10 Tipps

So schützen Sie sich beim Wandern vor Kuh-Attacken

Kühe gelten als friedlich. Doch es kann immer wieder zu gefährlichen Situationen kommen.

Kühe gelten als friedlich. Doch es kann immer wieder zu gefährlichen Situationen kommen.

Bild: Archivfoto: Heidi Sanz

Kühe gelten als friedlich. Doch es kann immer wieder zu gefährlichen Situationen kommen.

Bild: Archivfoto: Heidi Sanz

Nach mehreren Kuh-Attacken in diesem Sommer reagiert Österreich: Das Tourismusministerium hat 10 Verhaltensregeln in einem Video veröffentlicht.
17.08.2020 | Stand: 16:34 Uhr

Immer wieder kam es in diesem Sommer zu kritischen Szenen zwischen Kühen und Wanderern. In Österreich hat darauf Tourismusministerin Elisabeth Köstinger reagiert. Man wolle Touristen und einheimische Wanderer über "alle Kanäle" ansprechen, sagte sie nach einem "Almen-Gipfel" mit Vertretern aus Almenwirtschaft, Tourismus und Alpenverein. Auf Youtube wurde dieses Video veröffentlicht:

Die 10 Regeln im Umgang mit Weidetieren lauten zusammengefasst:

  1. Kontakt zum Weidevieh vermeiden. Die Tiere nicht füttern.

  2. Ruhig verhalten. Das Weidevieh nicht erschrecken.

  3. Achtung vor Mutterkühen. Sie beschützen ihre Kälber. Begegnungen, insbesondere mit Hunden, vermeiden.

  4. Hunde an der kurzen Leine führen. Ist ein Angriff durch ein Weidetier zu erwarten: Sofort ableinen!

  5. Wanderwege auf Almen und Weiden nicht verlassen.

  6. Wenn Weidevieh den Weg versperrt, mit großem Abstand umgehen.

  7. Bei Herannahen von Weidevieh: Ruhig bleiben, nicht den Rücken zukehren, ausweichen.

  8. Bei ersten Anzeichen von Unruhe der Tiere: Weidefläche zügig verlassen.

  9. Zäune beachten! Falls es ein Tor gibt, darf es benutzt werden. Danach Tor unbedingt schließen und Weide zügig überqueren.

  10. Begegnen Sie den dort arbeitenden Menschen, der Natur und den Tieren mit Respekt.

 

3.8. 2020: Nach Kuhattacke auf Sennerin warnt Experte vor Kühen mit Kälbern - Tipps für Landwirte

In Oberbayern ist eine erfahrene Sennerin bei einer Kuh-Attacke schwer verletzt worden. Als sie einer kalbenden Kuh helfen wollte, rastete diese aus. Die Frau musste mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden.

Der dramatische Vorfall zeigt, wie leicht die Stimmung zwischen Mensch und Tier kippen kann.

"Kalbende Kühe oder Kühe mit Kälbern haben einen großen Beschützerinstinkt. Was süß aussieht, kann schnell gefährlich werden. Für den Mensch ist sehr große Vorsicht geboten", warnt Experte Stefan Immler vom Amt für Ernährung, Landschiwrtschaft und Forsten in Kempten. Eine offizielle Statistik über Kuh-Attacken auf Landwirte gibt es im Allgäu zwar nicht. Doch Immler, der viele Bauern kennt, weiß aus Erfahrung: "Dass Kühe Landwirte verletzen, kommt immer wieder vor."

"Obwohl der Bauer nur helfen will, droht Gefahr"

Vorsichtig ist vor allem geboten, wenn ein Kalb auf einer Weide zur Welt kommt. "Obwohl der Bauer nur helfen will, kann die Kuh extrem gereizt reagieren. Anders als im Stall hat er auf der Weide aber keine Chance, sie beispielsweise beiseite zu schieben oder das Kalb zu separieren", sagt Immler. Die Mutterkuh habe zudem meist eine ganze Herde im Hintergrund, die dem Bauern im Extremfall ebenfalls gefährlich werden kann.

Kuh kalbt auf Weide: Das sollten Landwirte beachten

Deshalb sollten bei einer Weide-Geburt immer mindestens zwei Personen mithelfen. Wichtig sei zudem, für den Fall einer Kuh-Attacke gerüstet zu sein: "Hinter einem Traktor auf dem Feld kann man sich beispielsweise gut in Sicherheit bringen."

Weniger gefährlich für den Landwirt ist generell eine Stallgeburt, da die Räumlichkeiten dafür eingerichtet sind.

Bleiben Kalb und Kuh nach der Geburt zusammen, wie bei der Mutterkuh-Haltung üblich, muss auch in den Tagen und Wochen danach sehr gut aufgepasst werden. Denn egal ob im Stall oder auf der Weide: Die Mutterkuh beschützt und verteidigt ihr "Kleines" vehement.

Deshalb sollten Wanderer immer einen großen Bogen um sie machen und Hundehalter ihren Hund ganz kurz an der Leine halten. Eine Mutterkuh nimmt ihn als Bedrohung war.

Auch Landwirte und ihre Mitarbeiter, die im Umgang mit Kühen Erfahrung haben, sind vor Unfällen nicht gefeit: Im vergangenen Jahr registrierte die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau 5669 meldepflichtige Unfälle im direkten Kontakt zu Rindern, fünf Menschen starben, wie die Tagesschau berichtete.

Kalbende Kuh attackiert Sennerin: So berichteten wir am 1. August über den dramatischen Vorfall in Oberbayern

In diesem Sommer kam es immer wieder zu Attacken von Kühen auf Wanderer oder Ausflügler. So griffen im Tannheimer Tal (Tirol) Kühe zwei deutsche Wanderer an und verletzten sie. Alphirten machten in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass die gestiegenen Urlauberzahlen im Corona-Sommer 2020 für Kühe auf den Weiden enormen Stress bedeuten können und Wanderer unbedingt diese Regeln einhalten sollten. Von Kuh-Attacken betroffen sind häufig Menschen, die den Tieren allzu sorglos begegnen - oder sie gar rücksichtslos erschrecken oder traktieren.

Ganz anders liegt der Fall bei einer Sennerin, die von einer Kuh am Heuberg in Nußdorf am Inn (Landkreis Rosenheim) angegriffen wurde - und schwer verletzt mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden musste. Die erfahrene Almhirtin (47) hatte versucht, einer kalbenden Kuh zu helfen. Darüber berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Bauer verhindert Schlimmeres

Ein Wanderer hatte die Frau demnach von einer nahe gelegenen Alm zu der Kuh geholt, die verzweifelt versuchte, ihr Kalb zu gebären.

Die Älplerin wollte der Kuh helfen. Das Tier griff sie jedoch sofort an. Als der Wanderer die Frau schützen wollte, attackierte die Kuh auch ihn. Schließlich wurde der Bauer auf den dramatischen Vorfall aufmerksam. Mit Stockschlägen wehrte er die Kuh ab - und bewahrte die 47-jährige Frau laut Polizei wohl vor Schlimmerem.

Frau erleidet schwere Verletzungen

Die Frau habe schwere Verletzungen am Kopf und Oberkörper erlitten. Es bestehe aber keine Lebensgefahr mehr. Der Wanderer blieb bei dem Angriff der Kuh am Freitag unverletzt. Das Kalb war eine Frühgeburt und kam tot zur Welt.

Allgäuer Älpler reagierten bestürzt auf den dramatischen Vorfall in Oberbayern. Allein im Allgäu vebringen etwa 28.000 Jungrinder, im Allgäu Schumpen genannt, den Sommer in Höhenlage. Auch 2.500 Kühe "sömmern" auf den Allgäuer Alpen. Überwiegend geschieht dies völlig friedlich.

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Doch nicht immer bleibt die Begegnung zwischen Mensch und Kuh idyllisch. Besonders Mutterkühe können für Menschen eine Gefahr darstellen, da sie sie ihre Kälber beschützen wollen und auf "Eindringlinge" mitunter aggressiv reagieren. So wurde vor Kurzem in Halblech (Ostallgäu) ein achtjähriger Bub von einer Mutterkuh schwer verletzt. Eine Übersicht zu weiteren Kuh-Angriffen speziell im Allgäu lesen Sie hier.