Nesselwang

Mit Lust und Leidenschaft

Euregio Blasorchester

Euregio Blasorchester

Bild: Peter Hausner

Euregio Blasorchester

Bild: Peter Hausner

Blasmusik Sein 20-jähriges Bestehen feiert das Euregio-Blasorchester mit einem umjubelten Galakonzert. Dabei wird deutlich, welch ein Glücksfall Dirigent Johann Mösenbichler ist, und wie versiert die 60 Musiker spielen
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Von Klaus-Peter Mayr
04.10.2019 | Stand: 16:05 Uhr

Lob und Dank in Reden Bergkäse als Geschenke: Das Euregio-Blasorchester (EBO) feierte zünftig seinen 20. Geburtstag. Im Mittelpunkt des Gala-Benefizkonzertes in der ausverkauften Nesselwanger Alpspitzhalle stand aber die Musik. Das grenzübergreifende Auswahlorchester mit 62 Musikern aus dem Allgäu, Kleinwalsertal und Tannheimertal sowie der Sängerin Gertrud Hiemer-Haslach bot unter Leitung von Professor Johann Mösenbichler Blasmusik der gehobenen Güteklasse. Die 800 Besucher honorierten dies mit riesigem Applaus, Bravorufen sowie Spenden an die Kartei der Not und den Allgäuer Hilfsfonds in Höhe von insgesamt gut 6000 Euro.

„Lust und Leidenschaft“ seien wichtig, um in diesem Orchester mitzuspielen. So formulierte es Dirigent Johann Mösenbichler bei der internen Geburtstagsfeier. Der 60-Jährige fügte aber gleich auch noch eine weitere Voraussetzung an: Technisch versiert müssen die Bläser und Schlagzeuger sein. Dass diese Eigenschaften vorhanden sind, konnten die Konzertbesucher hören. Mit einem bunten Programm ließ das Orchester die 20 Jahre seiner Existenz musikalisch Revue passieren, wobei das Publikum den ersten Teil selbst zusammenstellte – mit einer Online-Abstimmung im Vorfeld des Konzertes.

Das Wahlvolk hatte Populäres gewählt: den Radetzky-Marsch, „Hymne und Triumphmarsch“ aus der Verdi-Oper Aida, Bizets Carmen-Ouvertüre sowie Werke von Offenbach und Strauss-Sohn. Im zweiten Konzertteil gab es dann vier große Medleys als Rückschau, deren einzelne Teile sich erstaunlich gut ineinanderfügten.

Gediegene Blasmusik erklang, was nicht nur den ausgezeichneten Musikern zu verdanken ist (samt einer sprachgewandten Moderatorin), sondern allen voran dem Dirigenten aus Oberösterreich. Johann Mösenbichler leitet mit scharfem Verstand, großer Souveränität und warmherziger Leidenschaft. Seine Tempi haben stets Zugkraft und gleiten auch bei lyrischen Passagen nicht ins Pathetisch-Sentimentale ab. Er formt einen homogenen Klang (auch dank der vielen Holzbläser bis hin zu zwei Fagotten), und er verlangt das genaue Spielen von Melodien. Zugleich führt Mösenbichler das EBO, das für ein Amateur-Ensemble ungewöhnlich gut intoniert, zu intensiven emotionalen Momenten. Damit berührt und bewegt es die Zuhörer. Sie erleben immer wieder bezaubernde Momente.

Dazu trug auch Sopranistin Gertrud Hiemer-Haslach (Altusried) bei. So vielfältig wie ihre Kostümwahl, so wandelbar ist ihre Stimme. Mal gibt sie die stimmstarke Opern-Femme-Fatale, mal das beschwingt-beschwipste Operetten-Mädchen, mal die gefühlvolle Popröhre („You raise me up“). Das zeigt: Blasmusik und Gesang können eine schöne Verbindung eingehen, was bei den Konzerten landauf, landab immer noch selten passiert. Freilich bedarf es gerade da einer sensiblen Abstimmung zwischen dem kräftigen Bläsersound und der feinen Stimme. Auch das gelang dem EBO unter von Mösenbichler in vorbildlicher Weise.

Die musikalische Leitung, so sagte er an diesem Nachmittag auch, sei für ihn „kein Job, sondern eine Herzensangelegenheit“. Er selbst fühle sich als Ziehvater des EBO. In die Welt gebracht hat das Geburtstagskind freilich ein anderer, was bei den Feierlichkeiten immer wieder gelobt wurde: Simon Gehring. Er ließ sich 1997 von einem Blasmusik-Festival in Schladming animieren und hob 1999 das Euregio-Musikfestival aus der Taufe – tatkräftig unterstützt von der regionalen Politik sowie vielen Helfern und Sponsoren. Parallel dazu organisierte er die Gründung des Auswahlorchesters. Bei der Premiere stand Gert Buitenhuis am Dirigentenpult, dann wurde Mösenbichler verpflichtet.

Er ist gewiss ein Glücksfall für dieses Kultur-Projekt. Offensichtlich inspiriert er nicht nur seine Musikerinnen und Musikern. Er versteht sich auch mit den Verantwortlichen gut, arbeitet Hand in Hand mit Projektleiter Gehring und den zuständigen Politikern, allen voran der frühere Euregio-Präsident und Landrat Gebhard Kaiser sowie Anton Klotz, der beide Ämter jetzt inne hat. Diese beiden holte Mösenbichler am Ende des Konzertes auf die Bühne, um dies vor dem Auditorium zu betonen.

Dem Österreicher gefällt die Kooperation übrigens so gut, dass er sein Engagement fortsetzen wird. Für die Blasmusik im Allgäu sicherlich ein Gewinn, denn das EBO strahlt positiv auf die regionale Szene aus. Die Zeiten sind längst vorbei, dass Kapellen und Funktionäre des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes solche Auswahlorchester mit Argusaugen betrachten.