Memmingen

Wo einmal im Monat Fischertag ist

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Bild: beckmann

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Serie (11) Beim Bezirksfischereiverein geht es um weit mehr als nur: „Wer hat den dicksten Fisch an der Angel?“
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Von Dunja Schütterle
18.09.2019 | Stand: 15:30 Uhr

Fußball ist die Sportart Nummer eins

in Deutschland. Um ihn soll es in unsererSerie ausdrücklich nicht gehen. Nein: Wir wollen sogenannte Randsportarten genauer beleuchten und dabei vor allem die Nachwuchsarbeit. Wir wollen Kinder und Jugendliche porträtieren, die sich für eine Sportart entschieden haben, die eben nicht jeder ausübt. Und wir wollen über diejenigen schreiben, die sich als Trainer und Betreuer engagieren. Der elfte Teil der Serie dreht sich um den Bezirksfischereiverein Memmingen.

Ein „Petri Heil“ statt des dreifachen „Höh“: Bei den Jungfischern des Bezirksfischereivereins Memmingen ist einmal im Monat Fischertag. „Neben unseren monatlichen Gruppentreffen im Vereinsheim in Steinheim, gehen wir in der Angelsaison von April bis Dezember noch zusätzlich an die Gewässer des Vereins zum Fischen“, erklärt der Jugendwart des Vereins, Sebastian Schäffeler.

An diesem Tag steht das Angeln an der Iller mit späterem Grillen auf dem Programm der Jungfischer. Ob dazu die gefangenen Fische verspeist werden, wird sich noch zeigen. Der Treffpunkt an diesem Samstagvormittag ist um neun Uhr früh beim „Bruckwirt“ an der Illerbrücke, welche die Grenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg markiert.

„Da die Eltern die Jugendlichen mit dem Auto bringen, treffen wir uns meistens an bekannten Orten, um dann gemeinsam an die Angelstelle zu fahren“, erklärt Schäffeler. Die wiederum liegt nur wenige Kilometer vom Wehr in Ferthofen entfernt, direkt am Wasser. „Mit dem leichten Nieselregen ist das Wetter optimal“, erklärt der 15-jährige Jungfischer Gabriel Melderis und packt nebenbei seine Angelrute, den Fischerkasten mit dem kleinteiligen Zubehör und einen Klappstuhl aus dem Auto aus.

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In einer runden Plastikbox, die er neben sich auf die feuchte Wiese legt, bewegt sich etwas zwischen den Sägespänen. „Das sind Maden, die lieben die Fische“, erklärt er. Auch der 13-jährige Luis Gebhart und der 17-jährige Jonas Pietsch richten sich am Ufer der Iller „häuslich“ ein. Doch bevor die Drei ihre Angelruten überhaupt ins Wasser halten, kontrolliert der Jugendwart den Jugendfischerei-Schein. Der muss mit dabei sein, denn ohne gültige Erlaubnis darf niemand angeln; egal, ob mit oder ohne Fang.

In Bayern dürfen Kinder ab dem zehnten Lebensjahr überhaupt nur im Beisein eines erwachsenen Fischers angeln, der wiederum selbst einen gültigen Fischereiausweis und die Erlaubnis für das Gewässer haben muss.

Gabriel hat die staatliche Fischerprüfung bereits abgelegt. „Zum Fischen gehört weitaus mehr, als nur den dicksten Fisch an der Angel zu haben“, wirft Schäffeler ein. Deswegen werden die Angler auch in Fisch- und Gewässerkunde, in der Pflege und im artgerechten Umgang mit Lebewesen, in Gerätekunde, Fangtechniken und in Gesetzeskunde geschult. „Mit kleinen Wettbewerben, wie am Schwäbischen Jugendfischereitag, wird das Wissen der Jungfischer beispielsweise in der Knoten- und Artenkunde spielerisch abgefragt“, erläutert Schäffeler. Jonas hat die Fischerprüfung bislang noch nicht abgelegt. „Neben der Schule habe ich noch keine Zeit gefunden, die Prüfung zu machen“, sagt er. Sobald er aber volljährig ist und als Erwachsener gilt, wird die staatliche Fischereiprüfung Pflicht. Wer diese dann besteht, hat den Schein auf Lebenszeit. Das Angeln in verschiedenen Gewässern braucht unterschiedliche Vorgehensweisen. An Fließgewässern angeln die Jungfischer ohne Pose, die im stehenden Gewässer einen Biss anzeigt. Die Jungs praktizieren an der Iller das Feederangeln. Dazu wird ein Futterkorb an der Schnur der sensiblen Rute befestigt, die mit Fertigfutter gefüllt ist. Gabriel verfeinert dieses noch mit Maiskörnern und kippt auch seine Maden dazu. Unter dem Korb, der dann nach dem Auswurf der Rute aufgrund des Gewichts auf den Grund der Iller sinkt, hängt ein kleiner Haken mit einer weiteren Leckerei, die Friedfische zum Beißen locken will.

Jetzt beginnt der spannende Teil des Angelns, nämlich das Warten und das genaue Beobachten der Angelspitze. „Man sollte seine Rute deshalb nie aus den Augen lassen“, weiß Schäffeler, der selbst als Jungfischer angefangen hat. „Die Anglerei ist auch ein sehr soziales Hobby, das Freundschaften stiftet“, erzählt er weiter.

Das Miteinander und das Erlebnis in der Natur steht in der Jugendarbeit des Vereins zwar im Vordergrund, doch auch außerhalb des Sports trifft man sich ab und zu, wie zu einem Besuch des Jahrmarkts, zum Fischräuchern, zum Gokart-Fahren, aber auch, um die Ufer der Vereinsgewässer vom Müll zu reinigen. Fünfzig Jungfischer von zehn bis 18 Jahren sind im Verein aktiv, darunter auch Mädchen, die ebenfalls gerne einen großen Fisch an Land ziehen möchten. Beim Brutboxen-Projekt mit jungen Bachforellen kümmert sich die Jugend um den zukünftigen Fischnachwuchs.

An diesem Tag haben Gabriel, Luis und Jonas keinen Fisch gefangen. Trotzdem hat ihnen der Tag am Wasser unter freiem Himmel Spaß gemacht. Und wer weiß, wem beim nächsten Angeltermin ein kapitales Exemplar ins Netz oder besser an den Haken geht, denn eine Portion Glück gehört einfach mit dazu. „Petri Heil!“