Ämter stocken auf

Neues Wohngeld sorgt für Antragsflut in Allgäuer Behörden

Der Antrag für das neue Wohngeld an sich unterscheidet sich nur wenig von der früheren Version, heißt es bei der Stadt Memmingen.

Der Antrag für das neue Wohngeld an sich unterscheidet sich nur wenig von der früheren Version, heißt es bei der Stadt Memmingen.

Bild: Robert Michael, dpa (Symbolbild)

Der Antrag für das neue Wohngeld an sich unterscheidet sich nur wenig von der früheren Version, heißt es bei der Stadt Memmingen.

Bild: Robert Michael, dpa (Symbolbild)

Seit 1. Januar gilt das „Wohngeld-Plus“ in Deutschland. Es soll noch mehr Menschen finanziell entlasten. Wer darf den Zuschuss eigentlich beantragen?
24.01.2023 | Stand: 12:36 Uhr

Erst im vergangenen November hatte der Bundestag einer Reform des Wohngeldes zugestimmt. Und schon am 1. Januar ist sie in Kraft getreten. Für Behörden blieb damit nur wenig Zeit, sich auf das „Wohngeld-Plus“ vorzubereiten – jetzt rollt auf die Ämter in der Region eine Antragsflut zu.

Wohngeld-Plus - Kempten und Memmingen stocken personell auf

Die Stadt Kempten hat deshalb kurzerhand fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt. Arbeiteten im zuständigen Bereich vorher rechnerisch 3,6 Arbeitskräfte, sind es jetzt 8,6, sagt Thomas Baier-Regnery, Leiter des Referats für Jugend, Schule und Soziales. Auch in Memmingen wurde aufgestockt: Eine Teil- und eine Vollzeitkraft werden zusätzlich eingesetzt, sagt eine Sprecherin der Stadt.

Es war nicht einfach, so kurzfristig an neue Mitarbeiter zu kommen, räumt Baier-Regnery ein. Die Kemptener Behörde habe Glück gehabt: Interne Wechsel und ausreichend viele Bewerber machten es möglich, die Stellen schnell zu besetzen. Kündigungsfristen verhindern aber, dass die Sachbearbeiter sofort verfügbar sind.

Diese Haushalte kommen für das neue Wohngeld infrage

Das neue Wohngeld entlastet nun weit mehr Menschen als noch vor der Reform. Gezahlt wird es an Haushalte, deren Einkommen knapp oberhalb der Grundsicherungsgrenze liegt. Gestiegen ist es für Empfänger im Durchschnitt um 190 Euro auf 370 Euro monatlich. Zudem enthält die Hilfe eine Heizkosten-Komponente, die auf die stark gestiegenen Preise in diesem Bereich reagiert und eine Klima-Komponente, die höhere Mieten wegen Sanierungen abfedert.

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Die Zahl der Anträge werde sich in Memmingen verdreifachen, heißt es bei der dortigen Verwaltung. In Kempten sind es nun monatlich 220 Anträge, vorher waren es 80. Es gebe viele Menschen, die mit wenig Einkommen auskommen müssten und es wegen der aktuellen Krisen kaum mehr schafften, sich über Wasser zu halten, sagt Baier-Regnery. Deshalb komme das Wohngeld zu einem guten Zeitpunkt.

Zeitplan für das neue Wohngeld "utopisch"

Kritik am „Wohngeld-Plus“ hatte anfangs die bayerischen Staatsregierung geäußert. Sie monierte die schnelle Umsetzung der Reform und bezeichnete diesen Zeitplan als „utopisch“. Zudem forderte der Freistaat, das Verfahren zu vereinfachen. Für Behörden sollen beispielsweise Online-Anträge die Arbeit erleichtern. Hätten sich noch vor einigen Jahren Papierstapel auf den Schreibtischen der Sachbearbeiter getürmt, seien es heute die E-Mail-Postfächer, die überquellen, sagt Baier-Regnery.

Antrag auf Papier - nur in Einzelfällen möglich

Ältere Menschen oder Bürger ohne Computer kann das vor eine Hürde stellen. Beim Sozialverband VdK-Schwaben seien bislang jedoch kaum Beschwerden über die Art der Anträge eingegangen, sagt Bezirksgeschäftsführerin Martina Schroeder. Online-Anträge würden aber automatisch eine gewisse Bevölkerungsgruppe ausschließen. Eine gedruckte Version sei in Einzelfällen möglich, erklärt Baier-Regnery.

Das ist das neue Wohngeld

Das Wohngeld der Bundesregierung gibt es bereits seit 1965. Der Staat leistet damit einkommensschwachen Bürgern bei ihren Wohnkosten eine finanzielle Hilfe. Am 1. Januar 2023 trat nun eine Reform in Kraft. Drei Faktoren bestimmen, wer Anspruch auf ein Wohngeld hat: die Anzahl der Haushaltsmitglieder, die Höhe des Gesamteinkommens und die Höhe der Miete beziehungsweise Belastung. Empfänger von Arbeitslosengeld II, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung erhalten kein Wohngeld. Das gilt auch für die Empfänger von Sozialhilfe.

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