Tag der Mädchen 2020

Mission Gleichberechtigung geschafft? Allgäuer Aktivistin zieht zum Tag der Mädchen 2020 Bilanz

Die Allgäuerin Sarah Haneberg blickt am Tag der Mädchen 2020 auf die Position junger Frauen im Allgäu.

Die Allgäuerin Sarah Haneberg blickt am Tag der Mädchen 2020 auf die Position junger Frauen im Allgäu.

Bild: Tobias Schuhwerk (Archiv)

Die Allgäuerin Sarah Haneberg blickt am Tag der Mädchen 2020 auf die Position junger Frauen im Allgäu.

Bild: Tobias Schuhwerk (Archiv)

"Noch eine Schippe Selbstbewusstsein" würde vielen Allgäuerinnen laut Sarah Haneberg nicht schaden. Wie sie die Lage von Mädchen und Frauen einschätzt.
11.10.2020 | Stand: 17:29 Uhr

Die Allgäuer Nachwuchspolitikerin und Aktivistin Sarah Haneberg, 27, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin von Entwicklungsminister Gerd Müller und seit März 2019 Vorsitzende der CSU Immenstadt. Zudem hat sie den Verein „Lebenslang“ gegründet, welcher sich gegen sexuelle Gewalt gegenüber Jungen und Mädchen engagiert. Damit möchte sie das Thema sexuellen Missbrauch "auf den Tisch und aus der Tabu-Ecke" bringen.

Etwa jedes fünfte Mädchen und jeder siebte Junge erfahren laut Haneberg sexualisierte Gewalt. Schwerpunktmäßig ist sie an Schulen unterwegs und spricht mit Schülern der Klassen acht bis zwölf über das Thema „sexuelle Übergriffe“.

Braucht es denn im Jahr 2020 noch einen Tag der Mädchen?

Haneberg: Ich finde ihn gut, hoffe aber gleichzeitig, dass es ihn eines Tages nicht mehr braucht. Noch ist er nötig, denn aus meiner Sicht sind Männer und Frauen noch nicht überall gleichberechtigt - aber auf einem guten Weg dahin.

Wo hapert es bei der Gleichberechtigung?

Haneberg: Wir haben in Deutschland noch viel zu tun. Wir trauen zum Beispiel Führungspositionen immer noch eher Männern als Frauen zu. Auch handwerkliche Berufe wie Maler oder Zimmerer sind immer noch eine männliche Domäne.

Da finde ich Aktionen wie den Girl’s Day gut. Wir waren damals zum Beispiel bei der Bundeswehr, und viele Mädels unter uns haben dadurch erst angefangen zu überlegen, ob das vielleicht auch was für uns sein könnte.

Die Schwedin Greta Thunberg (17), vom Times Magazine vergangenes Jahr zur Person des Jahres gewählt, nimmt die führende Figur in der weltweiten Fridays-for-Future-Bewegung ein.
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Bild: picture alliance/Virginia Mayo/AP/dpa

Wo müssen Mädchen und Frauen noch mehr aktiv werden?

Haneberg: Wir Frauen müssen uns mehr zutrauen und uns nicht so leicht unterkriegen lassen. Wir stehen uns im Beruf auch manchmal selbst im Weg – da lassen wir MitbewerberInnen eher den Vortritt anstatt zu sagen: 'Nein, ich bin genau die richtige für den Posten!' Da können wir noch eine Schippe Selbstbewusstsein draufheben.

Die US-amerikanische Schülerin Emma Gonzalez (20), Überlebende des Amoklaufs von Parkland 2018, setzt sich seit dem Vorfall für ein strengeres Waffengesetz in den USA ein.
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Bild: picture alliance / Mike Stocker/Sun Sentinel/dpa

Welche Form von Übergriffen oder sexualisierter Gewalt erfahren Mädchen, die Jungen eher selten erfahren?

Haneberg: Bei Partys kommt es leider oft noch vor, dass dir jemand auf den Hintern haut oder einfach so anfasst. Das passiert bei Mädchen immer wieder, bei Jungs kaum. Sexuelle Gewalt trifft aber Jungen genauso wie Mädchen.

Hören Sie bei Ihren Projekten zu sexualisierter Gewalt an Schulen manchmal von Ansichten gegenüber Mädchen, welche Sie nicht ok finden?

Haneberg: Ich höre zu Übergriffen manchmal Stammtisch-Parolen wie 'Ja die hatte aber einen kurzen Rock an, deshalb hat sie provoziert und ist mit schuld.' Das ist absoluter Quatsch.

Die Pakistanerin Malala Yousafzai (23) macht sich seit ihrem elften Lebensjahr für das Recht von Mädchen auf Bildung stark.
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Bild: Andrew Gombert, picture alliance / dpa

Als Ortsvorsitzende in der Partei, deren ehemaliger Vorsitzender Horst Seehofer und möglicher Kanzlerkandidat Friedrich Merz einst im Bundestag dafür stimmten, dass Vergewaltigung in der Ehe legal bleibt – wie lebt es sich als Frau in der CSU?

Haneberg: Es gibt zwar manche, die die CSU mit männlichen Anzugsträgern über 50 verbinden, doch diese Zeit ist vorbei. Tatsächlich benachteiligt, weil ich eine Frau bin, werde ich nicht.