Wasserversorgung

Wolfertschwenden will wieder eigenes Trinkwasser nutzen

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Die Gemeinde Wolfertschwenden will ihre Weissenbrunnen-Quellen grundlegend neu fassen lassen. Der Hochbehälter soll vor einer Sanierung auf die Wirtschaftlichkeit hin überprüft werden.

Bild: Franz Kustermann

Die Gemeinde Wolfertschwenden will ihre Weissenbrunnen-Quellen grundlegend neu fassen lassen. Der Hochbehälter soll vor einer Sanierung auf die Wirtschaftlichkeit hin überprüft werden.

Bild: Franz Kustermann

Wasser aus der Weissenbrunnen-Quelle soll wieder die Leitungen speisen. Warum die Gemeinde sich damit einiges vornimmt.
27.11.2020 | Stand: 07:54 Uhr

Hellbraune Nylonstrümpfe sind über die Entlüftungsrohre der zwei Quellsammelschächte der Weissenbrunnen-Quellen in Wolfertschwenden gestülpt. Die engmaschigen Beinkleider sollen verhindern, dass Insekten oder andere Kleintiere ins Trinkwasser gelangen. Farnkraut und Pilze wachsen zwischen den Wurzelstöcken in dem hügeligen, eingezäunten Quell-Fassungsbereich. Wie Bürgermeisterin Beate Ullrich auf Anfrage mitteilt, soll aufgrund der „großen Wasserproblematik“ die „in die Jahre gekommene Wasserversorgung“ in der Gemeinde nun grundlegend saniert werden.

Keime festgestellt: Im August musste Trinkwasser abgekocht werden

Am 5. und am 10. August waren in der gemeindlichen Weissenbrunnen-Quelle einige Coliforme Keime festgestellt worden. Laut Ullrich habe das Gesundheitsamt geraten, für das Trinkwasser eine Abkochempfehlung auszusprechen. Nachdem später das gesamte Trinkwasser über den Notverbund in Thal von Bad Grönenbach bezogen wurde, konnte diese am 28. August aufgehoben werden.

Bei einer Begehung mit den Bayerischen Staatsforsten als Eigentümer des Waldgebietes der Quellfassung habe man sich entschlossen, den Einzugsbereich eventuell auszuweiten und zu prüfen, ob mehr Wasser gewonnen werden kann, sagte die Gemeindechefin. Das Gelände müsse modelliert und Wurzelwerk gegebenenfalls entfernt werden. Die Quellfassung müsse „vielleicht auch ein bisschen verlagert“ werden. Probebohrungen sollen zeigen, wo sich die besten wasserführenden Schichten befinden.

Wolfertschwenden: Hochbehälter ist in die Jahre gekommen

Derzeit laufen die Voruntersuchungen. Ullrich erwartet sich davon eine Aussage darüber, ob durch eine Aufweitung zusätzliches Wasser gewonnen werden könne. Die Quellen sollen generell neu gefasst und gegen eindringendes Oberflächenwasser abgedichtet werden. Beim „in die Jahre gekommenen“ Hochbehälter wäre laut der Bürgermeisterin zunächst zu prüfen, ob eine Sanierung wirtschaftlich sei.

Nach Rücksprache mit dem Wasserwirtschaftsamt Kempten werde es für die Quell-Sanierung jedoch keine Zuschüsse geben. Eine Erneuerung der Falken-Quelle, die auf der gegenüberliegenden Anhöhe liegt, ist aus ihrer Sicht nicht erforderlich. Sobald das Ergebnis der Voruntersuchung feststehe, will Ullrich den Gemeinderat informieren. „Dann muss man sich im Gremium Gedanken über die Vorgehensweise machen.“

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Aktuell existiere ein Vertrag zur Trinkwasserversorgung zwischen dem Markt Bad Grönenbach, der Gemeinde Wolfertschwenden und der Woringer Gruppe: Derzeit werde das gesamte Trinkwasser aus Bad Grönenbach ganztägig in das Netz des Hauptortes Wolfertschwenden – ohne Nutzung des Hochbehälters Weissenbrunnen – eingespeist. Dennoch bleibe dieser für einen möglichen Brandfall ausreichend gefüllt. Die mit Bad Grönenbach vereinbarten Konditionen will die Bürgermeisterin nicht öffentlich bekannt geben. Die Ortsteile Niederdorf, Dietratried, Klessen und Bossarts hingegen werden bereits seit den 60er Jahren generell über die Woringer Gruppe vom Hochbehälter Bossarts aus versorgt.

Proben zeigen: Wasserqualität ist einwandfrei

Allein der tägliche Wasserverbrauch im Hauptort Wolfertschwenden liegt laut Wasserwart Franz Sinner bei rund 380 Kubikmetern. Die letzten Wasserproben an den Quellfassungen Weissenbrunnen wurden am 9. und 13. November entnommen. Laut Ullrich waren beide einwandfrei: „Wir stehen hier mit dem Gesundheitsamt in Kontakt, um baldmöglichst wieder das eigene Wasser aus den Quellfassungen beziehen zu können.“

So sei es der ausdrückliche Wunsch des Gemeinderates, die eigenen Quellen unbedingt zu erhalten. Parallel dazu müsse auch das Leitungsnetz bezüglich des größten Sanierungsbedarfes betrachtet und auf Vordermann gebracht werden.