„Vitaminversorger des süddeutschen Raums“

Wie sich der Klimawandel auf den Obstbau am Bodensee auswirkt

Blühende Obstbäume vor blauem Himmel: Dieses Bild ist typisch für das Westallgäu und die Bodenseeregion. Hier werden vor allem Äpfel, aber auch Birnen, Kirschen, Zwetschgen und Beeren angebaut – künftig könnten jedoch auch Früchte hinzukommen, die man eher in südlichen Regionen vermutet.

Blühende Obstbäume vor blauem Himmel: Dieses Bild ist typisch für das Westallgäu und die Bodenseeregion. Hier werden vor allem Äpfel, aber auch Birnen, Kirschen, Zwetschgen und Beeren angebaut – künftig könnten jedoch auch Früchte hinzukommen, die man eher in südlichen Regionen vermutet.

Bild: Thomas Gretler (Archivbild)

Blühende Obstbäume vor blauem Himmel: Dieses Bild ist typisch für das Westallgäu und die Bodenseeregion. Hier werden vor allem Äpfel, aber auch Birnen, Kirschen, Zwetschgen und Beeren angebaut – künftig könnten jedoch auch Früchte hinzukommen, die man eher in südlichen Regionen vermutet.

Bild: Thomas Gretler (Archivbild)

Zur Kulturlandschaft gehören vor allem im Westallgäu auch Obstbäume. Doch was genau blüht hier eigentlich – und wie wirkt sich der Klimawandel aus?
07.05.2022 | Stand: 05:45 Uhr

„Wir sind die Vitaminversorger des süddeutschen Raums“, sagt Andreas Ganal, Geschäftsführer der Obstregion Bodensee. Etwa jeder dritte deutsche Apfel komme aus dem Gebiet am schwäbischen Meer, das die Landkreise Lindau, Ravensburg und Konstanz sowie den Bodenseekreis abdeckt. Auf etwa 9000 Hektar Fläche werden dort vorwiegend Äpfel, aber auch Birnen, Kirschen, Zwetschgen und Beeren angebaut. „Der Schwerpunkt liegt aber ganz klar auf den Äpfeln“, sagt Ganal. Davon würden im Schnitt jährlich über 250.000 Tonnen geerntet. Dazu zählen bekannte Sorten wie Elstar oder Jonagold, aber auch neue Sorten – zum Beispiel das säuerlich-süße „Fräulein“.

Die typische Bewirtschaftungsform ist laut Andreas Ganal der bäuerliche Familienbetrieb – er selbst kommt beispielsweise von einem Hof im Westallgäu. Doch auch an den Obstbauern gehen Klima- und Strukturwandel nicht spurlos vorüber. Zum Verbund der Obstregion Bodensee gehören aktuell etwa 1000 Betriebe, aber es werden weniger. Das liege vor allem an wirtschaftlichen Faktoren, aber auch an zunehmenden witterungsbedingten Herausforderungen, wie Frost, Hagel oder Dürre. „Die Kosten nehmen zu und die Anforderungen werden stetig höher“, sagt Ganal.

Verbraucher sollten Wert der regionalen Produkte anerkennen

Gerade die arbeitsintensiven Kulturen wie Strauch- und Erdbeeren gingen deswegen zurück. „Der Lohnkostenanteil liegt hier bei über 50 Prozent, da hat beispielsweise der steigende Mindestlohn enorme Auswirkungen.“ Die Folge seien weniger und dafür größere Betriebe. Ganal appelliert an die Verbraucher, den Wert der regionalen Produkte anzuerkennen. „Es ist auf jeden Fall Potenzial da, mehr Äpfel vom Bodensee zu essen“, sagt er.

Der Hauptabsatzmarkt für das Obst vom Bodensee sei der süddeutsche Raum, die Produkte würden aber auch in andere Länder innerhalb und außerhalb der EU geliefert. Vorwiegend handele es sich dabei um Tafelobst – also ganze Äpfel oder Birnen, die dann im Einzelhandel verkauft werden. Sind Früchte dafür nicht geeignet, werde Mus oder Saft aus ihnen hergestellt. „Weggeschmissen wird hier kaum etwas.“ Es gebe in der Region aber auch viel Direktvermarktung. „Was das angeht, sind die Landwirte kreativ und bieten nicht nur Tafelobst, sondern beispielsweise auch Edelbrände oder Marmeladen in ihren Hofläden an.“

Kommen künftig auch Aprikosen vom Bodensee?

Doch nicht nur die Vermarktung ändert sich, sondern auch der Anbau. Äpfel blühen heute früher. „Der Golden Delicious, der seit Jahrzehnten verkauft wird, blüht heute 14 Tage eher als vor 30 Jahren“, sagt Michael Zoth, Leiter des Obstbaubetriebs der Versuchsstation Schlachters (Kreis Lindau). Das zeige, dass sich klimatisch etwas verändert habe. So halten mittlerweile auch andere Sorten am Bodensee Einzug, wie zum Beispiel der Braeburn-Apfel. Dieser stamme aus Neuseeland, einer deutlich wärmeren Region, erklärt Zoth. „Anfang des Jahrtausends gab es Probleme, dass diese Sorte am Bodensee richtig reif wird.“ Das sei heute kein Thema mehr. „Durch die frühere Blüte hat sich die Anbausaison verlängert und man kann Sorten anbauen, die länger bis zur Reife brauchen.“

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Doch nicht nur die Sorten verändern sich – es könnten auch neue Früchte hinzukommen, zum Beispiel Aprikosen. „Deren Anbau ist wegen des hohen Kilopreises interessant“, sagt Zoth. Die Aprikose blühe jedoch fast als erste Obstart, Frost sei dabei nicht unwahrscheinlich. „Man konnte sie früher hier nicht anbauen, weil die Früchte durch den Frost oft kaputt gegangen sind.“ Auch der Niederschlag sei zu hoch gewesen.

Obstbauern suchen immer mehr Nischen

„In den letzten zehn bis 20 Jahren ist der Anbau möglich geworden – durch die Kombination aus Klimawandel und Folientunnel, mit denen man Frostnächte überbrücken kann“, erklärt Zoth. Und nicht nur Aprikosen könnten künftig aus der Region kommen. „Man experimentiert seit wenigen Jahren auch mit Feigen“, führt der Obstbauexperte aus. Diese wachsen wie die Aprikosen in geschützten Folientunneln. „Hier muss man herausarbeiten, welche Sorten für den Anbau am Bodensee geeignet sind.“

Obstbauern, erklärt er, suchen immer mehr solcher Nischen und konzentrieren sich auf eine Spezialität. „Beim Massenprodukt Apfel ist die Preissituation angespannt, in den Nischen können die Betriebe bessere Margen machen.“ Eine Gefahr für bestehende Sorten ist der Klimawandel bisher offenbar nicht. Vor allem die Kirsche brauche eine bestimmte Anzahl Kältetage im Winter. „Dass die Winter so warm werden, dass dieses Kältebedürfnis gefährdet wird, ist bisher nicht der Fall“, sagt Zoth. Das sei vor allem südlich der Alpen ein Problem.

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