Architektur

Wohnbauprojekt stößt in Memmingen auf Kritik

Madlenerstraße

In diese Baulücke zwischen der Madlenerstraße (hinten) und dem Schumacherring (vorne) in Memmingen möchte ein Investor ein Mehrfamilienhaus mit 26 Wohnungen bauen. Die entsprechenden Pläne wurden jetzt im Gestaltungsbeirat der Stadt vorgestellt. Dabei sparten die Experten nicht mit Kritik.

Bild: Uwe Hirt

In diese Baulücke zwischen der Madlenerstraße (hinten) und dem Schumacherring (vorne) in Memmingen möchte ein Investor ein Mehrfamilienhaus mit 26 Wohnungen bauen. Die entsprechenden Pläne wurden jetzt im Gestaltungsbeirat der Stadt vorgestellt. Dabei sparten die Experten nicht mit Kritik.

Bild: Uwe Hirt

Gestaltungsbeiräte zerpflücken Pläne für ein Gebäude mit 26 Wohnungen an der Ecke Schumacherring/Madlenerstraße. „Aus städtebaulicher Sicht nicht sinnvoll.“
09.03.2021 | Stand: 11:12 Uhr

Auf wenig Gegenliebe bei den Mitgliedern des Memminger Gestaltungsbeirats sind die Pläne für ein großes Mehrfamilienhaus gestoßen. Ein Investor möchte an der Ecke Schumacherring/Madlenerstraße ein Gebäude mit vier Etagen und insgesamt 26 Wohnungen errichten. Laut dem Beiratsvorsitzenden Werner Binotto sollte der Bauherr die vorgelegten Pläne „grundsätzlich überdenken“. Denn das Gebäude sei – so wie bisher geplant – „aus städtebaulicher Sicht nicht sinnvoll“.

Zuvor hatte Architekt Peter Baur von NMJJ-Projektentwicklung in Bad Wörishofen die Pläne bei der Beiratssitzung im Memminger Rathaus vorgestellt. Demnach wollte der Vorbesitzer des 1450 Quadratmeter großen Grundstücks ein mehrgeschossiges Haus mit elf Wohnungen sowie ein am Schumacherring separat stehendes Boardinghaus mit 16 Betten bauen. Die entsprechende Baugenehmigung sei bereits 2019 erteilt worden.

50 bis 70 Quadratmeter große Wohnungen

Der neue Investor sieht nun aber eine andere Bebauung des Geländes vor. Laut Baur sollen kleine bis mittelgroße Wohnungen zwischen 50 und 70 Quadratmeter entstehen, die laut dem Bauherrn nicht verkauft, sondern vermietet werden sollen. Ferner sind eine Tiefgarage mit 30 Stellplätzen sowie acht ebenerdige Parkplätze in der Madlenerstraße vorgesehen. Wie der Architekt weiter ausführte, soll das Wohngebäude so in der Baulücke platziert werden, dass die Terrassen und Balkone sowohl nach Süden zur Madlenerstraße hin ausgerichtet sind als auch nach Norden hin zur angrenzenden Bebauung (siehe Grafik). Durch die Anordnung des Treppenhauses und des Aufzugs im Norden des Gebäudes soll eine Abschottung zum Schumacherring erreicht werden.

Architektin bemängelt fehlenden Lärmschutz

Hier hakte Beiratsmitglied Katja Aufermann ein. In den Augen der Münchner Landschaftsarchitektin ist dies kein ausreichender Lärmschutz. „Vielmehr wurde das Gebäude sogar so platziert, dass die Wohnungen auf beiden Seiten mit dem Verkehrslärm vom Schumacherring her beschallt werden.“ Das sei nicht gut gelöst. So sah es auch ihre Beiratskollegin Marina Hämmerle: „Der Baukörper steht angesichts des Straßenlärms nicht richtig.“ Laut der Architektin aus dem österreichischen Lustenau würde man eine bessere Wohnqualität erreichen, wenn die Balkone und Terrassen nur zur Madlenerstraße zeigen würden. Da sei der alte Entwurf mit dem Boardinghaus der bessere Ansatz gewesen. Darüber hinaus kritisierte Aufermann, dass das Gebäude gemäß den aktuellen Plänen zur Madlenerstraße hin viergeschossig sei. Besser wäre es, das Dachgeschoss wie auf der anderen Seite etwas nach hinten zu versetzen. „Dann hätten alle Wohnungen auch etwas mehr Dachterrasse.“ Nicht optimal sei auch die relativ lange Zufahrt in die Tiefgarage. „Da wird viel Fläche versiegelt“, sagte die Landschaftsarchitektin: „Hier könnte man mit einer steileren Einfahrt schneller abtauchen.“ Das würde auch die Wohnqualität im Erdgeschoss erhöhen.

Abschließend stellte Beiratsvorsitzender Werner Binotto fest, dass das Grundstück durch das geplante Gebäude mit seinen insgesamt 26 Wohnungen „massiv übernutzt“ wäre. Der Schweizer Architekt regte an, die Planung eingehend zu überdenken und bei der nächsten Sitzung des Gestaltungsbeirats vorzustellen. Das Gremium tritt wieder am 11. Mai zusammen.

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