich die Frage, ob in Memmingen achtjährige Kinder und 85-jährige Senioren bedenkenlos mit dem Fahrrad fahren können? Wenn dies in der Maustadt möglich sein sollte, dann hätte dies für ihn „Konsequenzen für die Geschwindigkeit, die Infrastruktur und die Organisation des Verkehrs“. Notwendig sei ein radikales Umdenken in der Verkehrspolitik, bei der bislang bei allen Planungen immer nur das Auto an oberster Stelle stehe. Damit sich auch Kinder und Senioren selbständig in der Stadt bewegen können, müsse sich die Priorität umkehren: „In der Verkehrspolitik und Verkehrsplanung kommt zuerst die aktive Mobilität (Fußgänger, Fahrradfahrende), dann der ÖPNV, danach Mitfahrzentrale und PKW-Verleih und erst zum Schluss der individuelle Autoverkehr“.

 

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250 Radler demonstrieren für fahrradfreundliches Memmingen

Laut Schuster fehlt es in Memmingen vor allem am Platz: „Die Fahrradwege sind oft zu schmal, zu ungeschützt und oft gibt es gar keine Fahrradwege“. Viele Eltern hätten Angst, ihre Kinder allein mit dem Fahrrad in die Schule zu schicken; fahren sie deshalb lieber mit dem Auto. Der ADFC-Vorsitzende fordert: „Die Schulwege müssen so gestaltet sein, dass Kinder zu Fuß und mit dem Fahrrad die absolute Priorität haben!“ Zur Verbesserung der Lebensqualität in der Innenstadt gehöre: „Autofrei am Weinmarkt, Sperrung der Maximilian- und Kalchstraße für PKWs“ . Ausnahmen dürfe es nur für Lieferverkehr, den Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) und Behinderte geben. Schuster sagt: „Die Stadt muss ein Verkehrssystem entwickeln, das auf die Nähe und intelligente Verbindung verschiedener Verkehrsmittel baut und in dessen Mittelpunkt das Fahrrad steht“.

Einbahnstraßenregelungen, Schlaglöcher, Fahrradstraßen

Der Fahrradfan sieht zwar „im Kleinen gute Fortschritte“: Etwa die Aufhebung der Einbahnstraßenregelung für Fahrradfahrende in der Herrenstraße, die schnelle Ausbesserung von Schlaglöchern auf Fahrradwegen in Augsburger und Buxacherstraße. Im Großen dominiere allerdings immer noch das Auto. Die Verkehrsplanung müsse deshalb „im großen Rahmen und zukunftsweisend gedacht und umgesetzt werden“. Schuster fordert daher weitere Fahrradstraßen, auch in Nord-/Südrichtung und „die Autos konsequent aus der Innenstadt rausnehmen“. Die Wege zu Schulen und Kindergärten müssen zwingend mit „klarer Priorisierung der mobilen Aktivität“ geplant und umgestaltet werden.

„Nachhaltige Mobilität“ ist für den Vorsitzenden „ein wichtiger Baustein, um die drohende Klimakatastrophe noch abzuwenden“. Die Bürger und Bürgerinnen müssten in ihrer jeweiligen Region mit vielen Aktionen und Aktivitäten verstärkt Druck auf Wirtschaft und Politik aufbauen: „Die Jugendlichen von `Fridays for future´ machen es uns vor!“