Prozess Amtsgericht Kaufbeuren

"Ich möchte deine Brüste sehen": Ostallgäuer belästigt 16-jährige Kollegin

Urteil am Amtsgericht Kaufbeuren: 9000 Euro muss ein Ostallgäuer zahlen, der am Arbeitsplatz eine Auszubildende sexuell belästigt hatte.

Urteil am Amtsgericht Kaufbeuren: 9000 Euro muss ein Ostallgäuer zahlen, der am Arbeitsplatz eine Auszubildende sexuell belästigt hatte.

Bild: Mathias Wild (Archiv)

Urteil am Amtsgericht Kaufbeuren: 9000 Euro muss ein Ostallgäuer zahlen, der am Arbeitsplatz eine Auszubildende sexuell belästigt hatte.

Bild: Mathias Wild (Archiv)

Ein 59-jähriger Ostallgäuer hatte eine Auszubildende sexuell belästigt - und sie später wegen Verleumdung angezeigt. Nun landete der Vorfall vor Gericht.
14.06.2022 | Stand: 06:14 Uhr

Wegen sexueller Belästigung einer damals 16-jährigen Auszubildenden musste sich ein 59-jähriger Ostallgäuer vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten. Der ehemalige Mitarbeiter eines größeren Unternehmens soll sich im Frühjahr 2021 auf dem Betriebsgelände wiederholt distanzlos und sexuell anzüglich verhalten haben. So soll er dem Mädchen in einem Fall mit den Worten „Ich möchte Deine Brüste sehen“ den Reißverschluss ihrer Jacke heruntergezogen haben. In diesem Anklagepunkt wurde der Ostallgäuer schuldig gesprochen.

In zwei ähnlichen Punkten erfolgte ein Freispruch, weil die Schwelle zu einer strafrechtlichen Relevanz nach Einschätzung des Richters nicht im erforderlichen Maß überschritten worden war. Das Urteil lautete auf 100 Tagessätze zu je 90 Euro und enthält auch einen Schuldspruch wegen falscher Verdächtigung: Nachdem der Mann von seinem Arbeitgeber mit den Vorwürfen konfrontiert worden war, hatte er das Mädchen wegen übler Nachrede und Verleumdung angezeigt. Die Staatsanwältin hatte im Plädoyer keinerlei Zweifel an den Angaben der Zeugin. Diese habe die Vorfälle „klar, schlüssig, detailliert und konsequent“ geschildert.

Ostallgäuer wurde nach den Vorwürfen gekündigt

Der zwischenzeitlich vom Betrieb gekündigte Ostallgäuer hatte zunächst einen Strafbefehl erhalten, der auf 120 Tagessätze zu je 90 Euro lautete. Im Einspruchsverfahren gab der Verteidiger jetzt eine Erklärung für seinen Mandanten ab, in der dieser sämtliche Vorwürfe von sich wies. Laut seiner Schilderung habe die Auszubildende „nahezu regelmäßig“ Kontakt zu ihm gesucht. Sie habe ihn häufig beruflich um Rat gefragt, sei aber auch ins Private abgeschweift. Als sie sich per E-Mail wegen eines Beziehungsproblems an ihn gewandt habe, habe er ihr geantwortet, sie solle derartige Dinge mit ihrer Freundin oder ihrer Mutter besprechen – er sei „dafür zu alt“.

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Aus der Aussage des Mädchens ging hervor, dass sie sich mit dem Angeklagten an sich gut verstanden hatte. Sie schilderte aber auch sexuelle Anzüglichkeiten. So habe der Mann sie gefragt, ob sie noch Jungfrau sei. Schließlich seien auch Berührungen dazu gekommen, beispielsweise am Rücken auf Höhe des BH-Verschlusses. Aus der Aussage des Mädchens ließ sich schließen, dass ihr die Tragweite der Vorfälle zunächst nicht bewusst war. (Lesen Sie auch: Mann entblößt sich in Kaufbeuren vor einem Kind)

Junge Frau ist seitdem in psychologischer Behandlung

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Erst nach dem Besuch einer innerbetrieblichen Informationsveranstaltung zu sexuell übergriffigem Verhalten sei ihr klar geworden, „dass das alles nicht richtig war“. Auf die Frage des Richters nach möglichen Folgen erklärte die Zeugin, sie sei in psychologischer Behandlung und krankgeschrieben. Besonders erschüttert hat sie offenbar, dass der Angeklagte sie nach Bekanntwerden der Vorwürfe angezeigt hatte.

Der Verteidiger hielt es für möglich, dass die Aussagefähigkeit der jungen Frau durch eine psychische Erkrankung beeinträchtigt sein könnte. Er beantragte einen Freispruch und im Falle einer Verurteilung die Einholung eines psychiatrisches Gutachtens. Der Richter machte im Urteil deutlich, dass er weder an der Glaubwürdigkeit noch an der Aussagefähigkeit der Zeugin einen Zweifel hatte. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

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