Zwei Solidaritätskonzerte

Musiker bitten eindringlich um Hilfe für die Ukraine

Forderte Deutschland auf, die Ukraine noch mehr zu unterstützen: Sängerin und Pianistin Tamara Lukasheva.

Forderte Deutschland auf, die Ukraine noch mehr zu unterstützen: Sängerin und Pianistin Tamara Lukasheva.

Bild: Alfred Michel

Forderte Deutschland auf, die Ukraine noch mehr zu unterstützen: Sängerin und Pianistin Tamara Lukasheva.

Bild: Alfred Michel

Tamara Lukasheva und Matthias Schriefl spielen Musik aus der Ukraine. Bei Konzerten in Marktoberdorf und Oy sammeln sie 8000 Euro für das attackierte Land.
18.03.2022 | Stand: 17:30 Uhr

Es gibt viele berührende Momente in den beiden Solidaritätskonzerten für die Ukraine, die Tamara Lukasheva und Matthias Schriefl in Marktoberdorf und Oy spielen. An einer Stelle aber halten wohl alle den Atem an: Als Lukasheva sich mit sehr persönlichen Worten an die Zuhörerinnen und Zuhörer wendet. Sie, die seit zwölf Jahren als Sängerin und Pianistin in Köln lebt, spricht über ihre Herkunft aus der ukrainischen Hafenstadt Odessa, erzählt von ihrer jüdischen Urgroßmutter, die im Zweiten Weltkrieg in einem Ghetto ermordet wurde, berichtet von ihrer Familie, die jetzt in Odessa in Todesangst auf die russischen Angriffe warten muss. Und richtet einen eindringlichen Appell an ihr deutsches Publikum, die Ukraine endlich mehr zu unterstützen. „Jeder Tag Zögern kostet Menschenleben“, mahnt sie. Dann setzt sie sich ans Klavier, singt und spielt mit geschlossenen Augen das leise Lied „Der Mond“, das ein ukrainischer Kollege für sie geschrieben hat. Matthias Schriefl steuert mit weichem Flügelhorn-Sound melancholische Melodien bei.

Ein Multiinstrumentalist im wahrsten Sinne des Wortes: Matthias Schriefl in Aktion.
Ein Multiinstrumentalist im wahrsten Sinne des Wortes: Matthias Schriefl in Aktion.
Bild: Alfred Michel

Die gebürtige Ukrainerin Lukasheva und der aus dem Oberallgäu stammende Multiinstrumentalist Schriefl sind langjährige musikalische Weggefährten und versuchen seit dem Kriegsausbruch, mit den Mitteln der Musik dem attackierten Land und seinen Menschen zu helfen. Im Allgäu haben sie auf die Schnelle zwei Konzerte terminiert, die trotz ihrer kurzfristigen Organisation viele Menschen anlocken: 150 sind es im Kursaal von Oy, weit über 100 in der Filmburg Marktoberdorf, wo sich Harald Rüschenbaum als feinfühliger Schlagzeug-Gast dazugesellt. In Oy summieren sich die Spenden auf über 4000 Euro, in Marktoberdorf sind es fast 4000.

Lukasheva und Schriefl haben das Geld umgehend in die Ukraine überwiesen. Damit sich Freunde und Kollegen Lebensmittel kaufen oder ihre Flucht organisieren können. Einem Kollegen, der durch Bombardements sein Saxofon verloren hat, kaufen sie ein neues Instrument.

Gaben ein "Friedenskonzert" in Marktoberdorf: Tamara Lukasheva, Harald Rüschenbaum und Matthias Schriefl.
Gaben ein "Friedenskonzert" in Marktoberdorf: Tamara Lukasheva, Harald Rüschenbaum und Matthias Schriefl.
Bild: Alfred Michel

Auch die Zuhörer profitieren: Sie lernen stimmungsvolle ukrainische Lieder kennen, die Tamara Lukasheva mit klarer Stimme und virtuosem Klavierspiel intoniert, während Matthias Schriefl sie , meist mit dem Flügelhorn, fantasievoll kommentiert. Den beiden gelingt damit ein wundervoll berührender Brückenschlag zwischen ukrainischer Musiktradition und europäisch-amerikanischem Jazz. Zwischendurch mischen sie noch Allgäuerisches bei: mit einem zweistimmigen Jodler, oder wenn Schriefl in seine Alphörner bläst. Nicht nur da entsteht eine heitere Stimmung. In diesen bitteren Tagen voller Sorge und Angst darf durchaus geschmunzelt und gelacht werden.