Kriminalität

Opfer liegen am Boden: Haben zwei Allgäuer Brüder auf sie eingetreten?

Unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung müssen sich  zwei Brüder vor dem Landgericht Kempten verantworten.

Unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung müssen sich zwei Brüder vor dem Landgericht Kempten verantworten.

Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung müssen sich zwei Brüder vor dem Landgericht Kempten verantworten.

Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung müssen sich zwei Brüder vor dem Landgericht Kempten verantworten. Ankgeklager: "Habe mich verarscht gefühlt."
20.01.2021 | Stand: 18:57 Uhr

Unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter schwerer räuberischer Erpressung müssen sich seit gestern zwei Brüder vor dem Kemptener Landgericht verantworten. Laut Anklage soll einer der beiden im Mai 2020 einen Mann in Kaufbeuren mit einer Holzlatte niedergeschlagen haben, anschließend sollen die Brüder auf ihren am Boden liegenden Kontrahenten eingetreten haben. Zudem wird den Angeklagten vorgeworfen, wenige Wochen später in die Wohnung eines weiteren Mannes eingedrungen zu sein, wo sie auf der Suche nach Drogen auch auf diesen einschlugen. Einer der mutmaßlichen Täter räumte vor Gericht einen Teil der Vorwürfe ein, sprach aber auch von Notwehr. Sein Bruder schwieg.

„Wutentbrannt“ sei er gewesen, sagte der ältere der beiden Angeklagten, als er Anfang Juni vergangenen Jahres die Wohnungstür des zweiten Geschädigten eingetreten habe. Der Grund: Das spätere Opfer hatte dem 46-Jährigen am Nachmittag Marihuana für 20 Euro verkauft: „Aber er hat mir zu wenig gegeben.“ Den ganzen Tag über sei er wütend gewesen, habe unter anderem Alkohol und Drogen konsumiert. „Ich habe mich verarscht gefühlt.“ Am späten Abend dann habe er beschlossen, dem Verkäufer erneut einen Besuch abzustatten. „Ich bin rein, habe ihn geschlagen und gefragt, wo das Gras ist“, räumte der 46-Jährige ein. (Lesen Sie auch: Vater hält Jugendlichen fest, damit Sohn ihn treten kann)

Männer schlugen mit gefrorenen Lebensmitteln auf das Opfer ein

Laut Anklage soll er seinem Opfer während der Auseinandersetzung eine Glasbong, eine Wasserpfeife zum Konsum von Drogen, auf den Kopf geschlagen haben. Das stritt er allerdings ab. Zudem wird den Brüdern vorgeworfen, die Wohnungen nach Drogen durchsucht und auf den Geschädigten eingetreten zu haben, als dieser bereits am Boden lag.

Auch mit gefrorenen Lebensmitteln aus dem Gefrierfach sollen sie auf ihn eingeschlagen haben. Der Mann erlitt einen Rippenbruch, zahlreiche Hämatome, insbesondere am Kopf, und eine offene Schnittwunde am Fuß. Ein Zeuge sagte vor Gericht aus, der Mann sei nach dem Vorfall „auf allen Vieren“ ins Treppenhaus gekrochen.

Obwohl beide Brüder angeklagt sind und das Opfer gegenüber einem Beamten der Kriminalpolizei angab, von beiden Männern überfallen worden zu sein, nahm der Ältere vor Gericht die Schuld auf sich. „Ich habe meinen Bruder reingelegt. Ich hab’ gesagt, wir gehen nur spazieren.“ Der 42-Jährige sei von dem Angriff „schockiert“ gewesen und habe versucht, ihn aufzuhalten.

Der Streit zwischen den jungen Allgäuern eskaliert

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Nach brutalem Angriff: Hat er sein Opfer auch vergewaltigt?

Auch bei einer weiteren Tat, die sich wenige Wochen zuvor ereignet hatte, hat der Jüngere nach Aussage seines Bruders „nichts gemacht“. Der 46-Jährige hatte Streit mit einem seiner „Saufbrüder“. Er habe seinen Bruder nur zu diesem mitgenommen, weil der andere „gefährlich“ sei und ihn schon zuvor am Telefon bedroht habe. „Ich wollte mit ihm reden, aber er hat schon mit einem Fünf-Kilo-Hammer auf mich gewartet“, sagte der 46-Jährige. Es sei zu einer Auseinandersetzung gekommen, er habe aber nicht zugetreten, als sein Kontrahent am Boden lag. „Ich habe mich nur zur Wehr gesetzt.“ Laut Anklage soll jedoch der jüngere Bruder das Opfer mit einer Holzlatte zu Boden geschlagen haben, dann sollen beide Männer gegen dessen Kopf getreten haben. Der 42-Jährige schwieg zunächst zu den Vorwürfen.

Die Verhandlung wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt, dann wird auch ein Urteil erwartet.

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