Wirtschaft

Neuer Chef der Memminger Pfeifer-Firmengruppe: „Wer führen will, muss Menschen mögen“

Pfeifer - Familienunternehmen mit Tradition

Sie ziehen an einem Strang: Gerhard Pfeifer (links) und sein Nachfolger an der Spitze der Memminger Pfeifer-Firmengruppe, Ralph Wiegand. Pfeifer ist weiterhin Hauptgesellschafter des Unternehmens, das in mehreren Bereichen der Seil- und Hebetechnik zu den Weltmarktführern gehört.

Bild: Matthias Becker

Sie ziehen an einem Strang: Gerhard Pfeifer (links) und sein Nachfolger an der Spitze der Memminger Pfeifer-Firmengruppe, Ralph Wiegand. Pfeifer ist weiterhin Hauptgesellschafter des Unternehmens, das in mehreren Bereichen der Seil- und Hebetechnik zu den Weltmarktführern gehört.

Bild: Matthias Becker

Nach Jahrzehnten an der Firmenspitze übergab Gerhard Pfeifer an Ralph Wiegand. Sie haben gemeinsame Werte, und doch ändert sich einiges für die Mitarbeiter.
05.08.2021 | Stand: 21:42 Uhr

Gerhard Pfeifer erzählt von seinen Anfängen an der Spitze des Memminger Familienunternehmens: „Seit 1579 haben vor mir elf Generationen den Betrieb durch schwierigste Zeiten geführt. Das ist schon eine Wucht.“ Da stelle man sich auch mal die Frage, ob man der Richtige für diese Aufgabe sei. Jahrzehnte später kann der inzwischen 66-Jährige Zahlen sprechen lassen: „Der Umsatz hat sich in der Zeit meiner Verantwortung mehr als verzehnfacht.“ In mehreren Bereichen der Seil- und Hebetechnik gehört die Pfeifer-Firmengruppe zu den Weltmarktführern. Doch das Werk eines Unternehmers ist unvollendet, wenn er nicht auch seine Nachfolge erfolgreich managt. Und hier hat Pfeifer eine Entscheidung getroffen.

Der Neue ist ein "Konzerngewächs"

Der Memminger hat jetzt Ralph Wiegand an seiner Seite. Der neue Mann ist als Vorsitzender der Geschäftsleitung (CEO) für das operative Geschäft verantwortlich. Der 50-jährige Kölner bezeichnet sich als „Konzerngewächs“, das „durchprofessionalisiert“ worden sei. Im Jahr 1999 war der Geisteswissenschaftler bei der Post eingestiegen und dann richtig durchgestartet. Er schaffte es bis in den Vorstand und verantwortete ein Geschäftsvolumen von zehn Milliarden Euro.

Bis hierhin gibt es wenig Parallelen zum Memminger Familienunternehmen. „Manchmal fügen sich die Dinge aber einfach“, sagt Pfeifer. Ab 2017 habe er begonnen, die Führungsstruktur auf eine Zeit nach ihm vorzubereiten, und beispielsweise den Beirat der Gruppe von drei auf fünf Mitglieder erweitert. Während dieses Prozesses kam Pfeifer zu der Überzeugung, dass es auch externer Expertise bedurfte. Er sprach ein mittelständisches Beratungsunternehmen an, bei dem Wiegand inzwischen arbeitete. Dieser übernahm das Projekt bei Pfeifer. Als Wiegand dann signalisierte, wieder zurück in eine operative Verantwortung zu wollen, bot ihm Pfeifer die Position des CEO bei dem Memminger Unternehmen an.

Diskussionen über Führungskultur

„Bei unserem Wertesystem gibt es große Überschneidungen“, sagt Wiegand. Er schätze es, wie reflektiert Pfeifer an Themen herangehe. „Uns eint die Überzeugung, dass man bei allem Streben nach Professionalität den Menschen in den Mittelpunkt rücken muss. Wer führen will, muss Menschen mögen“, sagt Wiegand. Die beiden diskutieren oft über Führungskultur und ihre unterschiedlichen Herangehensweisen. „Ich habe viel konzeptionelle Arbeit geleistet und damit Räume für Mitarbeiter und Führungskräfte geöffnet“ betont Pfeifer. Wiegand sagt über sich: „Mein Führungsstil ist hochgradig delegierend. Ich will Führungsqualitäten vervielfachen.“ Er sieht sich als „Skalierer“, der das Team stark in die Pflicht nimmt. „Die Mitarbeiter müssen auf Ziele hinarbeiten. Fluchtwege fürs Management stelle ich zu. Allerdings muss auch leistbar sein, was man von den Menschen erwartet.“

Ein ambitioniertes Ziel

Wiegand hat sich zum Ziel gesetzt, bei Pfeifer weiteres Wachstum zu ermöglichen. „Das ist allerdings kein Selbstzweck. Das Grundziel ist die Überlebensfähigkeit des Unternehmens“, sagen beide unisono. Reizvoll an der Pfeifer-Gruppe sei für ihn „das hohe Potenzial einer beeindruckenden strategischen Aufstellung“ gewesen, sagt Wiegand. Deshalb kann er sich vorstellen, den Umsatz bis zum 450-jährigen Firmenbestehen auf eine Marke „jenseits von 700 Millionen Euro“ zu heben. Dieses Jubiläum wird in acht Jahren gefeiert, derzeit liegt der Umsatz bei 470 Millionen Euro.

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Für Pfeifer, der die Firma fast 25 Jahre verantwortlich geleitet hat, ist das Loslassen eine Herausforderung. „Ja, es gibt Momente, in denen ich leide“, sagt der 66-Jährige, der auch Hauptgesellschafter des Familienunternehmens ist. „Ich leide nicht darunter, dass ich glaube, Dinge laufen jetzt schief. Ich leide darunter, dass ich sehe, wie auch ich durch andere Herangehensweisen Dinge hätte besser machen können.“ Mit Wiegand tauscht er sich häufig aus: „Das Gespräch über die Veränderungen im Unternehmen hilft mir beim Übergang und dem Loslassen.“

Wie geht es später einmal weiter?

Dieser Generationenwechsel fällt in eine Zeit, in der es dem Unternehmen gut geht. Die aktuelle Lage beschreibt Wiegand so: „Wir haben mehr Aufträge, als wir bedienen können. Unsere Logistikpartner kommen derzeit an ihre Grenzen und die Beschaffung von Rohmaterial ist äußerst schwierig.“

Der Übergang an der Firmenspitze ist vollzogen, doch der Gesellschafter Gerhard Pfeifer richtet den Blick auch in die fernere Zukunft: „Als Familienunternehmer denke ich natürlich auch an die nächste Generation innerhalb der Familie.“ Seine beiden Töchter im Alter von Mitte 20 befänden sich aber in der Anfangsphase ihrer beruflichen Entwicklung, insofern seien solche Überlegungen noch Zukunftsmusik. Jetzt steht der fünffache Familienvater Wiegand an der Spitze des Unternehmens. Die Rollen sind klar verteilt: „Gerhard Pfeifer ist die Firma“, sagt der neue CEO, „und ich bin sein Angestellter.“