Erkheim

Zu Besuch bei tierischen Therapeuten

EH NaTiRa - Tiergestützte Therapie

Nehmen das amerikanische Miniaturpferd in ihre Mitte: Nathalie Rampp, die als Inhaberin von „NaTiRa“ in Erkheim auf tiergestützte Therapie und Pädagogik setzt, mit Romi und Teammitglied Tanja Schulte (rechts), die ihr auch bei den verschiedenen Aktivitäten hilft.

Bild: Dunja Schütterle

Nehmen das amerikanische Miniaturpferd in ihre Mitte: Nathalie Rampp, die als Inhaberin von „NaTiRa“ in Erkheim auf tiergestützte Therapie und Pädagogik setzt, mit Romi und Teammitglied Tanja Schulte (rechts), die ihr auch bei den verschiedenen Aktivitäten hilft.

Bild: Dunja Schütterle

Nathalie Rampp und ihre besonderen Kollegen widmen sich in Erkheim Kindern mit Förderbedarf, Demenzkranken und Menschen mit Einschränkungen.
21.07.2020 | Stand: 11:57 Uhr

Das weiß-braun gescheckte Pferd namens „Senni“ liegt in der Sonne – und genießt erkennbar die Streicheleinheiten, die sie von der kleinen Romi und deren Mama Tanja bekommt. Die eineinhalbjährige Romi und das amerikanische Miniaturpferd begegnen sich auf der Anlage von Nathalie Rampp gerade im wahrsten Sinne des Wortes auf Augenhöhe. „Der Leitspruch unserer tiergestützten Therapie und Pädagogik ist: Natur und Tier – ein starkes Wir“, sagt Nathalie Rampp. Sie ist studierte Erziehungswissenschaftlerin sowie Fachkraft für tiergestützte Therapie, Pädagogik und Aktivitäten und hat sich gleich mehrere tierische Kollegen an die Seite geholt. „Bei uns geht es in erster Linie um das gemeinsame Erleben im Hier und Jetzt“, erklärt sie.

Diese unmittelbare Erfahrung steht auf der „kleinen Farm“ mit Hasen, Ziegen, Hühnern und drei Miniatur-Pferden am Ortsrand von Erkheim im Vordergrund. „Tiergestützte Interventionen sind aber nicht nur für Kinder und Jugendliche da, die eine individuelle Förderung brauchen“, erklärt Rampp: Auch Erwachsene mit hohem Stresslevel, an Demenz erkrankte Senioren oder Menschen mit einer Einschränkung können ihren Worten nach von der Begegnung mit Tieren profitieren. Denn sie könnten helfen, Gefühle neu zu erleben, Vertrauen und Bindungen aufzubauen, Stress zu reduzieren und sich ganz auf den Moment zu fokussieren. Rampps Ansatz ist ein Beispiel für die verschiedenen Therapieformen und -angebote in der Region, die auf diese Erkenntnis aufbauen. „Tiere begegnen uns unvoreingenommen, offen und ehrlich. Sie beurteilen und bewerten nicht“, weiß Rampp aus ihrer Erfahrung. Auch die Wissenschaft kenne die positiven Effekte im Umgang mit Tieren, führt sie weiter aus und nennt dabei vier Kategorien: den physiologischen, psychischen, mentalen und den sozio-emotionalen Wirkungsbereich. „Kinder, die sich schlecht konzentrieren können, zeigen zum Beispiel beim Füttern der Tiere neue Ausdauer“, macht Rampp deutlich.

Ihre tierischen Co-Therapeuten sind sehr menschenbezogen. „Die Tiere wurden trainiert und haben bisher nur positive Erfahrungen mit Menschen erlebt“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin, die Kenntnisse zur Sprache der Tiere wie auch zum Umgang mit ihnen vermittelt. „Wenn sich das Pferd beispielsweise umdreht und geht, dann will es nicht mehr gestreichelt werden – was man akzeptieren muss.“

Wanderungen mit Ziegen

Jedes der Tiere hat eine seiner Art entsprechende Verhaltensweise und braucht individuelle Pflege, die den Kindern spielerisch beigebracht wird. „Dazu bieten wir spezielle tiergestützte Aktivitäten wie zum Beispiel Ziegenwanderungen an“, sagt die Inhaberin von „NaTiRa“. Für Erlebnisnachmittage oder Kindergeburtstage hat Rampp ebenfalls viele Ideen. Bei der Umsetzung hilft Tanja Schulte, die selbst Mutter von zwei Mädchen ist. Die ausgebildete Krankenschwester ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und will das positive Gefühl des Zusammenlebens mit Tieren weitergeben. Neben tiergestützter Therapie und pädagogischen Freizeitangeboten für Kleingruppen bieten Rampp und ihr Team ein Programm in den Sommerferien für Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren sowie Gruppentraining für Förderschulen und heilpädagogische Tagesstätten an, bei denen soziale Kompetenzen im Zentrum stehen.

In der Zwischenzeit hat Mini-Pferd „Senni“ genug vom Sonnenbaden und steht wieder mit vier Hufen fest auf dem Boden. Romi erlebt eine Überraschung: Denn das zunächst so kleine Pferd, dem sie über den Kopf gestreichelt hat, ist für sie im Stehen immer noch ein „Riese“.

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