Ski alpin

Mit großen Sprüngen in die Top Ten - Lena Mayer aus Fischen bei Freestyle-WM

Lena Mayer aus Fischen bestreitet ihre erste Freestyle-Weltmeisterschaft in Kasachstan.

Lena Mayer aus Fischen bestreitet ihre erste Freestyle-Weltmeisterschaft in Kasachstan.

Bild: Olli Leino

Lena Mayer aus Fischen bestreitet ihre erste Freestyle-Weltmeisterschaft in Kasachstan.

Bild: Olli Leino

Lena Mayer aus Fischen ist einzige Allgäuerin im deutschen Aufgebot für die Freestyle-WM in Kasachstan. Warum die Voraussetzungen für den Sport schwierig sind.
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Von Dieter Haug
06.03.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Oberstdorf, Cortina d’Ampezzo, Idre Fjäll, Pokljuka, Lahti, Vuokatti, Planica – klangvolle Namen, die eines gemeinsam haben: Alle waren Austragungsorte von Weltmeisterschaften in diesem Winter. Jetzt kommt Almaty in Kasachstan hinzu. Hier tragen ab kommendem Montag die alpinen Ski-Freestyler in den Disziplinen Moguls (Buckelpiste) und Aerials (Figuren springen auf der Schanze) ihre Titelkämpfe aus. Die Slopestyle-, Halfpipe- und Big-Air-Wettbewerbe sollen – auch im Snowboard – vom 10. bis 16. März in Aspen (USA) über die Bühne gehen.

Keine deutsche Männermannschaft bei der WM

Das Allgäu wird in Almaty durch Lena Mayer (22) aus Fischen in der Buckelpiste vertreten. Zusammen mit den Geschwistern Sophie (22) und Hanna Weese (20), die in Wiesloch beheimatet sind, ist Mayer einzige WM-Teilnehmerin des Deutschen Skiverbands (DSV), während die Männer komplett durch Abwesenheit glänzen.

Für Lena Mayer ist es die erste Weltmeisterschaft in ihrer Karriere. Begonnen hat alles vor zehn Jahren. Als Zwölfjährige war sie Zuschauerin bei einem Buckelpistenwettbewerb am Oberjoch. Als sie Werner Weber (Tiefenbach), Freestyle-Referent im Allgäuer Skiverband (ASV) zufällig ansprach und zum Training einlud, war das die Initialzündung, die nun in der WM-Teilnahme einen vorläufigen Höhepunkt erfährt.

Nach dem Laufbahnende von Katharina Förster, Grischa Weber und Christoph Stark setzt Mayer die Allgäuer Tradition in dieser Sportart fort. Starts bei lokalen Veranstaltungen sowie bei Deutschlandpokal, Fis- und Europacup-Rennen führten sie in der vergangenen Saison zu Weltcups nach Russland, China, Finnland und Japan. Und nun steht die WM an.

Weltmeisterschaft vor leeren Rängen

Dass diese vor leeren Rängen stattfinden muss, trübt die Stimmung zwar etwas, ist aber inzwischen nicht mehr ungewöhnlich. Starten wird Lena im Einzel und Dual. „Wir müssen dabei eine künstlich angelegte Buckelpiste durchfahren, in der zwei Sprünge vorgeschrieben sind. Punkte gibt es für Geschwindigkeit, gefahrene Technik und für die Ausführung der Sprünge. Im Parallel-Wettbewerb (englisch Dual Moguls) durchfahren zwei Sportler die Buckelpiste im Kopf-an-Kopf-Rennen gegeneinander“, erläutert die Fischingerin, die sich bei den jüngsten Europacups in starker Form präsentierte.

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„Sie hat aber noch Luft nach oben und fährt mit angezogener Handbremse. Unsere Aufgabe wird es sein, diese zu lösen, sodass sie in Kasachstan ihre volle Leistung abrufen kann“, sagte die Dänin Anja Bolberg (49), selbst mehrfache Olympiateilnehmerin, die als Trainerin die Aufgabe übernimmt, das deutsche Team wieder an das Niveau der führenden Nationen USA und Frankreich heranzuführen.

Wenig Geld für Freestyler: Planungsunsicherheit

Freestyle-Referent Werner Weber: „Das Hauptproblem in der Disziplin Freestyle liegt in der Finanzierung und der damit verbundenen Planungsunsicherheit. Rechnet man die Unkosten eines einzigen Athleten hoch, kommt man auf eine Summe von 25 000 bis 35 000 Euro pro Jahr.“

Lange habe es vom DSV kein Geld für die Freestyler gegeben, in der Saison 2018/19 waren es laut Weber insgesamt 48 000 Euro, die aber auch erst im Nachgang geflossen seien. Weber weiter: „Für die vorige Saison wurde zwar Geld in Aussicht gestellt, das aber bis heute nicht geflossen ist. Für das Weltcup-Team wurde nun eine Trainerin angestellt, aber es ist unsicher, wie lange dieses Engagement bestehen kann, wenn kein Geld fließt.“

Lena Mayers Ziel: Top Ten-Platzierung

Auch für Lena Mayer bedeuten Training und Wettkämpfe eine erhebliche finanzielle Belastung. Obwohl sie Zuschüsse seitens von DSV, Sporthilfe und ihrer Heimatgemeinde Fischen erhält, muss sie doch einen großen Anteil selbst aufbringen. „Neben meinem Lehramtsstudium in München war ich in den Semesterferien als Führerin in den Erzgruben am Grünten tätig, doch dann kam das Virus.“ Lena Mayer hat sich wieder voll auf ihren Sport konzentriert, verbunden mit der Hoffnung, durch gute Ergebnisse einen Sponsor zu finden. Starke WM-Resultate wären ein gutes Argument. Das Ziel der Fischingerin sind Plätze in den Top Ten.

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