Seilbahnunglück

Nach Gondelabsturz in Italien: So prüfen TÜV und Betreiber die Seilbahnen im Allgäu

Nebelhornbahn in Oberstdorf

Mit Kontrollfahrten vor Dienstbeginn startet bei Seilbahnen im Allgäu der tägliche Betrieb.

Bild: Matthias Becker (Symbol)

Mit Kontrollfahrten vor Dienstbeginn startet bei Seilbahnen im Allgäu der tägliche Betrieb.

Bild: Matthias Becker (Symbol)

Bei einem Gondel-Absturz in Italien sterben 14 Menschen. Betreiber von Bergbahnen im Allgäu erklären, worauf sie achten, damit hier so etwas nicht passiert.
27.05.2021 | Stand: 08:50 Uhr

Nach dem Seilbahnunglück am Lago Maggiore in Italien mit 14 Toten hat Dr. Georg Schober viele Fragen zu beantworten. Er ist verantwortlich beim Technischen Überwachungsverein (TÜV) Süd in München für das Seilbahnwesen, ist sozusagen oberster Bergbahn-Prüfer. Schober arbeitet nicht nur am Schreibtisch, sondern ist auch oft vor Ort, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Erst neulich sei er auch wieder im Allgäu unterwegs gewesen.

Die Vorgaben in Deutschland seien streng. Seilbahnen müssten zweimal jährlich überprüft werden. Das heißt: Einmal im Jahr muss der TÜV Süd mit Sachverständigen vor Ort sein, ein halbes Jahr später kann der Betriebsleiter mit seinem Team die Funktionsweise der Anlage überprüfen. Ein Bericht darüber muss an die Aufsichtsbehörde gehen – die ist für das Bergbahnwesen im Freistaat bei der Regierung von Oberbayern angesiedelt. Einer der Punkte sei die Funktion der Abschalteinrichtungen, sagt Schober.

Jeden Morgen steht bei den Bergbahnen im Allgäu jeweils eine Revisionsfahrt an

Weil am Seil das Leben von Tausenden Menschen hängt, wird ihm bei den Bergbahn-Prüfungen stets ein besonderes Augenmerk geschenkt. Bereits nach einem starken Gewitter mit Blitzschlag kann eine Sichtprüfung erforderlich sein, in regelmäßigen Zeitabständen werden die Seile „magnetinduktiv“ geprüft. Bei diesem Spezialverfahren geht es darum, gebrochene Drähte im Inneren des mehrere Zentimeter dicken Seils zu entdecken.

Außerdem ist eine tägliche Revisionsfahrt bei Allgäuer Bergbahnen am Morgen obligatorisch, bevor die ersten Gäste in die Kabinen steigen. „Das ist ein wahnsinnig verantwortungsvoller Job“, sagt Ralf Speck von der Nesselwanger Alpspitzbahn. Immer wieder spiele er Szenarien durch, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein.

„Das Schlimmste für eine Anlage ist, still zu stehen“, sagt Speck. Das sei bei der Alpspitzbahn jedoch nicht der Fall gewesen. „Wir sind trotz Corona jede Woche gefahren.“ Natürlich ohne Fahrgäste. Laut Speck gehören Seilbahnen generell „zu den sichersten Fahrbetrieben, die es gibt“.

So wird an der Hochgrat-Bahn in Oberstaufen für Sicherheit gesorgt

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„Es ist unglaublich, dass das Notbremsensystem der verunglückten Gondel ausgesetzt wurde“, sagt Rudolf Eberle. Die italienischen Ermittler gehen davon aus, dass dies geschah, um eine technische Störung zu beheben. Eberle ist Betriebsleiter der Hochgratbahn in Oberstaufen-Steibis.

Die Hochgratbahn ist eine Umlaufbahn mit nur einem Förderseil. „Auch während des Lockdowns haben wir ständig nachgeschaut und überprüft, dass alles in Ordnung ist, während die Bahn ohne Gäste lief.“ Das Seil der Hochgratbahn mit ihren 65 Kabinen ist 33 Millimeter dick und besteht aus 70 Drähten. In der Mitte befindet sich ein Kunststoffkern. Das Seil könne eigentlich nur bei einem Blitzschlag reißen, wenn Temperaturen um 400 Grad die Drähte zerstören. Es werde täglich überprüft. Und dabei würde ein Schaden auch entdeckt, sagt Eberle. Alle vier Jahre wird das Innenleben der Seile mit einem speziellen Kamerasystem durchgecheckt.

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