Augsburg/Ronsberg

Mit neuer Frisur zurück auf dem Platz

FCA

FCA

FCA

Fußball Felix Götze nach acht Monaten wieder beim FC Augsburg im Training. Der 21-Jährige spricht über seine lange Leidenszeit, eine schwierige Hüftoperation und warum er sich von seinen Haaren getrennt hat
##alternative##
Von robert Götz
13.11.2019 | Stand: 19:52 Uhr

Felix Götze hat sich auffallend verändert. Den modischen Haarschnitt mit dem Seitenscheitel gibt es seit ein paar Wochen nicht mehr. Mit Föhn und Haargel will sich der 21-Jährige, der Teile seiner Kindheit in Ronsberg verbrachte, derzeit nicht beschäftigen. Seine Haare sind raspelkurz, abrasiert bis auf ein paar Millimeter. „Die Frisur habe ich mir machen lassen, als ich wieder mit dem Training begonnen habe. Die Haare sollten runter, weil mein Fokus darauf liegt, wieder fit zu werden.“

Es wird höchste Zeit, denn der Mittelfeldspieler des Fußball-Bundesligisten FC Augsburg hat große Pläne. Eines Tages würde er sich nämlich gerne einen Traum erfüllen und mit seinem Bruder Mario Götze zusammenspielen. Einen Wunschklub hat er bereits: „Das wäre Barcelona. Das war schon immer mein Lieblingsverein“, verriet Götze beiSport 1. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. „Ich gebe mein Bestes“, sagt Götze. „Mario gibt auch sein Bestes und dann schauen wir mal, ob das irgendwann klappt.“

Im Moment ist die Lage jedenfalls so, dass Felix Götze Ende Oktober nach seiner Hüftoperation im Juni wieder mit dem Lauftraining beginnen konnte, seit einigen Tagen darf der FCA-Profi auch mit den Athletiktrainern Übungen mit dem Ball absolvieren. „Es fühlt sich noch etwas ungewohnt an. Ich stand zuletzt am 18. März auf dem Platz, aber es wird von Einheit zu Einheit besser. Es ist etwas anderes, als zu laufen. Ich war jetzt fünf Monate nur in der Reha. Wenn man dann die frische Luft spürt und den Rasen riecht, ist es einfach nur toll.“ Für den Bruder von Mario Götze, dem Schützen des Siegtores im WM-Finale 2014 gegen Argentinien, ist es ein Neuanfang nach einer langen Leidenszeit.

Als er im Sommer 2018 vom FC Bayern München zum FCA wechselt, hat er große Pläne. In Augsburg will er endlich aus dem Schatten seines großen Bruders treten, seinen eigenen Weg als Fußball-Profi gehen. Doch schon im September spürt er Schmerzen an der linken Hüfte. „Morgens war immer alles gut. Ich konnte trainieren und spielen, aber sobald ich mich zum Beispiel hingesetzt habe und wieder aufgestanden bin, konnte ich erst einmal ein paar Sekunden nicht laufen.“ Götze will aber nicht aufgeben, es ist ja nicht so schlimm. Am 25. September erzielte er sein erstes Bundesligator. Für den FCA. Ausgerechnet gegen den FC Bayern. Es ist das 1:1 kurz vor Schluss. So kann es weitergehen. Doch so geht es nicht weiter.

Götze trainiert, spielt, setzt aus, trainiert wieder. Im Alltag spürt er die Schmerzen aber immer mehr, und als er auch im Training nicht mehr beschwerdefrei ist, zieht er die Reißleine. Die Diagnose lautet: Hüft-Impingement. „Mein Hüftkopf war zu groß und hat immer gegen die Hüftpfanne geschlagen. Das hat Schmerzen verursacht“, erzählt Götze. Er konsultiert mehrere Ärzte. Darunter auch Professor Michael Leunig von der Schulthess-Klinik in Zürich. Den Tipp hat er von seinem Bruder Mario bekommen.

Lesen Sie auch
##alternative##
Zurück in der Bundesliga

"Alles passt": Allgäuer Mario Götze unterschreibt bis 2025 in Frankfurt

In der Schweiz wird Götze operiert. „Man hat den Knochen etwas abgefräst und den Knorpel wieder hergestellt. Es war keine einfache OP, aber sie ist gut verlaufen. Gott sei Dank bin ich jetzt vollkommen schmerzfrei.“ Denn Götze hatte vor der Operation durchaus Respekt: „Es gab ein Restrisiko, aber der Arzt in Zürich war sehr ehrlich zu mir. Er sagte auch, dass die Chancen gut sind, dass danach alle Schmerzen weg sind. Die OP hat gezeigt, dass es die richtige Entscheidung war.“ Nach der OP brauchte Götze erst einmal eines: viel Geduld. Drei Monate dauert es, bis der Knorpel richtig gefestigt ist. Die ersten Wochen zieht er zu seiner Mutter nach München. Die Eltern, sein Vater Jürgen ist Professor für Datentechnik an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Dortmund, leben getrennt. Götze kann sich am Anfang nicht einmal die Schuhe alleine anziehen. Er hat viel Zeit zum Nachdenken, spricht mit Eltern und Brüdern. „Mein Bruder Fabian hatte während seine Karriere auch oft mit Verletzungen zu kämpfen und musste deshalb aufhören, Fußball zu spielen.“ Fabian, 29, ist der älteste des Trios. Er absolvierte für Borussia Dortmund II und die SpVgg Unterhaching insgesamt 55 Drittliga-Spiele, ehe er mit 25 seine Fußballkarriere beendet. Derzeit arbeitet er im Rahmen seines Masterstudienganges „International Business“ in Shanghai, der größten Stadt Chinas.

Auch Felix Götze hat sich Gedanken gemacht, was passiert, wenn er seine Karriere nicht fortsetzen hätte können. Er sagt: „Fußball ist nicht alles im Leben. Ich gebe mein Bestes, habe aber vor zwei Wochen auch ein Fernstudium der Ernährungswissenschaften begonnen. Am Gymnasium waren Biologie und Sport meine Lieblingsfächer.“

Doch seine Reha beim FCA hat oberste Priorität. Zur derzeit sportlich prekären Situation sagt er: „Wir hatten am Anfang viele Spitzenmannschaften als Gegner. Mit dem Spiel in Paderborn begann eine Phase, in der wir gegen direkte Konkurrenten die nötigen Punkte holen sollten.“ Auch zum Aus von Trainer Niko Kovac bei den Bayern äußerte sich Götze: „Ich mochte ihn als Typ richtig gerne, ich finde ihn cool, weil er einer der wenigen Trainer ist, der immer ehrlich war, obwohl es vielleicht manchmal besser gewesen wäre, was anderes zu sagen. Aber das ist natürlich ein geiler Charakterzug und auch mutig von ihm.“

Götzes Nahziel ist es, so ins Mannschaftstraining einsteigen zu können, dass er im Wintertrainingslager dabei sein kann. „Wenn ich fit bin, traue ich mir in der Rückrunde schon noch einiges zu.“ Sein Vertrag läuft bis 2022. Kontakt zu Trainer Martin Schmidt hatte er zuletzt kaum. Der kennt ihn ja nur verletzt.

Felix Götze wird im Januar wieder bei null beginnen. „In der Kabine wird auch schon mal gesagt, dass ich der erste Winter-Neuzugang bin. Man kann es wirklich so sehen.“ Doch er freut sich auf den Neustart: „Ich fühle mich jetzt schon fitter als zu Beginn meiner Leidenszeit. Klar konnte ich da trainieren, aber ich hatte mich nie gesund gefühlt.“

Für nur 0,99 € einen Monat alle exklusiven AZ Plus-Artikel auf allgaeuer-zeitung.de lesen
Jetzt testen
Ausblenden | Ich habe bereits ein Abo.