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Zeugenbefragung im Memminger Kokain-Prozess: Nur Prahlerei?

Betäubungsmittelhandel in nicht geringer Menge wird den beiden Angeklagten vorgeworfen

Betäubungsmittelhandel in nicht geringer Menge wird den beiden Angeklagten vorgeworfen

Bild: David Ebener, dpa

Betäubungsmittelhandel in nicht geringer Menge wird den beiden Angeklagten vorgeworfen

Bild: David Ebener, dpa

Am Landgericht Memmingen lief der dritte Verhandlungstag im Kokain-Prozess. Viele Zeugen waren geladen. Eine davon machte Gebrauch von ihrem Verweigerungsrecht.
27.09.2021 | Stand: 08:21 Uhr

Memmingen „Darüber habe ich keine Kenntnis.“ Diese Aussage hörte man bei der Zeugenbefragung im Memminger Kokain-Prozess häufiger.

Im Landgericht Memmingen sind zwei Männer, einer davon aus Memmingen, wegen des Handels mit Betäubungsmitteln angeklagt. Sie sollen geplant haben, im großen Stil in den Betäubungsmittelhandel einzusteigen und Kontakte zur kolumbianischen Drogenmafia zu knüpfen. Für den Kauf von 120 Kilogramm Kokain sollen die beiden 500 000 Euro bezahlt haben. Doch die Drogen hätten sie nie erhalten. Ein weiterer Mann ist wegen Unterstützung von Drogenhandel angeklagt.

Mehrere Zeugen wurden an diesem Prozesstag befragt

Nun wurden Zeugen zum Fall befragt. Das waren der ermittelnde Staatsanwalt, eine Sachverständige, die die Ermittlungen begleitet hat, und ein Kriminalkommissar.

Doch die Verteidiger der beiden 27-jährigen Angeklagten zeigten sich gegenüber der Zeugenbefragung durch den Vorsitzenden Richter Hörmann skeptisch. Als der ermittelnde Staatsanwalt im Zeugenstand saß, hakte Verteidiger Alexander Kühne ein: Der Staatsanwalt hatte von einer „Interpretation der Ermittlungen“ gesprochen.

Viele Fragen sind noch offen

„Zeugen sollen aber nicht interpretieren, sondern nur Tatsachen nennen“, sagte Kühne. Auf viele Fragen aus der Verteidigung konnten die Zeugen keine Antwort liefern. Beispielsweise hätten die Observierungen durch die Polizei zwar Treffen zwischen den Angeklagten und anderen im Drogenmilieu tätigen Personen bewiesen. Man habe aber bei den Zusammenkünften keine illegalen Aktivitäten feststellen können, sagte die Sachverständige. Auch habe keiner der eingesetzten verdeckten Ermittler die nun Angeklagten persönlich getroffen. Und wie und ob die 500 000 Euro nach Kolumbien geliefert wurden, konnte keiner der Zeugen beantworten.

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Bei den Wohnungsdurchsuchungen der 27-Jährigen wurden laut den Zeugen keine Betäubungsmittel gefunden. Nur in einem Schuppen fand die Polizei sechs Kilogramm Marihuana. Auf der Tüte befanden sich die Fingerabdrücke von dem Angeklagten aus Memmingen. Aber: Ein anderer Mann, der nicht in diesen Prozess involviert ist, hätte laut der Sachverständigen bereits gestanden, dass das Cannabis ihm gehöre.

Die Verlobte von einem der Angeklagten nutzt das Zeugnisverweigerungsrecht

Die Verlobte eines der Angeklagten machte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Sie hatte das überwachte Telefon ihres Verlobten oft für Privatgespräche genutzt. Deswegen spricht sich der Verteidiger eines Angeklagten dafür aus, dass Telefonate von ihr nicht in den Prozess einfließen dürfen. Das sei sonst ein zu großer Eingriff in ihre Privatsphäre und verstoße gegen ihren Wunsch, die Aussage zu verweigern – selbst wenn sich aus ihren Telefonaten Hinweise auf den Prozess ergeben.

Das wäre insofern ein großer Einschnitt im Prozess, da Gesprächsmitschnitte der Verlobten die Anklage der Staatsanwaltschaft stützen. Die Angeklagten sprachen am Telefon unter anderem von Geldmangel und Druck von außen. Der Memminger bestreitet, dass das etwas mit der Drogenmafia zu tun habe. Laut seiner Aussage gründet sich der Geldmangel darauf, dass der andere Angeklagte ihm Geld für ein Fahrzeug gegeben habe. Das hätte der 27-Jährige angeblich im Casino verspielt.

„Es sei immer nur Geschwätz gewesen, nur Prahlerei“, sagt Verteidiger Manfred Zipper über seinen Mandanten. Klar ist aber, dass einer der Angeklagten 2019 nach Kolumbien geflogen ist. Und dass beide in Geldnot waren. In der kommenden, nicht-öffentlichen Sitzung werden die verdeckten Ermittler befragt.

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