Nikolaus

Wilde Gestalten leider nur vom Fenster aus betrachten

Auch am Klausentag wird heuer wegen Corona alles anders als gewohnt (unser Bild vom vergangenen Jahr): Hausbesuche gibt es nirgends.

Auch am Klausentag wird heuer wegen Corona alles anders als gewohnt (unser Bild vom vergangenen Jahr): Hausbesuche gibt es nirgends.

Bild: Franz Kustermann (Archiv)

Auch am Klausentag wird heuer wegen Corona alles anders als gewohnt (unser Bild vom vergangenen Jahr): Hausbesuche gibt es nirgends.

Bild: Franz Kustermann (Archiv)

Wegen Corona toben Klausen heuer nur um die Häuser herum. An welchen drei Unterallgäuer Orten es Aktionen gibt.
05.12.2020 | Stand: 11:45 Uhr

Corona bringt auch das Klausen- und Nikolaustreiben durcheinander. Doch die Unterallgäuer Klausen haben einige Idee und Aktionen, damit die Kinder nicht auf ihre Geschenke verzichten müssen – und schon gar nicht auf den Heiligen Bischof.

Wohl jeder Opa oder Vater erinnert sich noch ganz genau daran, wie er einst als Kind höchst gespannt am Fenster stand, wie er gebannt und voller Erwartung auf die Straße blickte. Als am Vorabend des Klausentages der Nikolaus mit seinem wilden Gefolge an Fenster und Türen klopfte. So manchem ist dieser beeindruckende Abend sein Leben lang in Erinnerung geblieben. Als er damals dem Nikolaus alles Mögliche versprochen hat: Etwa ohne Murren sein Zimmer aufzuräumen, sorgfältig seine Hausaufgaben zu machen, sowie immer stets artig und folgsam zu sein...

Wegen der aktuell drastisch zunehmenden Corona-Pandemie haben sich die „Zeller Klausen“ nun heuer für den Vorabend des Nikolaustages, (Samstag, 5. Dezember) in mehreren Videokonferenzen überlegt, was man dieses Jahr verwirklichen könnte. Laut dem Vorsitzenden Mate Petrovic werden die Kinder wegen dem Virus trotzdem nicht auf den Nikolaus nicht ganz verzichten müssen. Allerdings läuft diesmal alles völlig anders ab: „Fast wie gewohnt“ wird der Heilige Bischof Nikolaus aus dem Zeller Wald kommend samt Mitra und Bischofsstab durch die Straßen ziehen. Mit dabei ist natürlich auch wieder der bärtige, und bestens vermummte Knecht Ruprecht mit seinen lauten Glocken, tösenden Schellen und peitschenden Ruten.

Welche Einschränkungen gelten

Dann kommt aber alles anders: „Aufgrund der aktuellen Gesetzeslage ist es uns leider nicht erlaubt, wie gewohnt mit zwanzig oder gar dreißig Klausen durch den Ort zu ziehen“, sagt Petrovic. Deshalb werden dieses Jahr in Zell mehrere voneinander unabhängige Zweiergruppen – je ein Bischof und ein Knecht Ruprecht – durch die Straßen ziehen und um die Häuser herum mit Ruten, Glocken und wildem Getöse ihr gewohnt schaurig-schönes „Nikolaus-Flair“ verbreiten.

„In jedes Haus hereinzugehen, wäre verantwortungslos – und ist zudem nicht erlaubt. Wir möchten eine Ansteckung in unseren und den Reihen unserer Bürger sicher verhindern. Das ist uns jetzt ganz wichtig“, betont Sebastian Buttler, ebenfalls Vorsitzender der Zeller Klausen. Das heißt, dass die Kinder diesmal nur vom Fenster oder Balkon aus dem Bischof Nikolaus zuwinken, ihre auswendig gelernten Gedichte vortragen oder Nikolauslieder vorsingen können. Buttler und Petrovic hoffen, dass im kommenden Jahr wieder wie gewohnt der Zeller Klauseneinzug und sämtliche Auftritte in Vereinen und Kindergärten stattfinden, die dieses Jahr – der Pandemie geschuldet – abgesagt wurden. Die Geschenke „kontaktlos einfach vor der Haustüre abzulegen“, wurde den Klausen heuer leider nicht erlaubt.

Nix Kulinarisches, aber trotzdem wildes Treiben

Auch in Hetzlinshofen ist heuer alles ganz anders: Der so beliebte Besuch mit persönlicher Bescherung vom Bischof Nikolaus samt seinem bärtigen Gefolge auf dem Klausenplatz an der Bergstraße fällt komplett aus. Verzichtet werden muss auch auf sämtliche kulinarischen Spezialitäten, etwa die heißen Würstchen, Glühwein und den legendären Klausentrunk. Stattdessen gibt es laut Johann Karrer nur ein wildes Klausentreiben ohne jegliche Kontakte. Das allerdings zwei Mal: Am Samstag 5. und Sonntag, 6. Dezember, jeweils ab 18 Uhr. Wie gewohnt spielt sich das sichtlich reduzierte Spektakel wieder hauptsächlich an der Bergstraße ab.

In Erkheim passiert am Klausentag heuer dagegen restlos nichts: Der Verein „Erkheimer Klausen“ beschränkt sich laut dem Vorsitzenden Rolf Vorraber diesmal auf die Verteilung von Adventskalender in den Kindergärten und Schulen.