Snowboard

Selina Jörg gewinnt zum Schluss ihrer Karriere Gold im Parallel-Riesenslalom

Die Sonthoferin Selina Jörg verteidigt ihren Titel beim Parallel-Riesenslalom und ist nun die erfolgreichste deutsche Snowboarderin der WM-Geschichte.

Die Sonthoferin Selina Jörg verteidigt ihren Titel beim Parallel-Riesenslalom und ist nun die erfolgreichste deutsche Snowboarderin der WM-Geschichte.

Bild: Milos Vujinovic, dpa

Die Sonthoferin Selina Jörg verteidigt ihren Titel beim Parallel-Riesenslalom und ist nun die erfolgreichste deutsche Snowboarderin der WM-Geschichte.

Bild: Milos Vujinovic, dpa

Nach Freude über zwei WM-Medaillen erklärt die Sonthoferin Selina Jörg ihren Rücktritt. Die Entscheidung sei schon vor einem Jahr gefallen.
04.03.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Mit Freudentränen in den Augen steht Selina Jörg auf dem Siegerpodest, als ihr zu Ehren die deutsche Nationalhymne erklingt. Kurz zuvor ist ihr im slowenischen Rogla ein Kunststück gelungen, das bisher noch keiner anderen deutschen Snowboarderin vergönnt war: Sie krönte sich zum zweiten Mal hintereinander zur Parallel-Riesenslalom-Weltmeisterin. Zur Goldmedaille gesellte sich am Dienstag weiteres Edelmetall. Im Parallel-Slalom verpasste die 33-jährige Sonthoferin zwar das große Finale, siegte aber im Rennen um Platz drei und wurde mit Bronze belohnt.

Rücktritt nach fast 20 Jahren

Damit ist die Sonthoferin mit zweimal Gold und einmal Bronze die erfolgreichste deutsche Snowboarderin der WM-Geschichte. Anlass genug, um zwei Tage später nach fast 20 Jahren Leistungssport ihren Rücktritt zu erklären: „Die Entscheidung dazu habe ich bereits vor mehreren Monaten und daher unabhängig vom WM-Ergebnis getroffen, es war ein langer Prozess der sich absolut richtig und gut anfühlt. Ich wollte immer aufhören, so lange ich ganz vorne mitfahren kann.“

Goldmedaille und Titelverteidigung beim Riesenslalom

Dass sie das noch problemlos kann, hat die 33-Jährige in Rogla eindrucksvoll bewiesen. So richtig fassen konnte sie ihren Erfolg auch mit 48 Stunden Abstand noch nicht: „Es waren verrückte Tage. Da braucht man schon etwas Zeit, bis man versteht, was da wirklich passiert ist. Im Slalom habe ich ehrlich gesagt überhaupt nicht mit einer Medaille gerechnet. Mein Ziel war, bei der WM einmal auf dem Treppchen zu stehen. Dass ich am Ende in beiden Rennen aufs Podest fahre und sogar meinen Titel verteidigen konnte, übertrifft wirklich alle meine Erwartungen“, sagt die alte und nun auch neue Weltmeisterin.

Tatsächlich war ein so starkes Abschneiden Jörgs nicht unbedingt zu erwarten. Bei den letzten Weltcups vor der WM wurde die gebürtige Sonthoferin, die mittlerweile mit Freund Martin in Burgberg lebt, Vierte und Zehnte: „Im Nachhinein betrachtet, waren diese Platzierungen Ende Januar beziehungsweise Anfang Februar gar nicht so schlecht für mich. Dadurch wurde ich wach gerüttelt und war bereit, in Rogla voll zu attackieren.“

Allerdings fand Jörg im Finale um Gold nicht ideal in den Lauf. Im Generationenduell mit der erst 17-jährigen Sofija Nadyrschina lag sie zwischenzeitlich sogar zurück. Doch im Endspurt wählte Jörg die schnellere Linie und siegte hauchdünn vor der jungen Russin. „Während der Fahrt habe ich gar nicht mitbekommen, dass ich so viel Rückstand habe. Außerdem wusste ich, im Zielhang von Rogla ist noch viel drin. In den letzten Toren habe ich dann einfach Vollgas gegeben und das hat zum Glück gereicht“, beschreibt Jörg den Zweikampf um den WM-Titel.

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Tags darauf stand die 33-Jährige erneut neben Nadyrschina im Starthaus – im Halbfinale des Slaloms. Im Rennen mit den engeren Torabständen hatte die Sonthoferin das Nachsehen. Im kleinen Finale überquerte Jörg die Ziellinie aber wieder als Erste, sicherte sich ihre zweite WM-Medaille und freute sich mit Teamkollegin Ramona Hofmeister über deren Silbermedaille: „Wir haben im kleinen Kreis in unserer Bubble gefeiert. Das ging ganz gut.“

Letztes Rennen am Göschen in Berchtesgarden

Zudem haben die Weltmeisterin zahlreiche Glückwünsche aus der Heimat erreicht; der Empfang, den Sonthofens Bürgermeister Christian Wilhelm ankündigte, wird nun auch eine Würdigung ihrer Karriere. Noch ist die deutsche Mannschaft jedoch in Slowenien. Am Samstag steht ein weiterer Parallel-Riesenslalom in Rogla auf dem Programm. Und dann wird Selina Jörg am 20. und 21. März noch zwei Rennen am Götschen in Berchtesgaden bestreiten. „Dieses Karriereende ist ein Traum. Mit zwei WM-Medaillen beim Heimweltcup abzutreten – besser geht’s nicht. Ich war in Berchtesgaden am Sportinternat und habe auf dem Hang meine ersten Kinderrennen gefahren. Dort schließt sich jetzt der Kreis für mich“, sagt Selina Jörg.

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