Heftige Bußgelder drohen

Biker müssen leiser fahren: Was bringt das Lärm-Limit im Außerfern?

Das Lechtal bietet eine malerische Kulisse für Ausflüge mit dem Motorrad - allerdings nicht mehr für alle Maschinen.

Das Lechtal bietet eine malerische Kulisse für Ausflüge mit dem Motorrad - allerdings nicht mehr für alle Maschinen.

Bild: Wilfried Feder, Westend61/Imago (Symbolbild)

Das Lechtal bietet eine malerische Kulisse für Ausflüge mit dem Motorrad - allerdings nicht mehr für alle Maschinen.

Bild: Wilfried Feder, Westend61/Imago (Symbolbild)

Anwohner kurviger Strecken klagen oft über Motorradlärm. Im Außerfern gilt zum Teil ein Lautstärke-Limit. Bußgelder drohen. Doch was hat das gebracht?
15.06.2022 | Stand: 06:38 Uhr

Ein tiefes Blubbern oder ein Summen, das sich immer höher schraubt: Für die einen ist es eine Symphonie, für die anderen einfach nur Krach. Die Geräuschkulisse von Motorrädern sorgt im Allgäu immer wieder für Diskussionen. Gleiches gilt für das benachbarte Tirol, dort gilt auf einigen Straßen im Außerfern seit 2020 jedoch eine Beschränkung. Maschinen, deren Standgeräusch über 95 Dezibel liegt, dürfen dort nicht mehr fahren, ansonsten drohen Bußgelder. Bis zu 220 Euro Bußgeld kann zu lautes fahren kosten, so der ADAC.

Motorradfahrer-Vereinigungen wie zum Beispiel „Bikers Voice“ aus Österreich kritisierten die Vorschrift, sie beschneide die Grundrechte der Eigentümer legaler Fahrzeuge. Doch wie beurteilt man die Regelung vor Ort?

Lärmbelastung durch Motorräder "gefühlt geringer geworden"

Einen Effekt hat die Maßnahme, denn Fahrer von Maschinen, deren Standgeräusch über 95 Dezibel liegt, meiden die betroffenen Straßen offenbar. „Im Schnitt liegen circa zwei Prozent der kontrollierten Motorräder über diesem Wert“, erklärt ein Sprecher des Polizei-Bezirkskommandos Reutte. So gab es 6000 Kontrollen im Jahr 2021, bei denen 90 Anzeigen wegen eines zu hohen Standgeräuschs geschrieben wurden. „Zum großen Teil waren das in Deutschland zugelassene Motorräder“, sagt der Sprecher. Die Maßnahme hat offenbar gewirkt.

„Gefühlt ist die Lärmbelastung geringer geworden“, sagt der Tannheimer Bürgermeister Harald Kleiner. Die Gemeinde liegt an einer der betroffenen Strecken. Vor allem in Weißenbach am Lech, das direkt unterhalb der Kehren zum Gaichtpass liegt, mache die Regelung viel aus. „Dort ist es viel besser als davor“, sagt Kleiner. Ob nun der Lärmgrenzwert für Motorräder oder Tempo 80, das im Sommer im Tal gelte, entscheidend ist, sei schwer zu sagen. „Alles, was Lärm vermeidet, ist grundsätzlich gut“, sagt Kleiner.

Gastwirtin klagt über Einbußen

Die Regelung ist aber nicht bei allen im Tal wohlgelitten. „Es ist eigentlich eine Frechheit, nur eine Region zu sperren. Das ist nicht gerecht“, klagt Alexandra Westreicher-Näckler. Sie betreibt eine kleine Frühstückspension mit Restaurant. „Da muss man sich eine Nische suchen – das waren bei uns von Anfang an die Motorradfahrer“, sagt sie. Die Regelung müsse wenn dann für ganz Tirol oder Österreich gelten. Deren Auswirkungen seien für sie klar spürbar. „Es kommen weniger Gruppen. Da sind immer ein, zwei Motorräder dabei, die über der Grenze liegen, dann sucht sich die ganze Gruppe ein anderes Ziel.“

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Sie habe deshalb Einbußen zu verzeichnen – während Hotels andernorts profitieren. „Gruppen, die ins Tannheimer Tal oder ins Lechtal gefahren wären, fahren jetzt ein Tal weiter.“ Ihre Forderung ist klar: „Wenn die Maschinen legal zugelassen sind, sollten sie bei uns fahren dürfen.“ Es seien auch Sportwagen unterwegs, die den gleichen Lärm machen. „Da gibt es kein Verbot, das ist nicht gerecht.“ Dieses Problem sieht auch Kleiner. Die Sportwagen, merkt er an, „hört man immer noch“.

Auch eine Anwohnerin aus Pfafflar an der Hahntennjochstraße, einer beliebten Motorradstrecke, sagte, es sei nun zwar leiser. „Es kommt aber auf das Fahrverhalten an. Es ist nicht so, dass es jetzt generell leise ist.“ Dort gelte nun generell Tempo 60, diese Maßnahme ergebe mehr Sinn. Einmal wegen der Unfälle. „Und dann kommen eher die gemütlichen Fahrer – die fallen nicht so auf“, sagt sie.

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