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„Wir sind keine Autoposer!“: Mitglieder der Allgäuer Tuningszene distanzieren sich klar - Das sind ihre Gründe

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„Wir sind keine Autoposer“: Das Tuning-Trio (von links) Fabian Walser, Steffen Rief und Marc Hohl fühlt sich und die Tuningszene zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Bild: Tobias Schuhwerk

„Wir sind keine Autoposer“: Das Tuning-Trio (von links) Fabian Walser, Steffen Rief und Marc Hohl fühlt sich und die Tuningszene zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Bild: Tobias Schuhwerk

Drei Mitglieder der Allgäuer Tuningszene erklären ihre Leidenschaft fürs Schrauben und Optimieren. Weshalb sie sich zu Unrecht an den Pranger gestellt fühlen.
31.07.2021 | Stand: 07:20 Uhr

Für sein knallrotes „Schätzle“ tut Marc Hohl alles. Den Kosenamen verwendet der 28-jährige Unterallgäuer, wenn er über seinen getunten Sportwagen spricht – einen Audi A3 8V mit 230 PS und Sportlenkrad. Um die ständigen Aus- und Umbauten an seinem Heiligtum finanzieren zu können, streckt er sich gewaltig. Um Geld zu sparen, lebt er zum Beispiel noch im Elternhaus. Er fährt selten in den Urlaub, geht so gut wie nie auf Partys. Statt dessen macht der Maschinenführer lieber zehn Überstunden pro Monat. „Bei mir fließt jeder Euro ins Auto“, sagt er beziffert den aktuellen Wert seines leistungsoptimierten Wagens nicht ohne Stolz auf 40.000 Euro.

Zusammen mit seinen Kumpels Steffen Rief (26) und Fabian Walser (22) gehört Hohl zur Allgäuer Tuningszene, einem losen Verbund von Schraubern und Autofans, dem ihren Schätzungen zufolge in der Region etwa 2000 Männer und Frauen zugerechnet werden können. Der Anteil der Tunerinnen habe in den vergangenen fünf Jahren stark zugenommen. „Das ist längst keine Männerdomäne mehr“, sagt Hohl, dessen Freundin beispielsweise ihren BMW auf über 200 PS aufrüsten lassen will.

Die nächtlichen Szene-Treffen auf Parkplätzen und an Tankstellen sind so gesehen nicht nur eine Auto-, sondern auch eine Kontaktbörse. „Das ist so ähnlich wie bei einer Party: ein einziges Kommen und Gehen, manchmal bis in die Morgenstunden. Im Unterschied zu Feier oder Disco fließt aber kein Alkohol. Seinen Führerschein riskiert bei uns niemand. Sonst können wir ja unsere Autos nicht mehr ausfahren“, erzählt Rief.

Tuner Marc Hohl am Sportlenkrad seines Audis.
Tuner Marc Hohl am Sportlenkrad seines Audis.
Bild: Tobias Schuhwerk

Zuletzt geriet die „Poser- und Tuningszene“, wie die Polizei in ihren Berichten meist schreibt, dennoch ins Visier der Ordnungshüter. Seit sechs Wochen gibt es eine eigene Kontrollgruppe, die im Allgäu Jagd auf illegal getrimmte Autos, knallende Auspuffe und vorwiegend junge Raser macht.

(Lesen Sie auch: "Manchmal kann man's kaum glauben" - Was die Polizei bei Kontrollen in der Poser- und Tuningszene erlebt)

Das Trio aus dem Unterallgäu fühlt sich und die Tuningszene dadurch zu Unrecht an den Pranger gestellt. „Wir tun niemand etwas böses. Unsere Leidenschaft sind unsere Auto, an denen wir stundenlang schrauben und feilen und über die wir uns nächtelang unterhalten können“, sagen sie. Themen wie Klimawandel oder Ökobilanz spielen dabei freilich keine Rolle.

Verhasst sind ihnen dagegen die Autoposer. Darunter verstehen sie überspitzt gesagt, junge Angeber ohne technisches Verständnis, die von Mama und Papa einen Lamborghini zum Abitur geschenkt bekommen. Oder die sich für eine Protz-Tour einen Porsche oder Bugatti übers Wochenende leihen - und es auf den Straßen rücksichtslos krachen lassen.

(Lesen Sie auch: Nach Poser-Party in Kaufbeuren: Wie gefährlich ist die Szene?)

„Mit denen haben wir nichts zu tun. Absolut daneben, was die abziehen. Da sind wir auch in jedem Fall dafür, dass die Polizei einschreitet“, sagt Hohl, der seit zehn Jahren einen Führerschein besitzt und in dieser Zeit eigenen Angaben zufolge nur einmal mit einer Tempoüberschreitung von 15 Kilometern pro Stunde geblitzt wurde.

„Wenn wir aufs Gaspedal drücken, dann nur auf einer freien Autobahn oder auf einer offiziellen Rennstrecke“, erklärt er. Sein Kumpel Fabian ergänzt: „Durch die Innenstadt zu rasen, macht für uns überhaupt keinen Sinn. Wir wollen ja, dass die Leute sich in Ruhe unsere schicken Autos ansehen. Dafür investieren wir schließlich jede Menge Zeit und Geld.“

Angefangen hat die Autobegeisterung bei allen Dreien im Schulalter: „Wir gehörten zu denen, die immer Autoquartett gespielt haben. Heute machen wir das im Prinzip immer noch. Nur nicht mit Karten, sondern mit echten Autos.“

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